Mindelo

Sonntag, 26.11.2017

Wir wollen weiter. Unsere anfängliche Begeisterung für Mindelo hat sich schnell gelegt. Es ist zwar alles billig, aber das Angebot an Waren und gutem Essen ist knapp. Es gibt scheinbar viel Armut, immer wieder wird um Geld gebettelt. Den Besuch der „schönen Ecken“ der Kapverden haben wir uns auch gespart. Eine wunderschöne Bucht soll im Süden, knapp 130 nm entfernt liegen. Das ist für uns eine 24 Stunden Reise. Ohne Wind hätten wir unseren gerade erworbenen Tankinhalt auf Hin- und Rückfahrt wieder verbraucht. Wir müssten auf jeden Fall zurück nach Mindelo, denn nur hier  gibt es eine Marina, wo wir unsere Diesel- und Wasserbestände bequem auffüllen können. Heute oder Morgen soll passender Wind einsetzen. Wir sind startklar.

Unsere Atlantiküberquerung    Ost – West mit Boxenstopp auf den Kapverden

1. Tag      Montag, 13.11.2017

Laut Wettervorhersage müssen wir in der ersten Woche mit wenig Wind rechnen, was mir lieber als zu viel ist, wenigstens die Richtung soll aber passen.

Wir verlassen also um 14:05 den Hafen von San Sebastian (28° 04,953 N, 017°06,709 W) und richten den Kurs unter Motor nach Süden. Der schwache Wind, der uns begleiten sollte, weht uns entgegen. Wir bleiben gelassen, genehmigen uns ein „Ablegerbier“ und machen uns wenig später über Annas Käsekuchen her.

Sehr lecker! Um 15:45 spielen die ersten Delfine um unser Boot.

Günter hat ein System mit Acht-Stunden-Wachen vorgeschlagen, welches um 16:00 in Kraft tritt. Wir losen: Günter fängt an. Er wacht also bis 24:00, ich übernehme bis 08:00, Günter wieder bis 16:00. Diese Aufteilung des Tages hat zwei Vorteile. 1. man kann sich während der achtstündigen Freiwache richtig ausschlafen, 2. bei drei Wachen und zwei Seglern entsteht automatisch eine Rotation.

16:45     Wir setzen Großsegel und Genua, weil sich der schwache Wind zu unseren Gunsten gedreht hat. Als wir um 17:00 die Maschine abschalten bleiben wir quasi stehen, also fahren wir weiter mit Motorkraft.

19:50     Wir motoren immer noch, aber das erste von zwei mitgebrachten Rinderkoteletts hat hervorragend geschmeckt.P1070129

20:00     Leichter Ostwind setzt ein. Maschine aus.

20:15     Wind weg.

20:40     Schwacher West-Nordwest.

21:10     Ich lege mich in die Koje, um für meine Wache ab 00:00 fit zu sein. Ich kann nicht schlafen und spüre deshalb, dass wir bis 23:30 herrlich segeln. Dann ist wieder Flaute.

 

2. Tag     Dienstag, 14.11.2017

00:00     Ich beginne meine Wache. Das Schiff bewegt sich kaum.

01:40     Schwacher Wind aus Süd kommt auf und lässt uns mit 3kn nach Süd-West segeln.

02:40     5,5 kn Fahrt

04:00     2,5 kn Fahrt

07:45     Der Wind hat zugenommen. Wir laufen 6,5 kn. Leider fällt wenig später der Autopilot wegen „Überanstrengung“ aus. Wir gönnen ihm eine Pause, korrigieren unsere Segelstellung. Jetzt kann er wieder steuern, zumal der Wind nachlässt.

10:00     Wir drehen genau vor den Wind, fahren die Genua an Backbord, das Großsegel an Steuerbord (Schmetterling).P1070133 Kurs 250° Der Autopilot steuert jetzt nach der Windrichtung, sodass die Segel immer gleich stehen können, der Kurs aber angepasst wird.

14:00     Position               26° 50,652‘ N,    018° 28,710 W   Etmal: 110 nm

20:00     Kurs 260°

21:45     Kurs 275°

22:00     Da wir mehr nach Süden segeln müssen, nehmen wir beide Segel nach Steuerbord.

Kurs 235°             5,5 kn

 

3. Tag     Mittwoch, 15.11.2017

02:00     Der Wind schläft während Günters Wache eine. Wir dümpeln in einem Meer wie Öl. Günter hat Zahnschmerzen.

