Mittwoch, 24.01.2018
Nach dem Frühstück steigen wir ins Dinghi und besuchen einen nahe gelegenen Werftbetrieb, um unser Anliegen vorzutragen. Die Angesprochenen sind sehr freundlich und weisen uns den Weg zum Büro, mit dem Hinweis, wir sollten uns an Hellen wenden. Hellen ist nicht da, wird aber gegen 13:00/13:30 erwartet. Ok, das gibt uns reichlich Zeit, erst mal in das Café mit dem guten Wlan zu fahren, welches dummerweise auf der anderen Seite der Bucht liegt.
Mir schmeckt der Cappuccino, und die Daten fließen gut, während Günter in einem Laden erfolglos zu klären versucht, warum seine in Union Island für die Karibik gekaufte Telefonkarte auf Antigua nicht funktioniert.
Um 13:00 fahren wir wieder über die Bucht zur Werft. Hellen ist leider noch nicht eingetroffen. Direkt neben dem Büro liegt ein Restaurant mit einer schönen schattigen Terrasse am Wasser. Wir warten dort bei ein paar kühlen Bier zu karibischen Preisen. Hellen trifft auch bis 14:30 nicht ein, aber anhand ausliegender Flyer konnten wir uns inzwischen über die aufgerufenen Kranpreise informieren. Auch hier liegen diese fast 100% über einem Angebot, das uns inzwischen aus Puerto Rico vorliegt.
Zurück an Bord der Lucky rufen wir via Satelitentelefon – alles andere funktioniert ja nicht – bei einer Werkstatt in Puerto del Rey, Puerto Rico, an. Mein Gesprächspartner scheint mit der Arbeit vertraut zu sein. Er bittet mich, ihm ein Foto der Wellendichtung zu schicken und rät mir, den angebotenen Krantermin zu buchen, er wird dann schon Zeit haben, die Reparatur zu machen.
Prima, also wieder zum Cappucino-Laden ins Netz. Ich frage bei der Marina del Rey per Email nach einem festen Termin, möglichst am 05. oder 06. Februar.
Danach wandern wir zum Supermarkt, der auf einer angrenzenden Terrasse auch Wlan anbietet. Dort treffen wir Anna und Reinhard. Während wir uns bei ein paar kalten Getränken aus dem Markt unterhalten, bekomme ich schon die Bestätigung meiner Anfrage. Für die Buchung des Termins muss ich noch eine Kopie meiner Versicherungsbestätigung schicken. Ist an Bord, ein Foto schicke ich Morgen aus dem netten Café.
Abends sind wir wieder an Bord der Sancara, die morgen weiter fährt. Wir werden uns bestimmt bald wieder treffen.
Donnerstag, 25.01.2018
Nachdem wir aus dem Café das Bild der Wellendichtung und die Versicherungsbestätigung verschickt haben, fahren wir mit dem Bus nach St. John’s, der Hauptstadt von Antigua.
In einem richtigen Digicel-Laden hofft Günter, Antwort auf seine Frage zu bekommen. Kriegt er: Die Karten gelten nicht, wie man uns auf Union Island gesagt hat, auf allen Inseln auf denen man mit East Caribbean $ bezahlt, sondern nur in einem sehr viel kleineren Bereich. Da wir quasi auf der Durchreise sind, lohnt es sich auch kaum, hier für zwei Tage eine neue Karte zu kaufen. Das bedeutet für uns: Telefonieren nur über WhatsApp, und: Ohne Bier kein Internet. Nach einer kleinen Runde durch St. John’s fahren wir mit dem Bus zurück nach Falmouth Harbour.
Nachmittags besuchen wir noch eine andere Crew, die in Nelson’s Dockyard an ihrem Schiff arbeitet. Wir nutzen auch dort nochmal die Gelegenheit nach einem Auskranen zu fragen, aber der Preis aus Puerto Rico ist deutlich günstiger.
Freitag, 26.01.2018
Wir ziehen früh den Anker aus dem Sand und segeln aus der Falmouth Harbour Bucht.
