Sonntag, 26.11.2017
Um 17:45 verlassen wir die Marina Mindelo. Von den Kapverden sind es nur noch 2.200 nm bis Grenada, welches wir für unsere Ankunft in der Karibik ausgewählt haben. Mit etwas Glück sollten wir die in drei Wochen schaffen. Wir fahren aus der Bucht und setzen die Segel. Zwischen den Inseln ist der Wind noch sehr wechselhaft, aber wir segeln. Leider hat der Spaß bereits um 22:00 ein Ende und wir stehen wieder ohne Wind südlich der Ilha de Santo Antao. Unser voller Dieseltank macht uns die Entscheidung leicht, die Fahrt für ein paar Stunden unter Maschine fortzusetzen.
Montag, 27.11.2017 bedeckt
Tatsächlich kehrt der Wind um kurz vor 04:00 zurück. Wir lassen uns zunächst nur von der Genua ziehen, aber um 11:30 setzen wir auch das Großsegel. Mit 6,5 kn halten wir auf unser Ziel zu.
12:30 Günter bringt die Schleppangel mit Godzila aus.
14:00 Position 16° 42,377‘ N, 026° 40,632‘ W In den letzten 20 Stunden 98 nm zurückgelegt.
16:15 Wir bergen das Groß. Auch Godzila wird jeden Abend von Günter für die Nacht liebevoll an Bord geholt.
Dienstag, 28.11.2017
10:00 Großsegel gesetzt. Bei mäßigem Wind (15 – 18 kn) aus NE zeigt sich zum ersten Mal wieder die Sonne. 6 kn Fahrt. Batterieladung 80 %.
14:00 Position 16° 37,782‘ N, 029° 06,808‘ W Etmal: 140 nm (Etmal: Die Strecke, die wir in 24 Stunden zurückgelegt haben.)
17:00 Es frischt auf (17 – 23 kn). Zum Essen reffen wir die Segel. Die Sonne scheint, die Wellen werden höher.
18:00 Wir bergen das Großsegel.
Mittwoch, 29.11.2017 sonnig
10:00 Es ist wieder ruhiger. Wir drehen vor den Wind (230°) und setzen den Blister an Steuerbord. Die Genua steht weiter an Backbord. Der Autopilot steuert jetzt wieder nach der Windfahne.
14:00 Position 16° 30,882‘ N, 031° 23,307‘ W Etmal: 132 nm

Donnerstag, 30.11.2017
08:00 Ruhige See, gleichmäßiger Wind. Kurs 250° 5 – 6 kn Fahrt Batterieladung 50 %
14:00 Position 15° 22,798‘ N, 033° 21,442‘ W Etmal: 127 nm
Seit heute müssen wir die Batterien wieder täglich mit der Maschine nachladen. Die Solarzellen liefern zwar tagsüber genügend Strom für Kühlschrank, Navigation und Autopilot, aber auch hier scheint nachts keine Sonne. Der Windgenerator leistet erst bei erheblich stärkerem Wind einen Beitrag.
Deshalb bringen wir heute Nachmittag einige Stunden mit der Suche nach dem Fehler in der Batterieladetechnik zu. Wir lösen alle Kabel des externen Ladereglers, führen verschiedene Messungen durch, schließen alles neu an und messen wieder. Einen Fehler können wir in der Installation nicht finden, aber das Gerät erhöht den Ladestrom nach wie vor nicht. Im Gegenteil: Die Lichtmaschine lädt im serienmäßigen Zustand kräftiger.
Freitag, 01.12.2017
14:00 Position 14° 50,984‘ N, 035° 25,188‘ W Etmal: 123 nm
Kurs 248° 5,5 – 6 kn
Samstag, 02.12.2017
00:00 Wegen auffrischenden Windes bergen wir den Blister für die Nacht und segeln nur unter Genua, die wir auch jeweils alleine der Windstärke anpassen können,
aber bereits um 08:00 stehen wieder beide Segel.
14:00 Position 14° 08,620‘ N, 037° 35,764‘ W Etmal: 134 nm
Kurs 254° 6,2 kn
Sonntag, 03.12.2017
14:00 Position 13° 10,534‘ N, 039° 57,556‘ W Etmal: 149 nm
Mit neuen Ideen arbeiten wir auch heute wieder drei Stunden am Ladesystem. Wir haben ja Zeit.
