26.07.2017 Regen
Die Wetterlage wird uns einige Tage hier festhalten, aber auf den ersten Blick scheint St Peter Port ein schöner Ort zu sein, der Prospekt spricht von der hübschesten Hafenstadt Europas.
Um die Mittagszeit brechen wir trotz Regen zu einem ersten Rundgang auf.
In den schmalen Gassen des Zentrums stehen an allen Ecken Musiker unter Pavillons und erfreuen die Gäste mit verschiedensten Klängen.
Dixie, karibische Steeldrums, Saxophon, bis hin zu Songs aus Musicals werden geboten. Wir lesen, dass hier noch bis zum 29.07. der Town Carnival stattfindet.
Zum Mittag lassen wir uns in einem der gemütlichen Pubs nieder.
Nachmittags wenden wir uns wieder den Arbeiten an Bord zu.
Zuerst nehmen wir den Windgenerator ab, der nach seiner 20 monatigen Pause keinen Strom mehr produziert, und zerlegen ihn so weit wie möglich.
Die Lager scheinen etwas schwerer zu laufen, allerdings zweifeln wir daran, dass das der Grund für sein Versagen ist. Trotzdem versuchen wir, neue Lager aufzutreiben. Der hiesige Händler hat sie nicht da, empfiehlt uns aber einen Laden in einem Ort weiter nördlich.
Am Abend wird wieder am PC gearbeitet.
27.07.2017 überwiegend sonnig
Nach dem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf die Suche nach der Undichtigkeit im Bereich der Ankerwinde.
Nach dem Trennen aller Kabel lösen wir die Haltebolzen und heben die Winde von Bord.
Die serienmäßige Dichtung um den Fuß ist völlig verformt und mit einer Mischung aus Salz und Aluminiumoxid überzogen, das Windengehäuse von unten „angefressen“. Hier dichtet nichts mehr, und über den Kabelkanal gelangt nun Wasser ins Schiff, wenn man so durch die Wellen stampft, wie wir auf unserem Weg nach Cherbourg. Bis wir alles gründlichst gereinigt haben, ist es bereits Nachmittag, und in dem Glauben es wäre Freitag machen wir uns auf den Weg die Lager für den Windgenerator noch vor dem Wochenende zu besorgen. Die Dame in Touristeninformationszentrum erklärt uns, mit welchen Buslinien wir unserem Ziel nahekommen und wie man hier die Busse benutzt. Nach kurzem Warten an der Haltestelle sind wir unterwegs. Schon bald bemerken wir, dass der Bus nur hält, wenn jemand an einem Stop wartet oder aussteigen will. An unserer Haltestelle ist das nicht der Fall, und wir haben sie nicht rechtzeitig erkannt. Beim nächsten Halt steigen wir auf Anraten des Fahrers aus und laufen zurück.
Die schmale Straße hat keinen Bürgersteig, ist mit Mauern eingefasst und gut befahren.
Dank Google Maps finden wir das gesuchte Geschäft nach einem längeren Spaziergang. Es ist genau der richtige Laden, nur die von uns gewünschten Lager fehlen gerade im Bestand. Die äußerst hilfsbereiten Männer hinter dem Ladentisch rufen noch bei einem Motorradhändler in der Nachbarschaft an, aber der hat bereits geschlossen. Letztendlich bestellen sie die Teile, in der Hoffnung sie schon Morgen zu bekommen, ohne uns zur Abnahme zu verpflichten, denn es könnte auch bis Montag dauern, und da sind wir ja nicht mehr hier. Zurück nehmen wir einen anderen Weg, der uns in das Örtchen Bridge führt. Bis zur Abfahrt des Busses ist noch eine halbe Stunde Zeit, also suchen wir nach einem netten Pub. Wir kommen wieder bei einem Schiffsausrüster vorbei und fragen auch hier wieder nach den Lagern. „Nein, wir haben nur Teile für Volvo. Aber warte mal: „Gerry, wie heißt noch mal der verrückte Alte, der jedes Lager hat?“ Die beiden überlegen zusammen und finden schließlich Namen und Telefonnummer von Henry Martin. Den sollen wir mal anrufen, aber uns nicht wundern, er wäre etwas verrückt.

