1. Tag Montag, 13.11.2017
Laut Wettervorhersage müssen wir in der ersten Woche mit wenig Wind rechnen, was mir lieber als zu viel ist, wenigstens die Richtung soll aber passen.
Wir verlassen also um 14:05 den Hafen von San Sebastian (28° 04,953 N, 017°06,709 W) und richten den Kurs unter Motor nach Süden. Der schwache Wind, der uns begleiten sollte, weht uns entgegen. Wir bleiben gelassen, genehmigen uns ein „Ablegerbier“ und machen uns wenig später über Annas Käsekuchen her.
Sehr lecker! Um 15:45 spielen die ersten Delfine um unser Boot.
Günter hat ein System mit Acht-Stunden-Wachen vorgeschlagen, welches um 16:00 in Kraft tritt. Wir losen: Günter fängt an. Er wacht also bis 24:00, ich übernehme bis 08:00, Günter wieder bis 16:00. Diese Aufteilung des Tages hat zwei Vorteile. 1. man kann sich während der achtstündigen Freiwache richtig ausschlafen, 2. bei drei Wachen und zwei Seglern entsteht automatisch eine Rotation.
16:45 Wir setzen Großsegel und Genua, weil sich der schwache Wind zu unseren Gunsten gedreht hat. Als wir um 17:00 die Maschine abschalten bleiben wir quasi stehen, also fahren wir weiter mit Motorkraft.
19:50 Wir motoren immer noch, aber das erste von zwei mitgebrachten Rinderkoteletts hat hervorragend geschmeckt.
20:00 Leichter Ostwind setzt ein. Maschine aus.
20:15 Wind weg.
20:40 Schwacher West-Nordwest.
21:10 Ich lege mich in die Koje, um für meine Wache ab 00:00 fit zu sein. Ich kann nicht schlafen und spüre deshalb, dass wir bis 23:30 herrlich segeln. Dann ist wieder Flaute.
2. Tag Dienstag, 14.11.2017
00:00 Ich beginne meine Wache. Das Schiff bewegt sich kaum.
01:40 Schwacher Wind aus Süd kommt auf und lässt uns mit 3kn nach Süd-West segeln.
02:40 5,5 kn Fahrt
04:00 2,5 kn Fahrt
07:45 Der Wind hat zugenommen. Wir laufen 6,5 kn. Leider fällt wenig später der Autopilot wegen „Überanstrengung“ aus. Wir gönnen ihm eine Pause, korrigieren unsere Segelstellung. Jetzt kann er wieder steuern, zumal der Wind nachlässt.
10:00 Wir drehen genau vor den Wind, fahren die Genua an Backbord, das Großsegel an Steuerbord (Schmetterling).
Kurs 250° Der Autopilot steuert jetzt nach der Windrichtung, sodass die Segel immer gleich stehen können, der Kurs aber angepasst wird.
14:00 Position 26° 50,652‘ N, 018° 28,710 W Etmal: 110 nm
20:00 Kurs 260°
21:45 Kurs 275°
22:00 Da wir mehr nach Süden segeln müssen, nehmen wir beide Segel nach Steuerbord.
Kurs 235° 5,5 kn
3. Tag Mittwoch, 15.11.2017
02:00 Der Wind schläft während Günters Wache eine. Wir dümpeln in einem Meer wie Öl. Günter hat Zahnschmerzen.
06:00 Kurs 210° 2,5 kn Fahrt
08:00 Kurs 190° 5,0 kn Fahrt
10:00 Kurs 210° 6,5 kn Fahrt Sehr ruhige See, 10 – 15 kn Ostwind
12:40 Kurs 208° 6,0 kn Fahrt Günter bringt die Schleppangel aus.
14:00 Position 25° 43,336‘ N, 019° 45,477 W Etmal: 96,4 nm
17:30 Unmittelbar nach dem Abendessen, wir hatten Bratkartoffeln mit Speck und Ei, beißt eine kleine Goldmakrele (ca. 50 cm) auf unseren Köder.
Wir holen sie an Bord, und bringen das schöne Tier kaltblütig um. Der Fisch wird sofort filetiert. Das Gerippe geht mit Kopf und Schwanz zurück ins Meer. Morgen gibt es Fisch.