16:00 Bergen die Genua und setzen den Blister an Backbord.
20:00 Blister geborgen und Genua ausgebaumt. Gute Entscheidung, denn nachts gibt es wieder viel Wind.
Montag, 04.12.2017
14:00 Position 12° 57,020‘ N, 042° 23,383‘ W Etmal: 143 nm
Heute haben wir erheblich mehr Wellen und rollen stark um die Längsachse.
Ein neuer Geistesblitz lässt uns wieder zur Ladefehlersuche zurückkehren. Nach vielen Messungen und Versuchen, u. a. mit einem separat installierten Kabel, kommen wir zu folgenden Ergebnis: Das Ladegerät gibt so lange kräftigen Ladestrom ab, bis man eine Batterie anschließt, dann nicht mehr. „Tolle Wurst.“ Wir entfernen es endgültig aus unserem Stromkreis.
Dienstag, 05.12.2017
Das Schiff schaukelt und bockt fürchterlich in den Wellen, aber der Wind ist gut.
14:00 Position 12° 42,507‘ N, 044° 55,678‘ W Etmal: 149 nm
Mittwoch, 06.12.2017
Die See beruhigt sich.
09:45 Fischalarm! Godzila hat eine Goldmakrele (Mahi Mahi) von knapp 85 cm am Haken. Günter holt sie sicher an Bord und wir machen ihr den Garaus.
Anschließend schneiden wir sauber die Filets heraus und teilen das Fleisch auf: Zwei ausgewachsene Portionen zum Braten und eine etwas kleinere, die wir mit Limettensaft beizen, würzen und mittags als Snack roh verzehren. 
Diese Art der Zubereitung ist neu für uns, aber das Ergebnis schmeckt köstlich.
14:00 Position 12° 22,037‘ N, 047° 21,695‘ W Etmal: 144 nm

19:00 Wir setzen das Großsegel. Der Wind hat etwas nachgelassen.
Donnerstag, 07.12.2017
12:00 Segelwechsel: Nur Blister
14:00 Position 12° 09,829‘ N, 049° 47,789‘ W Etmal: 143 nm
14:30 Nachdem wir den Blister geborgen haben, setzen wir den Spinnaker. Ich habe dieses riesige Ballonsegel bisher noch nicht aus dem Sack geholt, kenne nicht mal die Farbe. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit falsch verlegten Schoten und flatterndem Tuch werde ich schnell nervös und bin bereit den Versuch abzubrechen. Günter lässt nicht locker, und so tüfteln wir lange, bis das Segel endlich sauber vor uns steht.
Wir sind von der Leistung des Spis sehr beeindruckt. 15 – 18 kn Wind werden in 8 kn Fahrt umgesetzt. Selbst als der Wind nachlässt, bleiben bei 10 – 12 kn immer noch 5 kn Fahrt über.
23:50 Für die Nacht tauschen wir Spi gegen Genua, auch weil es wieder aufbrist.
Freitag, 08.12.2017
14:00 Position 12° 03,700‘ N, 052° 15,157‘ W Etmal: 144 nm
16:30 Genua eingerollt, Blister gesetzt.
20:00 Blister geborgen, Genua ausgerollt.
Samstag, 09.12.2017
09:00 Viel, viel Wind. Bis 33 kn! Günter refft die Genua mehrfach.
14:00 Position 12° 00,784‘ N, 054° 42,943‘ W Etmal: 145 nm
Nachmittags können wir ausreffen.
Sonntag, 10.12.2017
11:00 10 – 15 kn Wind. Ruhige See, Sonnenschein. 5 kn Fahrt.
12:00 Rollen die Genua ein. Setzen den Spinnaker.
14:00 Position 12° 22,108‘ N, 057° 08,836‘ W Etmal: 143 nm
20:00 Noch weht der Wind gleichmäßig. Da Lothar uns schon auf die bevorstehende Schwachwindphase hingewiesen hat, lassen wir den Spi auch in der Nacht stehen.
Montag, 11.12.2017
05:30 Der Wind nimmt weiter ab (Wie wir). Spi verhilft uns noch zu 4 kn Fahrt.
12:20 2,5 – 3 kn Fahrt.