06:00     Kurs 210°             2,5 kn Fahrt

08:00     Kurs 190°             5,0 kn Fahrt

10:00     Kurs 210°             6,5 kn Fahrt   Sehr ruhige See, 10 – 15 kn Ostwind

12:40     Kurs 208°             6,0 kn Fahrt   Günter bringt die Schleppangel aus.

14:00     Position               25° 43,336‘ N,    019° 45,477 W   Etmal: 96,4 nm

17:30     Unmittelbar nach dem Abendessen, wir hatten Bratkartoffeln mit Speck und Ei, beißt eine kleine Goldmakrele (ca. 50 cm) auf unseren Köder.P1070137 Wir holen sie an Bord, und bringen das schöne Tier kaltblütig um. Der Fisch wird sofort filetiert. Das Gerippe geht mit Kopf und Schwanz zurück ins Meer. Morgen gibt es Fisch.

18:15     Wir bergen das Großsegel. Die Genua baumen wir aus, damit sie bei dem schwachen Wind weniger einfällt.

 

4.Tag      Donnerstag, 16.11.2017

Wir sind durch die Nacht „geschlichen“ und auch der neue Tag brachte nicht viel Wind.

12:45     Kurs 244°             3,2 kn Fahrt    sonnig, sehr ruhig

14:00                                    2,8 kn Fahrt    Um den dürftigen Wind besser zu nutzen rollen wir die Genua ein und setzen stattdessen den Blister, unser Leichtwindsegel.

Position               24° 36,495 N,     021° 03,673 W   Etmal: 97,3 nm

14:45     Der Segelwechsel bringt knapp einen kn, wir fahren jetzt 3,8 kn. Es wird wärmer 28° C unter Deck.

18:00     Kurs 212°             5,5 kn

18:30     Die Batteriespannung ist auf 11,9 V gefallen, Ladung 50 %. Der Kühlschrank schaltet sich unter diesen Bedingungen ab. Wir starten die Maschine um die Batterien zu laden. Ich habe vor Reisebegin einen Ladebooster (externer Regler) für 399,00 € verbaut. Dieser soll die Ladezeit von acht bis neun, auf zwei bis drei Stunden verkürzen. Der Kühlschrank läuft wieder.

20:30     60 %      Ladung

21:30     64 %      Ich schalte die Maschine ab, obwohl ich mit dem Ergebnis keineswegs zufrieden bin, denn unser Dieselvorrat ist knapp.

21:45     65 %      12,3 V

 

5. Tag      Freitag, 17.11.2017

08:00     Kurs 200°             2,7 kn Fahrt. Günter berichtet von einer äußerst windarmen Nacht. Die Geschwindigkeit ging trotz Blister über weite Strecken unter 1 kn zurück.

Batteriespannung 11,9 V, Ladung 50 %. Das kann ja heiter werden.

Gemeinsam setzen wir zu dem Blister an Steuerbord die Genua an Backbord. Das beschleunigt uns auf „sagenhafte“ 3,7 kn.

09:30     Günter legt die Angel aus.

11:30     Kurs 240°             3,5 kn Fahrt, Spannung 12 V, Ladung 50%. Mit der höher steigenden Sonne laden die Solarzellen die Batterien. Leider wird der Stern oft von Wolken verdeckt. Das ist angenehm für uns, aber sehr schlecht für die Ladeleistung. Der Tagesbedarf wird knapp gedeckt.

13:30     12,1 V   55 %

14:00     Position               23° 44,873 N       022° 18,908 W   Etmal: 85,9 nm

16:22     Frachter CS Caprice passiert mit 3,7 nm Abstand.

17:35     Spannung 11,9 V, Ladung 50 %. Wir starten die Maschine zum Laden. Mit der Angel hatten wir heute Glück: Ich hole sie ohne Biss wieder ein. Wir kochen sehr leckere Nudeln mit Tomatensoße.

18:30     Wir rollen die Genua ein.

20:45     Motor aus. Spannung 12,2 V, Ladung 61 %. Kühlschrank abgeschaltet.

21:15     Kurs:208°            3,0 kn Fahrt.  Kaum Wind

23:45     Kühlschrank eingeschaltet.

 

6. Tag      Samstag, 18.11.2017            Endlich Wochenende!

Heute ist es an mir, die nächtliche Schleichfahrt zu beobachten.

