Ein Alligator und Delfingruppen

Wir stehen früh auf, genießen die Duschen noch mal und verlassen nach dem ersten Kaffee um 08:00 die Marina. Das Wetter ist sonnig und trocken, allerdings nicht mehr so warm. Wir überqueren die Bucht von Charleston, um dann in den Intracoastel Richtung Norden zu fahren. Um 09:15 erreichen wir die erste Drehbrücke, die am Wochenende zu jeder vollen Stunde öffnet. Wenn wir das gewusst hätten. . . .

Wir reduzieren die Fahrt und brauchen so genau passend 45 Min für die 600 Meter bis zur Durchfahrt. 10:04 geht’s weiter. Rechts und links des breiten Gewässers stehen einige große Anwesen, von denen lange Stege über weite Grasflächen bis ans Wasser reichen.P1030812a

Der „Kanal“ ist hier stellenweise ziemlich flach, und wir halten uns in der Mitte, um nicht fest zukommen. Ehrlich gesagt ist die Fahrt bisher langweilig.

Ab und zu zeigen sich auch hier kleine Delfingruppen. Um 14:15 sichtet Andrea den ersten Alligator, weitere um 17:13 und 17:30.P1030832a

Damit hab ich nicht gerechnet, aber Schwimmen fällt schon wegen des trüben, braunen Wassers aus.

Um 18:10 ankern wir in einem Nebenarm des „Kanals“. Der Wasserstand im Intercoastel ist tidenabhängig, so ist der Strom über Tag mal mit und mal gegen uns. Jetzt zieht das auflaufende Wasser kräftig am Anker. Es ist unglaublich still hier.

Wasser- und Dieseltank werden gefüllt, danach lassen wir uns zum Supermarkt bringen, um unsere Vorräte aufzufüllen. Klar zum Auslaufen haben wir noch viel Zeit wieder in die Stadt zu gehen.P1030795a

Wir erstehen das ein oder andere Andenken bzw. Mitbringsel. In ein Open-Air Konzert in einem Park hören wir nur kurz rein, da wir weder Campingstühle noch Picknick-Decke bei uns haben.

Südstaaten-Villen

Wir laufen von der Marina in die Altstadt. Ist zwar nicht ganz nah, aber der Weg führt uns vorbei an wunderschönen „Südstaaten-Villen“, entlang der Straßen wachsen große Bäume.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Stadt ist lebendig, hat unzählige schöne Geschäfte und Restaurants. Abend besuchen wir ein Konzert mit dem Namen „Sound of Charleston“, zur Musik gibt es ein paar Daten aus der Geschichte der Stadt. Sehr schön!

Schöner Tag

Um 08:30 rollen wir auch die Genua ein. Der schwache Wind kommt jetzt aus Norden, es ist bewölkt und deutlich kühler. Um 16:45 machen wir in der Ashley Marina, Charleston fest. Hinter uns liegen 530 Seemeilen. Hier steht dem Liegegeld endlich wieder ein ansprechendes Angebot gegenüber: ordentliche Stege, saubere Sanitäranlagen, Wasser, Internet und ein Shuttleservice zu einem erstklassigen Supermarkt. Abends lassen wir uns von einem Taxi zum Essen in die Stadt bringen.

Windmangel

Leider ist der Spaß um 08:00 vorbei. Wir starten den Motor wegen Windmangel. Um 11:00 gibt es leichten Westwind, aber der Motor muss die Segel weiter unterstützen. Wir können inzwischen absehen, dass wir bereits am Mittwoch ankommen, wenn wir nicht zu viel Fahrt verlieren. Das Groß wird um 14:30 wieder geborgen. Von 21:30 bis 22:45 schafft die Genua noch mal 6 kn ohne Motor.

Der Schub des Golfstromes

Wie gehofft setzt gegen 03:00 der Schub des Golfstromes ein. Bei unverändert leichtem Südost beschleunigen wir von 3,5 auf fast 6 kn. Gegen 08:00 dreht der Wind auf Ost und verstärkt sich auf ca. 15kn. Wir setzen das Großsegel zur Genua und machen sofort 7 kn. Nach 11:00 zeigt das GSP manchmal über 9 kn an. Wir erleben wieder traumhaftes Segeln auf sehr ruhigem Wasser.

Um 18:30 bergen wir für die Nacht das Groß, laufen aber auch nur unter Genua 6,5 später 6 kn. Im Laufe der Nacht nimmt der Wind etwas ab.

Zeit in der Karibik

Um 01:00 und 02:00 sind kleine Kursänderungen auf der Grand Bahama Bank zu machen, ansonsten segeln wir mit 3,5 kn geradeaus.

In dieser Nacht fällt mir auf, dass wir dabei sind, uns endgültig von den endlosen, leeren Sandstränden und Buchten mit türkisfarbenem Wasser zu verabschieden. Sofort ist mir klar, das die Zeit in der Karibik viel zu kurz war, zumal uns das Wetter die Zeit in den Exumas gründlich vermiest hat. Wieder wird der Gedanke an eine „zweite Runde“ wach.

