Montag, 11.09.2017 sonnig
Wir erledigen morgens noch ein paar kleine Einkäufe. Um 10:20 lösen wir die Leinen vom Steg und fahren durch die geöffnete Brücke der Marina Lagos.
Am Meldesteg legen wir nochmal kurz an, um unsere Zugangskarten abzugeben, vor allem aber um uns von Rüdi zu verabschieden, der uns dort bereits mit seiner Kamera erwartet. Ein bisschen bedauert er, diesmal nicht mit von der Party zu sein, aber er hat sein „Segelsoll“ für dieses Jahr mehr als erfüllt.
Um 10:35 fahren wir los, begleitet von einem kräftigen Ton aus Rüdi’s Horn. Unser Ziel ist die kleine Atlantikinseln Porto Santo, kurz vor Madeira. Vor uns liegen ca. 450 nm, die wir bei gutem Wind, und den sollen wir haben, in ca 3 ½ Tagen bewältigen sollten.
Um 12:00 gibt es noch keine Spur von Wind, aber um 13:05 setzt er allmählich ein. Wir setzen die Segel und schalten die Maschine ab. Uns ist bewusst, dass wir uns noch in der Landabdeckung der Iberischen Halbinsel befinden, trotzdem überrascht es uns, dass wir bereits um 14:30 alle verfügbaren Reffs in die Segel gebunden haben. Wir hatten mit gut 15 kn Wind gerechnet, jetzt weht es mit 25 – 30. Er fällt als „halber Wind“ scheinbar genau von der Seite ein –eigentlich der ruhigste Kurs zum Segeln-, geht aber mit einem sehr ruppigem Wellenbild einher. Viel Gischt fliegt ins Cockpit.
Abends nehmen wir das Vorsegel ganz weg. Wir sind schon einigermaßen geschafft, als zu allem Überfluss um 22:00 der Autopilot wiedermal seinen Dienst quittiert. Wir steuern also abwechseln durch die Nacht.
Dienstag, 12.09.2017
04:00 Wir bergen das gereffte Großsegel und rollen stattdessen einen Teil der Genua aus. Das reicht bei dem Wind für zügige Fahrt, und so lässt sich das Boot leichter steuern. Im Laufe des Vormittags wird es auch etwas ruhiger (20 – 25 kn), und der Autopilot ist seiner Aufgabe wieder gewachsen.
Mit dem kleineren Segel steuert er auch weiter, als der Wind am Nachmittag zur vorherigen Stärke zurückkehrt.
Mittwoch, 13.09.2017
12:30 baumen wir die Genua aus, da diese bei dem jetzt achterlichen Wind öfter einfällt.
Der Wind ist jetzt gleichmäßiger (20 – 25 kn), aber die ruhigere See wird im Halbstundenrhythmus von großen querlaufenden Wellen gestört. Das wirft unser Boot aus dem Kurs und führt wiederholt dazu, dass das ausgebaumte Vorsegel auf der falschen Seite steht. Welche ungünstigen Kräfte dabei entstehen, sollen wir nach der Ankunft auf Porto Santo feststellen.
Donnerstag, 14.09.2017
Um 14:45 ankern wir vor dem Strand von Porto Santo auf 5 m tiefem, türkisfarbenen Wasser. Leider fegen auch hier die Böen mit bis zu 30 kn entlang, aber das Wasser liegt einigermaßen ruhig.

Nach dem verdienten Ankerbier begutachten wir die Schäden: Ein Beschläg des Spinnakerbaumes ist verbogen und der Beschlag am Mast ist stark gelockert. Das müssen wir vor dem Start nach Übersee noch beheben.
Günter hat Schmerzen beim Tief durch Atmen, Lachen, und sich umdrehen, nachdem er in einer der Nächte im Cockpit ausrutschte und unterstützt vom Schwung einer Welle, mit dem Rücken auf eine Kante der Kajüte knallte. Dank unserer medizinischen Ausbildung wissen wir, dass es weder für Rippenprellungen noch –brüche eine Therapie gibt. In sechs Wochen wird es nicht mehr so weh tun.
Gez. Dr. Ouzo