00:00     Kurs 230°             3,5 kn Fahrt

01:00     Kurs 209°             2,6 kn Fahrt

02:00     Kurs 209°             2,6 kn Fahrt

03:00     Kurs 215°             2,2 kn Fahrt

04:00     Kurs 200°             2,2 kn Fahrt

05:00     Kurs 205°             2,0 kn Fahrt        12 V       55%

06:00     Kurs 210°             2,2 kn Fahrt        12 V       50%       Kühlschrank schaltet ab.

08:00     Ich Koje, Günter übernimmt.

10:45     Als ich aufwache pflügt Lucky mit stolzen 4,5 kn durchs Wasser. Günter gibt Alles am Ruder. P1070154

12:00     Günter bringt die Angel aus

13:00     Kurs 220°             4,5 kn    Der Strom macht uns Sorgen. 12,1 V      55%       Dank der Sonne läuft der Kühlschrank wieder.

14:00     Position               22° 50,709‘ N, 023° 22,223‘ W     Etmal: 79,5 nm

14:10     Wir haben eine kleine Goldmakrele am Haken, lassen sie aber wegen Untermaß wieder frei.

16:30     Genua eingerollt.

18:00     Kurs 225°             3,8 kn    12 V       50 %      Der Kühlschrank hat sich abgeschaltet. Wir starten die Maschine zum Batterieladen. Der Ladestrom ist schwach. Morgen werden wir der Sache auf den Grund gehen.

21:00     Motor aus

Kurs 220°             3,8 kn    12,3 V   65 %

22:30     Kurs 250°             3,0 kn    12,2 V   60 %

 

7. Tag     Sonntag, 19.11.2017

00:10     Blister gebogen

Wir kriechen durch die Nacht.

08:00     Kurs 235°             4,2 kn Fahrt        12 V  50%  Der Kühlschrank ist aus.

08:20     Blister gesetzt.

08:40     Kurs 230°             5,0 kn

10:00     Wir überprüfen alle Komponenten, die für die Batterieladung verantwortlich sind, soweit möglich. Wir finden keinen Fehler in der Montage, machen verschiedene Test. Wir kommen zu dem Schluss, dass der Ladebooster seine Aufgabe nicht erfüllt, im Gegenteil, eine ordentliche Ladung verhindert. Deshalb entfernen wir das Teil aus der Verkabelung. Jetzt sollten die Batterien wieder geladen werden.

14:00     Kurs 224°             4,6 kn

Position                  21° 49,617 N    024° 29,280 W                   Etmal: 87,2 nm

17:00     Kurs 233°             3,9 kn

18:00     12,2 V   55 %      Starten Motor zum Batterie laden.

18:30     Die Genua rollen wir ein.

21:00     12,4 V   75 %      Motor aus

22:40     12,3 V   65 %      Wir schalten den Kühlschank ab sofort jede zweite Stunde aus.

23:45     Kurs 210°             3,2 kn

 

8. Tag      Montag, 20.11.2017

Auch in dieser Nacht bewegt sich unsere Geschwindigkeit lediglich zwischen 1,5 und 2,5 kn. Zwei Knoten sind 3,7 km/h. Bei einem Spaziergang läuft man locker 5 km in der Stunde. Selbst die Bewohner des Hildegundis-Stifts laufen mit Rollator schneller, als wir segeln. Auf unserem Weg in die Karibik liegen noch 4.000 km vor uns.

10:30     Genua ausgerollt, steht aber kaum bei dem schwachen Wind.

12:00     Aufgrund einer leichten Drehung des schwachen Windes versuchen wir mit Großsegel und Genua zu segeln. Mehr als drei Knoten erreichen wir dadurch allerdings auch nicht.

12:30     Günter holt die Schleppangel ein, die wir gestern Abend vergessen haben. Der Gummiköder ist angefressen. Jetzt kommt unser Super-Köder „Gozila der Tuna Gangster“ zum Einsatz.P1070155

13:30 Wir wechseln wieder zum Blister. Der kaum spürbare Wind trägt kein anderes Segel

14:00     Kurs:210°            2,1 kn

Position               20° 58,459‘ N,    025° 21,908‘ W                  Etmal: 70,7 nm

16:00     Kurs 250°             2,1 kn

16:30     „Godzila der Tuna Gangster“ wird erfolglos an Bord geholt. Zum Abendessen bereiten wir uns eine Haxenpfanne mit Kraut und Bratkartoffeln. Sicherlich das Highlight des Tages.P1070164

19:00     Kurs 235°             2,0 kn Fahrt        Aber schöne, ruhige See.

