Auf zu den Bahamas

Mittwoch, 14.03.2018

Wir haben Bob gestern informiert, dass wir heute weiter wollen. Er hat das an die Behörden weitergeleitet. So erscheinen heute um die Mittagszeit nacheinander die Officer der Custom- und Immigration Büros. Wir klarieren für 16:00 aus.

Luckys Rumpf ist inzwischen sehr stark mit Seepocken bewachsen. Wir wollen für eine Möglichkeit, diese über hellem Sandgrund abkratzen zu können, gewappnet sein. Deshalb machen wir uns nochmal auf den langen Weg zu einem Laden, der Spachtel verkauft. Wir haben Glück und werden nach einer kurzen Strecke von einer Familie erst mal zwei Kilometer mitgenommen. Nach weiteren zwei Kilometern Fußmarsch finden wir bereits in einem Farbengeschäft was wir suchen und latschen zurück. Unterwegs sehen wir ein kleines Bistro am Rand der breiten Straße. Durstig kehren wir ein. Einem Kühlschrank entnehmen wir zwei Flaschen des lokalen Bieres (0,35 l )und gehen zur Kasse. „12,00 US$“ verlangt die Kassiererin, obwohl sie komplett angezogen ist. Mit einem freundlichen „Thank You“ stellen wir die Flaschen zurück in die Kühlung und laufen weiter. Wir schaffen es trotzdem zu Fuß zur Marina.

Hier verabschieden wir uns von den Seglern, die wir in der kurzen Zeit kennengelernt haben und erhalten noch ein paar Tipps für die Reise.

Um 17:45 fahren wir mit vollen Tanks aus dem kleinen Hafen. Der Wind weht uns schwach entgegen als wir in die Nacht motoren.

 

Mayaguana

Donnerstag, 15.03.2018

Ich versuche dreimal hoch am Wind zu segeln, breche aber immer ab, weil der Wind sich gegen uns dreht. Nach einer Nacht unter Motor gelingt es Günter schließlich ab 11:30 die letzten 1 ½ Stunden zu segeln. Um 13:00 bergen wir bei komplett bedecktem Himmel und höchsten 24°C (das ist kalt, wenn man im Wind steht) das Segel und fahren vorsichtig in die flache Passage am östlichen Ende von Abrahams Bay auf der Insel Mayaguana ein. Wir haben natürlich wieder Niedrigwasser, aber Günter steuert sicher durch die Untiefen. Eine halbe Stunde später fällt der Anker bei 2 Meter Tiefe in kristallklarem Wasser in weißen Sand. 20180316_093951Wir machen sofort das Beiboot klar und fahren entlang der dürftig markierten Dinghiroute zum Anleger. Selbst dabei müssen wir vorsichtig sein, denn neben „der Spur“ ist es bei diesem Wasserstand an einigen Stellen sogar für unseren kleinen Außenborder zu flach.

20180315_160529Auf dem Weg zum Custom & Immigration Büro begrüßt uns bereits ein Einheimischer mit „Welcome to our island“. Wir sind schnell beim Büro, das Einklarieren ist nach dem Ausfüllen von fünf Formularen problemlos. Glücklicherweise befindet sich das Büro der Telefongesellschaft BTC direkt gegenüber, ist aber gerade zur Mittagspause geschlossen. Die Pause nutzen wir, um ein paar Schritte ins Innere der Insel zu laufen. Wir fragen freundlich grüßende Einheimische nach dem Weg zum Zentrum und erfahren, dass es auf der 45 km langen Insel drei kleine Siedlungen gibt. In einer befinden wir uns gerade, die anderen sind nicht größer.

Neben dem C&I Büro und der Hütte der Telefongesellschaft sehen wir eine kleine Bar mit einem Schild „OPEN“, daneben eine weitere kleine Hütte, das ist ein Lebensmittelgeschäft. Leider geschlossen.

Um 15:00 öffnet der Telefonladen, und wir werden mit Datenkarten versorgt. Jetzt können wir zur Lucky fahren und endlich frühstücken. In meinem Postfach finde ich eine frische Email von Anna und Reinhard. Freudig antworten wir sofort und verabreden ein Treffen am Sonntag bei Acklins Island.

 

East Plana Cay und Acklins Island

Freitag, 16.03.2018

Wir hätten heute gerne versucht Lucky zumindest teilweise von ihrem Bewuchs zu befreien, aber der bedeckte Himmel und der kalte Wind (24°) laden nicht zum Baden ein. Segeln ist die Alternative! Um 10:10 ziehen wir den Anker aus dem Sand. Mit Rückenwind gleiten wir dem westlichen Ausgang von Abrahams Bay entgegen. Das Wasser ist über fast fünf Nautische Meilen nicht tiefer als drei Meter und kristallklar. Der Grund und auch die Untiefen die wir passieren sind gut sichtbar. Um 13:10 segeln wir an Devils Point dem Westende von Mayaguana vorbei. Der Wind nimmt etwas zu und wir gehen ins erste Reff. Unser Ziel East Plana Cay liegt genau voraus. Um 14:35 erscheint auf unserem AIS die Humen Bridge, ein Frachter von 335 m Länge, soll uns laut Berechnung in 35 Minuten mit 20-80m Abstand passieren. Bisschen knapp. Wir kommen „ruhig“ unserer Kurshaltepflicht nach und beobachten. Die Situation ist 10 Minuten stabil, bevor der riesige Containerfrachter seinen Kurs um 30° ändert und weit hinter uns vorüberzieht.20180316_151427 Ich nehme mal an, dass er einfach seiner Route folgt. Er ist nicht wegen uns so deutlich ausgewichen.