Fürs Wochenende ist starker Wind angesagt, und wir wollen uns einen schönen Ankerplatz an der geschützten Westküste von Antigua suchen. Um 11:00 gibt es erst mal eine ordentliche Regendusche am Süd-West-Ende der Inseln. Hier drehen wir nach Norden und segeln vorbei an Jolly Harbour zur Deep Bay, kurz vor St. John’s. Eine schöne Bucht mit klarem Wasser, aber keine Chance auf Internet. Wir segeln zurück und ankern um 14:30 vor Jolly Harbour. Mit dem Dinghi fahren wir durch die große Lagune zur Marina. Einen „kostenlosen“ Wlan-Zugang finden wir bei Maydays, einem Terrassen-Restaurant, das scheinbar unter österreichischer Leitung steht. Auf der Speisenkarte lesen wir Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn. Wir telefonieren, und in meinen Emails finde ich die Bestätigung des Krantermins in Puerto del Rey für den 05. Februar, 11:00.
Ich schicke eine Liegeplatzanfrage an die Marina Cap Cana in der Dominikanischen Republik, wo ich Andrea am 17.02. an Bord nehmen möchte. Für sechs Bier zahlen wir 33 €, eine Telefonkarte hätte nicht mehr gekostet.
Zum Essen sind wir zurück an Bord. Dabei überlegen wir laut, ob es für uns Sinn macht, länger hier zu bleiben. Wir beschließen am Samstagmorgen auszuklarieren und nach St. Kitts weiter zu fahren, sofern das Wetter es zulässt.
Samstag, 27.01.2018
Wir stehen früh auf. Das Wetter ist freundlich, also fahren wir um kurz vor 08:00 mit dem Dinghi zur Marina. Während ich ausklariere, bringt Günter den Müll weg und besorgt frisches Brot.
Um 09:00 heben wir den Anker, setzen die Genua und segeln nach Westen. Sobald wir den Windschatten von Antigua verlassen haben, schiebt der Wind kräftig. Die See ist mäßig bewegt. Wir brauchen kein weiteres Segel, um gut voran zu kommen. Unterwegs überholen uns viele Wolken, und ein Regenschauer fehlt auch heute nicht. Günters Angeln bleibt diesmal leider erfolglos. Schade, der Thun stand doch schon auf unserem Menüplan. Durch die guten Segelbedingungen gehen wir bereits um 17:35 in der South Friari Bay auf Saint Christopher (St. Kitts) vor Anker.
Hier liegen wir gut geschützt vor Wellen, der Wind bläst allerdings zunehmend kräftig, während wir uns eine Gulaschsuppe aufwärmen.
Sonntag, 28.01.2018
Um 09.30 segeln wir 2,5 nm, zur Hauptstadt Basse Terre und ankern vor der Einfahrt der Marina. Mit dem Dinghi tuckern wir hinein zum einklarieren. Die Beamten sind sehr freundlich, und nach weniger als einer Stunde und 60,00 EC$ (20,00 €) sind wir legal im Land. Wir laufen durch das kleine „Cruiser Dorf“ mit zahlreichen Souvenir-, Juwelier-, und anderen Dutyfree-Geschäften zum historischen Teil der Stadt.
Wir können hier zwar mit unseren Handys telefonieren, zum Datenaustausch müssen wir aber einen Wlan-Zugang haben. Also setzen wir uns nach dem Spaziergang im „Cruiser-Dorf“ vor eine Bar. Hier kostet der Internetzugang 5,00 EC$ pro Bier. Könnte schlimmer sein.
Danach machen wir noch zollfreie Einkäufe, bevor wir zurück an Bord fahren.
Schon um 15:00 ziehen wir den Anker wieder hoch, um ein Stück weiter nördlich die „Marina St. Kitts Works“ MSKW zu besuchen. Hier steht das Boot eines guten Bekannten von Günter an Land, und wir wollen „mal nach dem Rechten sehen“.
Um 17:30 ankern wir vor der Anlage. Wir machen uns Bratkartoffel mit Pulled Pork aus der Dose. Lecker!
Montag, 29.01.2018
In der Nacht hat der Wind stark und böig geblasen, ein Regenschauer jagte den nächsten. Lucky zog kräftig an der Ankerkette und rollte von einer Seite auf die andere. Der neue Tag begrüßt uns mit dicken Wolken und einem Regenbogen.