Starten Maschine zum Batterie laden.  P1070160

19:30     Wir besprechen das „Für und Wider“ eines Zwischenstopps auf den Kapverdischen Inseln. Auf Grund des mangelnden Windes wird unsere Reise wahrscheinlich etwas länger dauern als geplant. Die unzureichende Batterieladung könnte dazu führen, dass wir in der letzten Woche warmes Bier trinken müssen. Im schlimmsten Fall müssten wir gar selbst steuern.

Mit unserem Dieselbestand sollten wir das, 235 nm entfernte Mindelo, auf Saao Vicente innerhalb von 48 Stunden erreichen. Dort würden wir mit leerem Tank ankommen, aber die Hauptstadt der Kapverden wird ja wohl eine Tankstelle haben. Desweiteren setzen wir auf Internet-Empfang vor Erreichen der Küste. Der entstehende Umweg beträgt vielleicht 200 nm, aber wir verlieren keine Zeit, weil wir bei der herrschenden Windsituation, ohne Motoreinsatz wahrscheinlich in zwei Tagen immer noch hier stehen würden. Beim Neustart von Mindelo sind es gut 2.150 nm bis Grenada. Der Dieseltank wäre voll, so würden wir die Batterien täglich nachladen können, falls Sonnen- und Windenergie nicht ausreichen.

20:00     Position               20° 49,737‘ N,    025° 32,467‘ W

Segel geborgen. Motor auf 1.800 U/pm Kurs 171° Fahrt 5,3 kn  Ziel: Kapverden

22:45     Genua gesetzt.                5,8 kn Fahrt

 

  1. Tag Dienstag, 21.11.2017

 

01:20     Genua eingerollt. Jetzt bläst uns schwacher Wind entgegen.

10:30     Der Diesel brummt vor sich hin. Die Wasseroberfläche ist nur leicht gekräuselt. Es ist jetzt schon recht warm tagsüber (30° C). Der Fahrtwind bringt wenig Abkühlung. Ich setze die Genua. Das bringt wieder zusätzlich einen halben Knoten Geschwindigkeit.P1070176

12:00     Genua eingerollt. Kurs 171°        5,3 kn

14:00     Position               19°11,816‘ N,     025° 15,043 W   Etmal: 106 nm

„Godzila der Tuna Ganster“ wird zu Wasser gelassen. Er gibt sich redlich Mühe durchs Wasser zu zappeln, kommt aber am frühen Abend ohne Fang wieder an Bord. Nach dem Abendessen stoppen wir die Maschine kurz, um den Ölstand zu prüfen. Ist OK. Wir motoren in die Nacht.

 

  1. Tag Mittwoch, 22.11.2017

 

Im Laufe der Nacht stabilisiert sich ein leichter Wind aus Ost. Motor und Genua verhelfen uns zusammen zu durchweg 6 kn Fahrt. Wahrscheinlich kämen wir auch ohne Motor vorwärts, aber dann würden wir erst nachts in Mindelo ankommen, was wir lieber vermeiden wollen, weil wir keine Detailkarten der Gegend an Bord haben. In der zweiten Hälfte meiner „Spätschicht“ (00:00 – 08:00) kann ich voraus deutlich Lichter auf der Insel Santo Antaao, der westlichsten der Gruppe erkennen. Mit dem Tageslicht wird eine beeindruckende Gebirgslandschaft sichtbar.P1070184

08:30     Wir füllen unsere Dieselreserve (25 l) in den Haupttank. Um 13:00 haben wir die Bucht von Mindelo, auf Saao Vicente erreicht. Es gibt neben einer Werft und einem Fähranleger auch einen hell leuchtenden Badestrand und eine Marina. Die Tankstelle ist gerade belegt, aber nach ein paar Warteschleifen legen wir an.