Um 17:20 bergen wir unsere Segel und fahren auf die flache, mit einzelnen Steinen garnierte Küste von East Plana Cay zu. Weil wir diesmal fast Hochwasser haben, lassen wir etwas „Luft“ beim Ankern. Das Eisen fällt um 18:00 bei 2,5 m Wassertiefe.20180317_134647 Auf dieser unbewohnten Insel gibt es kein Netzt für unsere Telefone, aber Nudeln mit Tomatensoße und Parmesan. Günter leidet unter starken Rückenschmerzen und zieht sich nach der Einnahme von Schmerzmittel früh zurück. Ich backe noch einen Kuchen für Sonntag.

Samstag, 17.03.2018

Günter legt sich nach dem Frühstück wieder hin, der Rücken quält. Das sieht nicht gut aus. Ich checke nochmal die Windvorhersage und komme zu dem Schluss: Je eher wir losfahren, umso länger haben wir Wind zum Segeln, denn der wird in der kommenden Nacht einschlafen. So holen wir um 13:45 den Anker auf und entfernen uns durch die Untiefen vom Strand. Bei schwachem Wind setzen wir den Blister und halten mit gut 4 kn auf Acklins Island zu. 20180317_150938Um 18:00  bricht im Masttop der Schäkel der Rolle, über die das Spifall läuft, an dem wir den Blister hochgezogen haben. Wir bergen den Blister und setzen die Reise unter Genua fort, jetzt mit 3,5 kn.

Sonntag, 18.03.2018

01:00 der Wind wird immer schwächer. Wir fahren nur noch drei Knoten.

02:15 Kaum noch Wind. Ich starte den Motor und berge das Segel.

Wir runden den Süden von Acklins Island.

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18.03.2018 07:40

Um 07:43 ankern wir nahe Jamaica Well Point, keine fünfzig Meter vom feinsandigen Strand bei 3 m Wassertiefe.

Eine halbe Stunde später ankert die Sancara neben uns. Anna und Reinhard waren bereits viel früher in der Nähe, haben draußen ein paar Stunden beigedreht und sich ausgeruht. Ich bin hundemüde und lege mich nach einer kurzen Begrüßung erst mal hin. Wieder im Netz, führt Günter am Morgen einige Telefonate mit der Heimat. Es gab nicht nur gute Nachrichten, aber wenigstens für seinen Rücken und somit für die Fortsetzung unserer Reise besteht Hoffnung.  Nachmittags feiern wir das Wiedersehen mit Anna und Reinhard bei Kaffee und Kuchen.

 

Montag, 19.03.2018

Günter quält sich nach einer schlaflosen Nacht nur für kurze Zeit aus dem Bett. Er findet weder liegend, noch stehend oder sitzend eine schmerzfreie Haltung. Jetzt ist guter Rat teuer. Er legt sich erst mal wieder hin.

Anna und Reinhard kommen vorbei. Aus ihrem gigantischen Ersatzteillager schenken sie uns einen passenden Schäkel für unsere Spinnakerfallrolle. Reinhard zieht mich dann auch gleich für die Montage am Mast hoch. Ein Glück, dass wir die beiden gerade jetzt getroffen haben.

Es bleibt absolut windstill. Unser nächster Schlag soll uns nach Norden bringen. Aus Nord soll aber in zwei Tagen auch der Wind kommen. Also nutzen wir die Flaute um nach Clarence Town auf der nächsten Insel, Long Island, Bahamas zu motoren.

Um 17:50 ziehen wir kurz nach der Sancara den Anker aus dem weißen Sand.

Über eine glatte Wasseroberfläche fahren wir später in die ruhige Nacht.

 

Dienstag, 20.03.2018

Um 09:20 machen wir bei der Flying Fish Marina in Clarencetown fest. Günter hatte wieder eine furchtbare Nacht, er braucht dringend Hilfe. Der hilfsbereite Marinaangestellte ruft sofort einen Taxifahrer, der ihn zum hiesigen Krankenhaus fährt.  Die Sancara wird betankt und sucht danach einen Ankerplatz in der Nähe. Ich erhalte die Erlaubnis an der Tankstelle liegenzubleiben, bis ich Nachricht von Günter habe. Es dauert nicht mal eine Stunde bis der zurück ist. Eine Spritze in die verspannten Muskeln und ein paar Tabletten werden die Schmerzen in Kürze vertreiben, erzählt er mir, glaubt aber selbst nicht dran. Trotzdem müssen wir jetzt erst mal die Wirkung abwarten und fahren zum Ankerplatz neben der Sancara.

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