Wir finden dann schnell einen Pub und während das Bier gezapft wurde, rufe ich Henry an. Ich weiß nicht ob er auch schwerhörig ist, aber das Gespräch beginnt mit „Hello?“ Ich erwiderte „Hello“ und stellte mich kurz vor. Zurück kommt „Hello?“ Ich meldete mich erneut. Antwort: Hello?
Beim dritten Anlauf frage ich: „Can you hear me?“ und erhalte ein „Yes“. Auch die Frage, ob er Lager in der gesuchten Größe habe beantwortete er mit: „Yes, howmany do you need?“ Wir brauchten zwei. Jetzt bitte ich Ihn um seine Anschrift, um die Teile abzuholen. Er gibt sich wirklich große Mühe, buchstabiert viele Wörter mehrmals, weil ich sie nicht verstanden habe und zwischendurch gibt es immer wieder kleine Pausen die von einem „Hello?“ unterbrochen werden. Zum Schluss verabreden wir uns zur Übergabe bei ihm, in ca. einer halben Stunde. Er würde vor dem Haus stehen.
Meine Notizen gebe ich dem ebenfalls sehr freundlichen Barmann. Mit Fantasie und der Hilfe eines anderen Gastes formuliert er daraus eine Anschrift. Er ruft uns auch gleich ein Taxi, dafür muss er sechsmal telefonieren. „Taxi kommt in 10 Minuten.“ Das reicht für ein weiteres Bier. Als er zwei frisch gezapfte Pints serviert, steht das Taxi schon vor der Tür. Gut, dass Austrinken schneller geht als Zapfen.
Wir fahren also wieder über enge Landstraßen an hübschen Häusern mit schönen Gärten vorbei und erreichen eine gewundene Straße auf der sich das Ziel befindet. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Häuser auf dieser Straße keine Nummern, sondern Namen haben. Langsam schleicht unser Taxi von Haus zu Haus, aber keines trägt einen Namen der dem gesuchten ähnlich ist. Ich rufe Henry wieder an und gebe das Handy an den Taxifahrer weiter. Wenig später fahren wir in einen unbefestigten Privatweg zu einem zurückliegenden Haus. Ein kleiner, alter Mann mit weißen Haaren kommt an mein Autofenster, hält mir zwei Lager hin und sagt: „Hier ist, was Du brauchst.“ Es sind tatsächlich die richtigen Lager. Wir erstehen beide für je fünf Pfund. Super!
„Und wohin jetzt?“ fragt der Fahrer. Ich antworte in meinem lupenreinen Englisch: „Back to town. Saint Peter Port“. „Das ist ja gleich um die Ecke“, erwidert der Fahrer und fährt los. Es dauert doch eine ganze Zeit, bis wir wieder über schöne Straßen in die Einfahrt zu einem eleganten Hotel einbiegen. „Da wären wir“ höre ich den Fahrer sagen und lese am Eingang: Saint Pierre Park. . . . Ich werde an meiner Aussprache arbeiten müssen.
Wir klären das Missverständnis auf und fahren zur Marine in St Peter Port. Zurück an Bord bauen wir die gereinigte Ankerwinde mit großer Sorgfalt und viel Sikaflex wieder ein und stellen zufrieden fest, dass sie immer noch funktioniert. Jetzt sehe ich schlechtem Wetter etwas gelassener entgegen.
28.07.2017 wolkig mit kurzen Schauern
Nach dem Frühstück ist wieder der Windgenerator dran.
Wir bauen die neuen Lager ein und reinigen das Gehäuse, montieren die Flügel, ziehen die Kabel wieder in den Haltemast und befestigen den Generator auf dessen Ende.
Nach unserem Ermessen läuft der Rotor jetzt etwas sauberer. Die Flügel drehen sich aber bei dem leichten Wind im Hafen kaum. Mal abwarten wie es bei mehr Wind aussieht.