Es ist 14:00          Position               16° 53,153‘ N, 024° 59,511‘ W     Etmal: 139 nm

Während des Tankens erkundigen wir uns, ob wir auch Wasser bekommen können und erfahren, dass dafür keine Zeit bleibt, weil eine große Yacht zum Tanken erwartet wird. Ein Liegeplatz würde für unser Schiff 25,00 € pro Nacht kosten. Schnell entschließen wir uns, dieses Angebot nach neun Tagen auf See anzunehmen. Mit vollem Dieseltank verholen wir also auf einen freien Platz und ich laufe zum Marinabüro am Anfang des Steges. Eingecheckt für einen Tag erhalte gegen 20,00 € Pfand 2 Zugangskarten für Hafen, Sanitäranlagen und Müllentsorgung. WiFi gibt es im Marina-Restaurant. Auf einer der Karten ist ein Guthaben von 100 Litern Wasser, ich lasse die zweite gegen 2,00 € Gebühr auf den gleichen Stand bringen. Unser Wassertank wird bestimmt bis zur Abfahrt Platz für 160 l haben. Später, beim Duschen stellen wir fest, dass auch die dabei verbrauchten 50 l bereits von den Karten abgebucht werden.

Die freundliche Marina-Mitarbeiterin weist mich darauf hin, dass ich noch heute bei der Immigration und der Polizei zum Einklarieren vorstellig werden muss, wenn wir Morgen weiter fahren wollen. Die Büros sind jetzt geöffnet. Ich verliere also keine Zeit, und laufe 300 – 400 m zum Fährhafen, wo sich die Büros befinden. Der junge Officer im Immigration-Büro ist gerade mit anderen Seglern beschäftigt und bittet mich, zuerst zur Polizei zu gehen und dann wieder reinzuschauen. Nach 20 Minuten habe ich bei der Polizei gegen 7,00 € Gebühr ein- und für den nächsten Tag gleich wieder ausklariert. Das Immigration-Büro ist allerdings bei meiner Rückkehr verschlossen. Ein Mitarbeiter des Nachbarbüros erklärt den Wartenden, dass der Beamte einen Außentermin hat, aber bald zurück sein wird. Es dauert dann tatsächlich nur 20 Minuten, bis unsere Pässe gegen 5,00 € gestempelt werden und ich mich auf den Rückweg zum Boot machen kann.

Nach dem Duschen schnappen wir uns unsere Laptops und Smartphones um bei einer ersten Stadtbesichtigung vielleicht auch ein nettes Restaurant mit „Fee WiFi“ zu finden.

Uns gefällt der Ort. Es gibt ein paar Häuser mit Stilfassade, nicht immer in gutem Zustand, aber oft in frischen Farben. Ein Markt, Palmen, irgendwie sehr karibisch.

Nach dem ersten Bier ohne Internet kehren wir im „Café Royal“ ein: Free WiFi, abends Life-Musik. Wir essen, trinken, führen wichtige Telefonate über WhatsApp und Günter lädt die aktuelle Windvorhersage auf den Laptop. Noch bevor ich mit dem Einstellen des Reiseberichtes begonnen habe, finden sich die Musiker auf der Bühne ein und tragen landestypische Lieder vor. 20171122_204910Den Bericht kann ich auch Morgen noch einstellen. Das meiste hab ich bereits unterwegs geschrieben.

Wir gönnen uns noch ein, zwei Bier und Kaffee. Günter hat bereits einen Blick aufs Wetter geworfen, und zweifelt an unserer morgigen Abreise. Das müssen wir in Ruhe an Bord besprechen. Also: „Zahlen Bitte.“  Günter zahlt mit Karte: 138,00 € und ist bereit zum Gehen, wirft dann aber doch noch einen ungläubigen Blick auf den sehr klein gedruckten Zahlungsbeleg: 138,00 €  ? ? ? Unser Essen hat je 10,00 € gekostet. Im Kneipenlicht sehen wir beide nicht mehr sehr gut. Ich gehe mit dem Bon ins neonhelle Treppenhaus und lese auch: 138,00 €. Günter begibt sich zur Klärung an die Bar. Ich beobachte die Situation vom Tisch aus. Neben Günter steht eine Dame vom Nachbartisch. Es wird geprüft, gerechnet, diskutiert und sogar gelacht. Am Ende gehen die beiden Kunden zum besagten Nebentisch. Ich sehe wie Günter jedem der vier noch sitzenden die Hand schüttelt und sich vorstellt: „Guten Abend. Ich habe Ihr Essen bezahlt. Hat’s geschmeckt?“ Offensichtlich wurden also unsere Rechnungen vertauscht. Um das Restaurantpersonal zu entlasten, machen die Beteiligten den Ausgleich unter sich aus. Nebenbei entwickelt sich ein nettes, informatives Gespräch, in dem wir erfahren, dass die Kapverden sehr schöne Ecken haben.