18:15 Wir bergen das Großsegel. Die Genua baumen wir aus, damit sie bei dem schwachen Wind weniger einfällt.
4.Tag Donnerstag, 16.11.2017
Wir sind durch die Nacht „geschlichen“ und auch der neue Tag brachte nicht viel Wind.
12:45 Kurs 244° 3,2 kn Fahrt sonnig, sehr ruhig
14:00 2,8 kn Fahrt Um den dürftigen Wind besser zu nutzen rollen wir die Genua ein und setzen stattdessen den Blister, unser Leichtwindsegel.
Position 24° 36,495 N, 021° 03,673 W Etmal: 97,3 nm
14:45 Der Segelwechsel bringt knapp einen kn, wir fahren jetzt 3,8 kn. Es wird wärmer 28° C unter Deck.
18:00 Kurs 212° 5,5 kn
18:30 Die Batteriespannung ist auf 11,9 V gefallen, Ladung 50 %. Der Kühlschrank schaltet sich unter diesen Bedingungen ab. Wir starten die Maschine um die Batterien zu laden. Ich habe vor Reisebegin einen Ladebooster (externer Regler) für 399,00 € verbaut. Dieser soll die Ladezeit von acht bis neun, auf zwei bis drei Stunden verkürzen. Der Kühlschrank läuft wieder.
20:30 60 % Ladung
21:30 64 % Ich schalte die Maschine ab, obwohl ich mit dem Ergebnis keineswegs zufrieden bin, denn unser Dieselvorrat ist knapp.
21:45 65 % 12,3 V
5. Tag Freitag, 17.11.2017
08:00 Kurs 200° 2,7 kn Fahrt. Günter berichtet von einer äußerst windarmen Nacht. Die Geschwindigkeit ging trotz Blister über weite Strecken unter 1 kn zurück.
Batteriespannung 11,9 V, Ladung 50 %. Das kann ja heiter werden.
Gemeinsam setzen wir zu dem Blister an Steuerbord die Genua an Backbord. Das beschleunigt uns auf „sagenhafte“ 3,7 kn.
09:30 Günter legt die Angel aus.
11:30 Kurs 240° 3,5 kn Fahrt, Spannung 12 V, Ladung 50%. Mit der höher steigenden Sonne laden die Solarzellen die Batterien. Leider wird der Stern oft von Wolken verdeckt. Das ist angenehm für uns, aber sehr schlecht für die Ladeleistung. Der Tagesbedarf wird knapp gedeckt.
13:30 12,1 V 55 %
14:00 Position 23° 44,873 N 022° 18,908 W Etmal: 85,9 nm
16:22 Frachter CS Caprice passiert mit 3,7 nm Abstand.
17:35 Spannung 11,9 V, Ladung 50 %. Wir starten die Maschine zum Laden. Mit der Angel hatten wir heute Glück: Ich hole sie ohne Biss wieder ein. Wir kochen sehr leckere Nudeln mit Tomatensoße.
18:30 Wir rollen die Genua ein.
20:45 Motor aus. Spannung 12,2 V, Ladung 61 %. Kühlschrank abgeschaltet.
21:15 Kurs:208° 3,0 kn Fahrt. Kaum Wind
23:45 Kühlschrank eingeschaltet.
6. Tag Samstag, 18.11.2017 Endlich Wochenende!
Heute ist es an mir, die nächtliche Schleichfahrt zu beobachten.
00:00 Kurs 230° 3,5 kn Fahrt
01:00 Kurs 209° 2,6 kn Fahrt
02:00 Kurs 209° 2,6 kn Fahrt
03:00 Kurs 215° 2,2 kn Fahrt
04:00 Kurs 200° 2,2 kn Fahrt
05:00 Kurs 205° 2,0 kn Fahrt 12 V 55%
06:00 Kurs 210° 2,2 kn Fahrt 12 V 50% Kühlschrank schaltet ab.
08:00 Ich Koje, Günter übernimmt.
10:45 Als ich aufwache pflügt Lucky mit stolzen 4,5 kn durchs Wasser. Günter gibt Alles am Ruder. 