Der nächste Punkt auf unserer Liste ist die Funkantenne. Das Kabel ist nahe der Decksdurchführung angebrochen, dadurch meldet unser AIS immer öfter „Antennenfehler“. Bevor wir neue Teile kaufen, möchte ich mir erst die gesamte Anlage ansehen, also lasse ich mich zur Mastspitze winden. Ein freundlicher Nachbar bietet Günter nach der ersten Weghälfte eine akkubetriebene Maschine von Hilti an, die das drehen der Winch übernehmen soll. Die Kraft des Gerätes reicht leider nicht aus. Scheinbar steht der Erfolg unserer Diät noch ganz am Anfang. Günter kurbelt weiter. Ich baue die Antenne ab. Es geht wieder abwärts. Während Günter die Schrauben der Ankerwinde nachzieht erstehe ich beim Schiffsausrüster eine neue Antenne (baugleich mit der alten!) samt Kabel und Stecker. Für ein nicht vorrätiges Verbindungsstück empfiehlt mir der Verkäufer ein Geschäft am anderen Ende des Hafens. Wieder schlägt mir die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen hier entgegen. Neben mir an der Kasse steht ein älterer Herr, und bietet mir an, mich zu dem Laden zu bringen, denn es regnet gerade ergiebig und er führe in die Richtung. Ich nehme dankend an. Das Teil bekomme ich auch dort nicht, aber es geht auch ohne.
Zurück an Bord: Wir sichten alle Teile und befestigen den Windpfeil an der Antenne. Jetzt müssen wir das neue Kabel an der Mastspitze mit dem alten verbinden und im Mast nach unten ziehen.
Günter zieht mich wieder in den Mast, ich nehme etwas Werkzeug und das Ende des neuen Kabels mit. Das Einführen des Kabels in den Mast gestaltet sich problematisch, weil auch das Kabel des Anemometers durch das gleiche Loch läuft. Es ist sehr eng. 

Ich schiebe oben Zentimeter für Zentimeter in den Mast, während Günter unten vorsichtig zieht, ohne die Verbindung der Kabel zu überlasten. Bei 14 Meter Masthöhe dauert das seine Zeit, aber es klappt. Jetzt ziehe ich an einem Fall die Antenne mit Windex hoch um sie zu montieren. Schade, dass der Hersteller die Nut, die in die Halterung greift um zwei Millimeter verbreitert hat. Passt nicht. Günter schickt neues Werkzeug. Die Schrauben der Halterung vermag ich nicht zu lösen. Mittels Säge verbreitere ich den Schlitz der alten Halterung. Endlich klappt die Montage. Ich schraube das Kabel an und Günter lässt mich nach gefühlten drei Stunden wieder nach unten. Das reicht für heute. Wir laden uns zum Essen im Pub ein. Prost.
29.07.2017 Es regnet wie aus Eimern.
Auf dem Weg zur Dusche nehme ich gleich meine Wäsche und die erforderlichen 1 Pfund Münzen mit. Ich lade die Maschine, fülle Waschmittel ein und stelle fest, dass meine 1 Pfund Münzen nicht in die Maschine passen, neben mir ein Schild: „Nur 1 Pfund Münzen einwerfen.“ In Badeschlappen mache ich mich auf die Suche nach einem Verantwortlichen. Ich habe Glück und erfahre, dass es neben meinen neuen, auch alte 1 Pfund Münzen gibt, und die passen in die Maschine. Er hat leider keine bei sich. Super! Zurück an Bord finde ich die passenden-.
Wenig später sieht Günter zum ersten Mal im Leben eine Waschmaschine, die er weder tragen noch anschließen, sondern benutzen soll. Klappt aber auf Anhieb.
Er schließt später auch die neue Antenne ans Funkgerät und AIS an.
Keine Fehlermeldung mehr. Klasse!
Wir verbringen den Tag unter Deck, denn es hört erst um 18:00 auf zu regnen.


Wir haben hier z. Zt. einen Tidenhub von 8 -9 Metern. Eine Barre in der Hafeneinfahrt sichert einen Mindestwasserstand im Hafenbecken des Yachthafens bei Niedrigwasser, aber nur im Yachthafen.