Zurück an Bord schauen wir gemeinsam auf die Windvorhersage. Das Ergebnis ist klar: Wenn wir Morgen abfahren, werden wir wieder vier Tage unter Windmangel leiden. Da machen wir uns doch lieber auf die Suche nach den „schönen Ecken“.

Auf dem Sprung

Donnerstag, 09.11.2017                sonnig

Wir haben gestern noch sehr lange über den möglichen Reiseverlauf und den Zeitpunkt der Abfahrt nachgedacht. Einen Beschluss haben wir bisher nicht gefasst. 20171109_134208Heute verbessern wir wieder Kleinigkeiten am Schiff und erledigen Büroarbeiten.

Freitag, 10.11.2017     sonnig

Nach dem Frühstück schauen wir uns die Windvorhersagen an und entscheiden nach langer Überlegung, am Montag den 13.11.2017 zur Atlantiküberquerung zu starten.

Es gibt noch viel zu tun in den kommenden Tagen

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Jeden Tag kaufen wir ein und verstauen die Beute an Bord..

P1070109Das Dingi wird sicher am Heck verzurrt.

Reinhard bereitet uns ein paar Angelköder vor, damit wir unterwegs endlich Fische fangen.

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Anna bringt uns noch ein großes Stück von ihrem selbst gebackenen Käsekuchen Den werden wir uns Morgen Nachmittag auf See schmecken lassen.P1070117

Montag, 13.11.2017   sonnig

Staubsaugen. Dieseltank auffüllen. Gemüse und Kleinigkeiten kaufen. Sicherheitsleinen anbringen.    Das sind die letzten Punkte auf unserer Liste.

Obwohl wir bis jetzt keinen brauchbaren Wind messen, werden wir im Lauf des Tages in Richtung Karibik aufbrechen. Wir sind dann ca. vier Wochen nicht erreichbar, werden aber in Abständen unsere Position an Lothar übermitteln. Lothar wird die Positionen auf dieser Seite veröffentlichen. Ich werde einen Bericht nachreichen, der die Freuden und Leiden der Reise wiedergibt.

14:00 Alle Tanks sind randvoll. Das Hurrican Center meldet keine Störung. Die Stimmung ist gut. Wind ist, zumindest im Hafen, kaum zu spüren.P1070122Wir fahren los.

 

Santa Cruz de Tenerife

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Montag, 30.10.2017                       sonnig

Skippers Geburtstag verbringen wir mit selbst gebackenem Apfelkuchen in einem sehr schönen Freibad neben der Konzerthalle von Santa Cruz.

Abends gehen wir mit einem ordentlichen Sonnenbrand essen.20171030_194538

Dienstag besorgen wir uns Karten für das Konzert En América,  um die schöne Veranstaltungshalle auch innen zu erleben.

Mittwoch finden wir auf der Suche nach einem netten Restaurant einen schönen Botanischen Garten,

aber auch unsere Suche hat Erfolg.

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Kotelett nach Art des Hauses

Freitag besuchen wir das Konzert. Wir hören sehr schöne Werke von Fons, Hindemith und ein Klavierkonzert von Gershwin.20171103_203300

Samstag, 04.11.2017

Andrea fliegt heute leider nach Hause. Wir verabschieden uns um 16:30 am Flughafen Teneriffa Süd. Wenn alles klappt sehen wir uns Anfang 2018 in der Karibik wieder.

Günter landet kurz vor 19:00 auf Teneriffa Nord und kommt um 20:00 an Bord.

Sonntag bauen wir die von Günter mitgebrachten Ersatzteile ein. Danach wird mal wieder das Deck geschrubbt. Egal ob es Wüstenstaub oder Vulkanasche ist, es wird immer wieder schmutzig.

Montag wandern wir zum Supermarkt und kaufen wieder ein. 20171106_115951Die Waren werden abends zum Boot geliefert. Bis auf frisches Gemüse und Obst haben wir jetzt für die Überfahrt fast alles an Bord.