12:00 Günter bringt die Angel aus
13:00 Kurs 220° 4,5 kn Der Strom macht uns Sorgen. 12,1 V 55% Dank der Sonne läuft der Kühlschrank wieder.
14:00 Position 22° 50,709‘ N, 023° 22,223‘ W Etmal: 79,5 nm
14:10 Wir haben eine kleine Goldmakrele am Haken, lassen sie aber wegen Untermaß wieder frei.
16:30 Genua eingerollt.
18:00 Kurs 225° 3,8 kn 12 V 50 % Der Kühlschrank hat sich abgeschaltet. Wir starten die Maschine zum Batterieladen. Der Ladestrom ist schwach. Morgen werden wir der Sache auf den Grund gehen.
21:00 Motor aus
Kurs 220° 3,8 kn 12,3 V 65 %
22:30 Kurs 250° 3,0 kn 12,2 V 60 %
7. Tag Sonntag, 19.11.2017
00:10 Blister gebogen
Wir kriechen durch die Nacht.
08:00 Kurs 235° 4,2 kn Fahrt 12 V 50% Der Kühlschrank ist aus.
08:20 Blister gesetzt.
08:40 Kurs 230° 5,0 kn
10:00 Wir überprüfen alle Komponenten, die für die Batterieladung verantwortlich sind, soweit möglich. Wir finden keinen Fehler in der Montage, machen verschiedene Test. Wir kommen zu dem Schluss, dass der Ladebooster seine Aufgabe nicht erfüllt, im Gegenteil, eine ordentliche Ladung verhindert. Deshalb entfernen wir das Teil aus der Verkabelung. Jetzt sollten die Batterien wieder geladen werden.
14:00 Kurs 224° 4,6 kn
Position 21° 49,617 N 024° 29,280 W Etmal: 87,2 nm
17:00 Kurs 233° 3,9 kn
18:00 12,2 V 55 % Starten Motor zum Batterie laden.
18:30 Die Genua rollen wir ein.
21:00 12,4 V 75 % Motor aus
22:40 12,3 V 65 % Wir schalten den Kühlschank ab sofort jede zweite Stunde aus.
23:45 Kurs 210° 3,2 kn
8. Tag Montag, 20.11.2017
Auch in dieser Nacht bewegt sich unsere Geschwindigkeit lediglich zwischen 1,5 und 2,5 kn. Zwei Knoten sind 3,7 km/h. Bei einem Spaziergang läuft man locker 5 km in der Stunde. Selbst die Bewohner des Hildegundis-Stifts laufen mit Rollator schneller, als wir segeln. Auf unserem Weg in die Karibik liegen noch 4.000 km vor uns.
10:30 Genua ausgerollt, steht aber kaum bei dem schwachen Wind.
12:00 Aufgrund einer leichten Drehung des schwachen Windes versuchen wir mit Großsegel und Genua zu segeln. Mehr als drei Knoten erreichen wir dadurch allerdings auch nicht.
12:30 Günter holt die Schleppangel ein, die wir gestern Abend vergessen haben. Der Gummiköder ist angefressen. Jetzt kommt unser Super-Köder „Gozila der Tuna Gangster“ zum Einsatz.
13:30 Wir wechseln wieder zum Blister. Der kaum spürbare Wind trägt kein anderes Segel
14:00 Kurs:210° 2,1 kn
Position 20° 58,459‘ N, 025° 21,908‘ W Etmal: 70,7 nm
16:00 Kurs 250° 2,1 kn
16:30 „Godzila der Tuna Gangster“ wird erfolglos an Bord geholt. Zum Abendessen bereiten wir uns eine Haxenpfanne mit Kraut und Bratkartoffeln. Sicherlich das Highlight des Tages.
19:00 Kurs 235° 2,0 kn Fahrt Aber schöne, ruhige See.
Starten Maschine zum Batterie laden. 
19:30 Wir besprechen das „Für und Wider“ eines Zwischenstopps auf den Kapverdischen Inseln. Auf Grund des mangelnden Windes wird unsere Reise wahrscheinlich etwas länger dauern als geplant. Die unzureichende Batterieladung könnte dazu führen, dass wir in der letzten Woche warmes Bier trinken müssen. Im schlimmsten Fall müssten wir gar selbst steuern.