Um 10:00 also nach 24 Stunden haben wir 84 Meilen geschafft. So kommen wir nicht am Donnerstag in Charleston an, aber ich setze auf den Golfstrom und der Wind soll ja Morgen auch stärker werden.

Um 22:00 haben wir Freeport passiert und fünf Stunden später das nordwestliche Ende von Grand Bahama hinter uns gelassen.

Paradies Island

Nach dem Kaffee fahren wir zum Ausklarieren an Land. Das Customs-Büro finden wir am Cruiser-Dock und erfahren dort, dass ein Ausklarieren nicht erforderlich ist. Da wir ordentlich einklariert haben, wünscht man uns eine gute Weiterreise in die USA. Die Information geben wir auf dem Rückweg noch an Birgit und Frank weiter, und um 10:00 ziehen wir unseren Anker aus dem Sand und fahren los.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAParadies Island

Sehr schwacher Wind schiebt uns unter Vollzeug nach Nord-Westen (298°). Mit 2,5 später 3,5 kn zeigt das GPS unsere Geschwindigkeit an. Um 18:30 bergen wir das Großsegel. Gleichzeitig frischt der Wind etwas auf, sodass wir um 20:00 4 kn nur unter Genua laufen.

Die Nacht wird sehr ruhig.

Die kommenden Tage

Um 16:00 verlassen wir die Marina und motoren unter den Brücken durch zu einem Ankerplatz für die Nacht. Zufällig liegen wir neben der „Cayluna“ und fahren auf ein Stündchen rüber. Birgit und Frank waren jetzt 2 ½ Monate mit verschiedenen Gästen in den Exumas unterwegs und können uns ausführlich berichten, was wir alles verpasst haben, einerseits aus Unkenntnis, aber auch aufgrund des schlechten Wetters. Wir machen uns ein paar Notizen für die nächste Runde.

Unser Plan für die kommenden Tage sieht jetzt folgendermaßen aus: Morgen früh ausklarieren (Wo?) und dann nonstop vorbei an Grand Bahama nach Charleston segeln. Meine Hoffnung ist, dass wir,  durch den Golfstrom geschoben, diese Strecke (500 nm) in weniger als fünf Tagen schaffen, bevor im Zielgebiet avisierter Starkwind aus Ost einsetzt.

Birgit und Frank

Es ist viel zu warm! Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg, die Altstadt von Nassau zu erkunden. Wir merken schnell, dass man hier nicht auf Fußgänger eingestellt ist. Bürgersteige liegen mal rechts, mal links von der Straße, oder fehlen ganz. Das Überqueren ist schwierig, weil hier scheinbar durchgehend Rushhour herrscht. Unter den Brücken, die die Hauptinsel New Providence mit Paradise Island verbinden finden wir eine Zeile von einfachen Restaurants aus Holz, wo man für hiesige Verhältnisse günstig essen und trinken kann. Es ist zu früh zum Mittagessen und wir suchen ja die Altstadt. Entlang einer Straße ohne Gehweg wandern wir durch die Hitze. Meinem Orientierungssinn folgend biegen wir  irgendwann links ab, gehen bergauf, dann bergab und landen in einem Wendehammer. Super! Zurück zur Hauptstraße.

Wir finden eine Bushaltestelle und warten ca. 20 Minuten. Ein Taxi (sind hier immer Kleinbusse) hält, und die drei anderen Wartenden steigen ein. Wir fragen den Fahrer wie viel die Fahrt zur Altstadt kostet und willigen ein 10 $ zu bezahlen. Nach drei Minuten Stop and Go haben die anderen Fahrgäste ihr Ziel erreicht, wir fahren noch zwei Minuten weiter und werden nach vielleicht zwei Kilometern am Cruiser-Terminal abgesetzt.P1010053a.jpg

Toll! Endlich wieder Juweliere, Uhren- und Andenkengeschäfte. Wir machen das Beste draus und essen einen wirklich leckeren Hamburger im Hard Rock Cafe. Hier treffen wir auch Birgit und Frank von der „Cayluna“. Auf diesem Katamaran haben wir 2013 ein Skippertraining in der Kieler Bucht absolviert. Danach laufen wir ein Stück Richtung Marina, nehmen aber den ersten Bus, den wir kriegen können und lassen uns für 2,50 $ (zusammen) fahren. Es ist viel zu warm hier.

Später erledigen wir unsere Einkäufe und um 18:30 nehmen wir die letzte halbe Stunde der „Happy Hour“ im Restaurant in der Marina mit. Hier erfahren wir von Jeff und Chris, die am gleichen Steg liegen wie wir, dass das Tief, das ständig erwähnt wird inzwischen den Namen „Anna“ hat, also ein Sturm ist. An Bord hole ich mir frische Wetterdaten und stelle fest, das „Anna“ schon weit nördlich von uns wütet und sich hier ab Samstag ein brauchbarer Süd-Ost Wind einstellen wird.