Dienstag, 07.11.2017                     bewölkt

Wir checken früh aus. Wir wollen heute bis San Miguel im Süden der Insel, dort tanken und Morgen nach La Gomera weiter fahren. Es wird dann doch 12:00 bevor wir abfahren. Mit viel Wind und ordentlichen Wellen im Rücken geht es nach Süden. Obwohl das Scenario keineswegs bedrohlich ist und wir gut voran kommen, wird Günter zum ersten Mal in seinem Leben von einer leichten Seekrankheit befallen, was uns nicht davon abhält die Schleppangel auszubringen um endlich mal einen Fisch an Bord zu holen. Günter verbringt den Tag überwiegend liegend im Cockpit. Als wir abends die Angelschnur einholen, ist die Enttäuschung groß. Scheinbar hat endlich ein dicker Fisch Interesse an unserem Köder gehabt. Dummerweise war der Kerl wohl zu dick. Er hat den Köder einfach abgerissen. Der Wind bläst noch kräftig, als wir den „Roten Felsen“, das Süd-Östliche Kap von Teneriffa, runden und dahinter vor Anker gehen, aber vor den Wellen sind wir hier gut geschützt. Wir machen uns erst mal eine heiße Suppe, später ein leckeres Putencurry. Selbst hier am Ankerplatz fühlt Günter sich nicht wirklich wohl und geht früh schlafen.

Apropos Ankerplatz: Wir hatten nachmittags bei der Marina La Gomera angerufen und erfahren, dass man uns z. Zt. keinen Liegeplatz für den 08.11. anbieten könne. Wir sollen Morgen um 12:00 nochmal anrufen, vielleicht wird ja was frei.  Telefonisch informiere ich Anna und Reinhard, die wir in San Sebastian de La Gomera treffen wollen. Sie liegen mit Ihrer Sancara schon seit einigen Wochen dort.

Mittwoch, 08.11.2017                       sonnig

Als wir aufwachen liegen wir auf klarem, ruhigem Wasser, den Anker sichtbar neben uns am Grund. Sonnenschein. Kein Wind. Wir lassen uns Zeit. Trinken Kaffee. Frühstücken. Um 10:03 klingelt mein Telefon. Reinhard: „Neben mir ist gerade ein Platz frei geworden. Vielleicht rufst Du besser jetzt im Hafenbüro an.“ Super Idee! Ich rufe sofort in San Sebastian an und erhalte die Zusage für einen Liegeplatz in der Marina. Danke Reinhard!

Natürlich gehen wir sofort Anker auf und machen uns auf den Weg. In San Miguel halten wir kurz zum Tanken. Es ist wieder mal sehr schwacher Wind aus Nord angesagt. Wir richten uns auf eine gemütliche Motorfahrt ein und bringen die Angel aus.  Nachdem wir die Küste von Teneriffa verlassen haben, setzen wir um 13:00 doch die Segel, um einen leichten Süd-West Wind zu nutzen.

13:20 Bei Gegenwind rollen wir die Genua wieder ein. Irgendwann fällt uns auf, dass unser Köder erneut abhanden gekommen ist. Wir knoten einen neuen an und versuchen es nochmal.

14:45 Wir segeln mit kleinster Segelfläche hoch am Wind gegen 20 kn aus Nord-West.

15:45 Wind genau von vorn. Wir bergen die Segel und motoren die letzte Stunde zum Hafen. Hier holen wir auch die Angelschnur ein. Diesmal ist wenigstens der Köder noch dran.

Reinhard hatte mich vor dem kräftigen Wind am Nachmittag gewarnt. Wir haben scheinbar Glück, bei unserer Einfahrt bläst es nur mäßig. Ein Mariniero weist uns tatsächlich den Platz neben Sancara zu. Während ich das Boot drehe um rückwärts in die Gasse zu manövrieren, ruf jemand aus einem Cockpit: „So möchte ich das auch mal können“. „Warte mal bis ich fertig bin“, rufe ich zurück. Ich steuere genau, aber langsam die Box neben der Sancara an. Gerade als sich unser Heck in die Lücke schiebt, erfasst eine kräftige Böe den Bug und drückt uns auf Sancaras Heck. Günter und Anna haben alle Hände voll zu tun, um mittels Fender und durch kräftiges Abdrücken Schäden an den Booten zu verhindern. Sicherheitshalber mache ich die zweite Anfahrt vorwärts. Um kurz vor 17:00 haben wir festgemacht. Nach einer sehr kurzen Begrüßung unserer Freunde muss ich im Hafenbüro einchecken.

Wir beschließen den Abend mit einer Pizza an Land und Büroarbeit an Bord.