Mit unserem Dieselbestand sollten wir das, 235 nm entfernte Mindelo, auf Saao Vicente innerhalb von 48 Stunden erreichen. Dort würden wir mit leerem Tank ankommen, aber die Hauptstadt der Kapverden wird ja wohl eine Tankstelle haben. Desweiteren setzen wir auf Internet-Empfang vor Erreichen der Küste. Der entstehende Umweg beträgt vielleicht 200 nm, aber wir verlieren keine Zeit, weil wir bei der herrschenden Windsituation, ohne Motoreinsatz wahrscheinlich in zwei Tagen immer noch hier stehen würden. Beim Neustart von Mindelo sind es gut 2.150 nm bis Grenada. Der Dieseltank wäre voll, so würden wir die Batterien täglich nachladen können, falls Sonnen- und Windenergie nicht ausreichen.
20:00 Position 20° 49,737‘ N, 025° 32,467‘ W
Segel geborgen. Motor auf 1.800 U/pm Kurs 171° Fahrt 5,3 kn Ziel: Kapverden
22:45 Genua gesetzt. 5,8 kn Fahrt
- Tag Dienstag, 21.11.2017
01:20 Genua eingerollt. Jetzt bläst uns schwacher Wind entgegen.
10:30 Der Diesel brummt vor sich hin. Die Wasseroberfläche ist nur leicht gekräuselt. Es ist jetzt schon recht warm tagsüber (30° C). Der Fahrtwind bringt wenig Abkühlung. Ich setze die Genua. Das bringt wieder zusätzlich einen halben Knoten Geschwindigkeit.
12:00 Genua eingerollt. Kurs 171° 5,3 kn
14:00 Position 19°11,816‘ N, 025° 15,043 W Etmal: 106 nm
„Godzila der Tuna Ganster“ wird zu Wasser gelassen. Er gibt sich redlich Mühe durchs Wasser zu zappeln, kommt aber am frühen Abend ohne Fang wieder an Bord. Nach dem Abendessen stoppen wir die Maschine kurz, um den Ölstand zu prüfen. Ist OK. Wir motoren in die Nacht.
- Tag Mittwoch, 22.11.2017
Im Laufe der Nacht stabilisiert sich ein leichter Wind aus Ost. Motor und Genua verhelfen uns zusammen zu durchweg 6 kn Fahrt. Wahrscheinlich kämen wir auch ohne Motor vorwärts, aber dann würden wir erst nachts in Mindelo ankommen, was wir lieber vermeiden wollen, weil wir keine Detailkarten der Gegend an Bord haben. In der zweiten Hälfte meiner „Spätschicht“ (00:00 – 08:00) kann ich voraus deutlich Lichter auf der Insel Santo Antaao, der westlichsten der Gruppe erkennen. Mit dem Tageslicht wird eine beeindruckende Gebirgslandschaft sichtbar.
08:30 Wir füllen unsere Dieselreserve (25 l) in den Haupttank. Um 13:00 haben wir die Bucht von Mindelo, auf Saao Vicente erreicht. Es gibt neben einer Werft und einem Fähranleger auch einen hell leuchtenden Badestrand und eine Marina. Die Tankstelle ist gerade belegt, aber nach ein paar Warteschleifen legen wir an.
Es ist 14:00 Position 16° 53,153‘ N, 024° 59,511‘ W Etmal: 139 nm
Während des Tankens erkundigen wir uns, ob wir auch Wasser bekommen können und erfahren, dass dafür keine Zeit bleibt, weil eine große Yacht zum Tanken erwartet wird. Ein Liegeplatz würde für unser Schiff 25,00 € pro Nacht kosten. Schnell entschließen wir uns, dieses Angebot nach neun Tagen auf See anzunehmen. Mit vollem Dieseltank verholen wir also auf einen freien Platz und ich laufe zum Marinabüro am Anfang des Steges. Eingecheckt für einen Tag erhalte gegen 20,00 € Pfand 2 Zugangskarten für Hafen, Sanitäranlagen und Müllentsorgung. WiFi gibt es im Marina-Restaurant. Auf einer der Karten ist ein Guthaben von 100 Litern Wasser, ich lasse die zweite gegen 2,00 € Gebühr auf den gleichen Stand bringen. Unser Wassertank wird bestimmt bis zur Abfahrt Platz für 160 l haben. Später, beim Duschen stellen wir fest, dass auch die dabei verbrauchten 50 l bereits von den Karten abgebucht werden.