Wir lassen das Wasser aus dem Dinghi laufen und setzen über. Die „Marina“ ist nicht viel mehr als ein Becken für den Kran, wo die Schiffe aus dem Wasser gekommen werden. Wir binden unser Beiboot an und gehen zum Abstellplatz auf der anderen Straßenseite. Hier befindet sich glücklicherweise auch das Custums- und Immigration Büro, dessen Suche ich mir schwierig vorgestellt hatte.
Auf dem Marinagelände, werden Schiffe hurricane-sicher „eingegraben“ und verzurrt. Günter läuft zielstrebig auf die blaue Yacht seines Bekannten zu und macht, wie verabredet, ein paar Bilder.
Da wir Morgen früh weiter segeln wollen, gehen wir sofort zum Customs-Office zum Ausklarieren. Dem freundlichen Beamten fällt auf, dass die Ausreise noch in unsere Pässe gestempelt werden muss. Dafür scheint die Polizei zuständig zu sein. Bevor er uns lange erklärt wo die Station ist, und vor allen Dingen, wie wir dorthin kommen, sagt er: „Ich fahr Euch hin“. Wir steigen in seinen Wagen und fahren geschätzt 4 km nach Sandy Point zur Polizei. Unsere Pässe werden gestempelt, wir können ausreisen.
Oberhalb der „Marina“ liegt das berühmte Brimstone Hill Fortress, ein Fort aus dem 18. Jahrhundert mit Museum und großartiger Aussicht. Der Weg dorthin soll heute für unsere nötige Bewegung sorgen. Der nette Zollbeamte setzt uns auf dem Rückweg an der Abzweigung zum Fort ab, und wir marschieren los.
Unterwegs regnet es beinahe ununterbrochen, aber es ist ja nicht kalt. Der Weg führt zunehmend steiler bergan, gerade richtig für unseren Bewegungsdrang.
Auf dem Weg bergab zur „Marina“ sind wir schon fast trocken, als sich die „Schleusen wieder öffnen“. Wir gehen noch mal beim Zollbüro vorbei. Günter darf hier das Internet für eine wichtige Nachricht nutzen. Um 14:00 sind wir wieder an Bord und gönnen uns ein wohlverdientes Bier.
Nachmittags verlegen wir unseren Ankerplatz eine Meile weiter nach Norden. Hier liegen wir für die kommende Nacht etwas geschützter. Ich backe noch ein Brot fürs Frühstück, danach schauen wir uns bei einem leckeren Rumpunsch eine DVD von der Atlantiküberquerung des Seglerkollegen Franz aus Osterath an. Schöner Film.
Dienstag, 30.01.2018
06:40 Wir setzen das Großsegel im zweiten Reff, holen den Anker auf und fahren nach Norden. Unser Ziel ist die Marigot Bucht auf der Insel Saint Martin. Vor uns liegen 50 nm am Wind.
07:00 Nachdem wir den Windschatten von St. Kitts verlassen haben, bläst es, wie angesagt recht kräftig, aber wir setzen die gereffte Genua und können unseren Kurs zielgerichtet segeln. Die See ist ruppig.
Am Ende der Enge zwischen St. Kitts und Sint Eustatius hat Günter um 08:30 einen Biss an der Angel. Beim Einholen der Schnur spür er, dass sich der Zug ganz kurz und sehr heftig verstärkt. Als die Beute schließlich an Bord ist, sieht man, dass wohl ein größeres Raubtier auch Interesse an Günters Fang hatte. Man hat uns quasi das Essen vom Teller geklaut.
Leider bleibt es bei dem einen Biss und wir müssen uns wieder mit dem Gedanken an eine leckere Pizza anfreunden. Im Laufe des Tages wird die See ruhiger und der Wind lässt etwas nach. Wir reffen immer mehr aus und kommen gut voran. Lediglich die letzte Stunde muss der Motor uns gegen den Wind in die Bucht schieben. Um 16:30 ankern wir vor Marigot.