13:15 2 kn (jetzt könnten wieder die Fußgänger überholen.) Wir nehmen das Segel runter und starten den Diesel. Unser Kraftstoff reicht locker aus, das 140 nm entfernte Ziel mit Motorkraft zu erreichen.
14:00 Position 11° 58,885‘ N, 059° 18,457‘ Etmal: 127 nm
Am Nachmittag duschen wir gründlich mit viel Salzwasser. Ein herrliches Vergnügen, zumal wir genug Süßwasser haben um das Salz hinterher gut abzuspülen.
Dienstag, 12.12.2017 Landfall!
Um 14:45 legen wir in der Bucht St. David’s Harbour am Steg der Grenada Marine an. Nach 2.198 nm und knapp 16 Tagen auf See, betreten wir auf Grenada wieder festen Boden.
Hier ist es 10:45, fünf Stunden Differenz zur MEZ. Nach einem kurzen Vorstellen im Hafenbüro gehen wir erst mal zum Einklarieren ins Customs & Immigration Office. Wir müssen nur ein Formular ausfüllen. Der Officer ergänzt, was ich ohne Brille nicht ausfüllen konnte, stempelt alle Durchschläge und reicht sie an seinen Kollegen am anderen Schreibtisch weiter. Der Kollege füllt umständlich zwei Quittungen aus und bittet mich um 58,00 EC$. Ok, 52,00 habe ich tatsächlich noch von meinem Aufenthalt in 2015, aber das reicht nicht. Zahlen per Karte geht nicht. Geldautomaten? Gibt es auf diesem Gelände nicht. Euro? Nein, aber der Laden nebenan tauscht. Ich gehe mit meinem 20,00 €-Schein zur netten Bar nebenan. Fehlanzeige. Der Laden gegenüber. Die Eingänge aller angesprochenen Lokalitäten sind keine zehn Meter voneinander entfernt. Ich betrete eine Art unaufgeräumtes Büro mit zwei Schreibtischen. Hinter dem rechten finden sich in einem Regal ein paar Pakete Nudeln, verschiedene Sorten Hülsenfrüchte und diverse Spirituosen. Ein Laden also. Auf meine Frage nach dem Geldwechsel ernte ich zunächst ein Kopfschütteln. Ich erkläre die Situation und die beiden Insassen wechseln ein paar Worte. Der Mann tippt in seinen PC und nennt einen Kurs von 30,17. Genau das, hatte ich auch grob überschlagen. Er nimmt meine 20 € und gibt mir 60,00 EC$. Problem gelöst!
Günter hat sich in der Zwischenzeit nett mit den Beamten im Customs Office unterhalten, und wir werden nach dem Bezahlen herzlich verabschiedet.
Jetzt aber zu der netten Strandbar.
Zwei Bier und den WiFi Code, bitte. Hier können wir mit Karte bezahlen, ebenso im Hafenbüro.
Glücklich unser Etappenziel erreicht zu haben, melden wir uns per WhatsApp in der Heimat. Danach füllen wir Wasser und Diesel auf und waschen Salz und Schmutz vom Deck. Aus Bequemlichkeit bleiben wir über Nacht am Steg liegen, obwohl wir auch dafür bezahlen müssen. Ausnahmsweise.
Nach der Arbeit gehen wir, um unsere Ankunft zu feiern, zum Essen wieder in die nette Strandbar. Spontan entscheiden wir uns beide für die Schweinkottelets, aber damit wir nicht dasselbe essen, bestellte ich Ribs. Der Kellner kommt nach einer Viertelstunde zurück, mit der Nachricht: Kottelet ist aus. Günter bestellt ein 300 g Steak, obwohl er sehr skeptisch ist, was die Fähigkeit der Küche betrifft, ein Steak zu grillen.
Günters Fleisch ist zu seiner Überraschung recht gut, meine Baby Back Ribs machen ihrem Namen alle Ehre. Lecker, wäre aber zuhause, selbst als Kinderportion, viel zu wenig gewesen.
Die Nacht bleibt absolut windstill. Die Luft steht. Die Temperatur sinkt nicht unter 30°C.
Hallo Männer, noch alles im Lot? Hoffe, ihr habt Spaß und könt alles trotz des Regens genießen…. 🙂 Gruß Stobi
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