Die freundliche Marina-Mitarbeiterin weist mich darauf hin, dass ich noch heute bei der Immigration und der Polizei zum Einklarieren vorstellig werden muss, wenn wir Morgen weiter fahren wollen. Die Büros sind jetzt geöffnet. Ich verliere also keine Zeit, und laufe 300 – 400 m zum Fährhafen, wo sich die Büros befinden. Der junge Officer im Immigration-Büro ist gerade mit anderen Seglern beschäftigt und bittet mich, zuerst zur Polizei zu gehen und dann wieder reinzuschauen. Nach 20 Minuten habe ich bei der Polizei gegen 7,00 € Gebühr ein- und für den nächsten Tag gleich wieder ausklariert. Das Immigration-Büro ist allerdings bei meiner Rückkehr verschlossen. Ein Mitarbeiter des Nachbarbüros erklärt den Wartenden, dass der Beamte einen Außentermin hat, aber bald zurück sein wird. Es dauert dann tatsächlich nur 20 Minuten, bis unsere Pässe gegen 5,00 € gestempelt werden und ich mich auf den Rückweg zum Boot machen kann.
Nach dem Duschen schnappen wir uns unsere Laptops und Smartphones um bei einer ersten Stadtbesichtigung vielleicht auch ein nettes Restaurant mit „Fee WiFi“ zu finden.
Uns gefällt der Ort. Es gibt ein paar Häuser mit Stilfassade, nicht immer in gutem Zustand, aber oft in frischen Farben. Ein Markt, Palmen, irgendwie sehr karibisch.
Nach dem ersten Bier ohne Internet kehren wir im „Café Royal“ ein: Free WiFi, abends Life-Musik. Wir essen, trinken, führen wichtige Telefonate über WhatsApp und Günter lädt die aktuelle Windvorhersage auf den Laptop. Noch bevor ich mit dem Einstellen des Reiseberichtes begonnen habe, finden sich die Musiker auf der Bühne ein und tragen landestypische Lieder vor.
Den Bericht kann ich auch Morgen noch einstellen. Das meiste hab ich bereits unterwegs geschrieben.
Wir gönnen uns noch ein, zwei Bier und Kaffee. Günter hat bereits einen Blick aufs Wetter geworfen, und zweifelt an unserer morgigen Abreise. Das müssen wir in Ruhe an Bord besprechen. Also: „Zahlen Bitte.“ Günter zahlt mit Karte: 138,00 € und ist bereit zum Gehen, wirft dann aber doch noch einen ungläubigen Blick auf den sehr klein gedruckten Zahlungsbeleg: 138,00 € ? ? ? Unser Essen hat je 10,00 € gekostet. Im Kneipenlicht sehen wir beide nicht mehr sehr gut. Ich gehe mit dem Bon ins neonhelle Treppenhaus und lese auch: 138,00 €. Günter begibt sich zur Klärung an die Bar. Ich beobachte die Situation vom Tisch aus. Neben Günter steht eine Dame vom Nachbartisch. Es wird geprüft, gerechnet, diskutiert und sogar gelacht. Am Ende gehen die beiden Kunden zum besagten Nebentisch. Ich sehe wie Günter jedem der vier noch sitzenden die Hand schüttelt und sich vorstellt: „Guten Abend. Ich habe Ihr Essen bezahlt. Hat’s geschmeckt?“ Offensichtlich wurden also unsere Rechnungen vertauscht. Um das Restaurantpersonal zu entlasten, machen die Beteiligten den Ausgleich unter sich aus. Nebenbei entwickelt sich ein nettes, informatives Gespräch, in dem wir erfahren, dass die Kapverden sehr schöne Ecken haben.
Zurück an Bord schauen wir gemeinsam auf die Windvorhersage. Das Ergebnis ist klar: Wenn wir Morgen abfahren, werden wir wieder vier Tage unter Windmangel leiden. Da machen wir uns doch lieber auf die Suche nach den „schönen Ecken“.