Nach dem Ankerbier setze ich zum Einklarieren über. Eine ausgezeichnete Pizza aus dem Holzfeuer essen wir abends am Pizza-Truck, direkt am Anleger. Ein anschließender Rundgang durch das dunkle Stadtzentrum ist bei geschlossenen Geschäften wenig ergiebig. So sind wir um kurz nach 20:00 bereits zurück an Bord und erledigen Büroarbeiten.

Über dem hübschen, kleinen Ort liegt das Fort Napoléon. Über eine steile Straße laufe ich hoch und genieße die Aussicht über die Bucht. Selbstredend werde ich auf dem Rückweg gründlich geduscht und komme tropfnass im Ort an. Günter ergeht es beim Joggen nicht besser. Wir trösten uns mit einem kleinen Eis.
Wir kehren bei „unserer“ Eisdiele ein. Danach fahren wir zurück aufs Schiff, gerade rechtzeitig vor dem nächsten Wolkenbruch.

Danach klarieren wir aus. Morgen wollen wir Richtung Guadeloupe weiter.
Aus der Gummimanschette tropft es munter ins Boot und sammelt sich in der Bilge. Davon geht das Schiff nicht unter, aber aus Tropfen wird irgendwann laufen. Soweit wollen wir es nicht kommen lassen. Zurück zur Werft in Le Marin sind es nur 33 nm. Dort wird man uns hoffentlich helfen.


Abends sind wir auf der Electra und tauschen die „Abenteuer“ des Nachmittags aus.
Schon beim Ankern über ca. 4 m Sandgrund tauchen ganz in unserer Nähe zwei Schildkröten aus dem klaren Wasser auf.
Auch wir baden ausgiebig und genießen das Türkis der Umgebung.
Auch unser Freund Tim ist dabei. Wir wollen ankern. Die Bucht ist 10 – 12 m tief, zum Riff hin wird es flacher, aber beim ersten Versuch findet der Anker keinen Halt. Dass die Schwarzen dabei in unserer Nähe kreisen ist keine Hilfe. Inzwischen fängt es wieder an zu regnen und es brist auf. Kurzentschlossen verlassen wir die Bucht und warten draußen, bis es vorbei ist.
Hier hält er sicher. Ich setze zum Einklarieren über, Günter bleibt an Bord.
Schmeckt köstlich, aber einer reicht.
Auf dem Rückweg kaufen wir an einem Marktstand frische Tomaten. Gegessen wird an Bord: Tomatensoße mit Fetakäse und Knoblauch, dazu Spaghetti.
Günter möchte, zum günstigeren Datenaustausch, eine Telefonkarte von hier kaufen. Leider gestaltet sich das schwieriger als angenommen. Logisch wäre, sich zunächst die App von Digicel aufs Iphone zu laden, um später komfortablen Zugriff auf seinen Vertrag zu haben. Dafür muss allerdings erst ein größeres Update auf dem Telefon gemacht werden. Nach einer gefühlten Stunde Downloading, verabschiede ich mich und warte auf einer schattigen Seeterrasse bei kühlem Bier. Günter kommt keine halbe Stunde später nach. Update ist abgeschlossen, App lässt sich trotzdem nicht installieren, aber er hat jetzt eine Pre-Paid Digicel-Karte. Der Internetzugang klappt noch nicht, aber der Angestellte hat jetzt Mittagspause. Wir gehen später nochmal zum Laden um Details zu erfragen und die Karte zu bezahlen, treffen den Herrn aber wieder nicht an. Hungrig laufen wir zu einem Restaurant und essen eine sehr leckere Pizza.
Danach zurück zu Digicel. Der Angestellte ist wieder nicht da. Inzwischen funktioniert aber Günters Internetzugang übers Handy. Dann lassen wir das mit dem Bezahlen eben.
Auch hier hat Gutes natürlich seinen Preis.
Auch hier ist das Anlanden mit dem Dinghi wetterbedingt etwas unangenehmer. Günter macht sich auf den Weg zu Tims Restaurant (w/ des Internets), ich bin pünktlich zur Mittagspause (12:00 – 13:00) bei der Einwanderungsbehörde. Ein Officer gibt mir freundlicherweise schon mal das Formular und bittet mich nach 13:00 wiederzukommen. Also auch auf zu „Tim’s“.