Sonntag, 08.04.2018
Um 06:52 geht es wieder los. Heute möchte ich Current Island erreichen. Nur durch den ca. 100 Meter breiten Current Cut getrennt, verlängert die schmale Insel den nördlichen Teil von Eleuthera nach Süd-Westen.
Der Wind soll nach Richtung und Stärke passen, allerdings am späten Nachmittag schwach werden. Um 09:00 errechnet der Plotter noch, dass ich die 39 nm vor 19:00 bewältigt haben werde, aber eine Stunde später lässt der Wind nach. Meine Geschwindigkeit fällt unter drei Knoten, obwohl ich Großsegel und Genua gesetzt habe. Da ich keine Lust habe die letzten Stunden des Tages unter Motor zu fahren, ändere ich einfach das Ziel. Ich nehme Kurs auf ein paar Felsen in 10 nm Entfernung, zwischen denen sich eine flache Sandbucht zum Ankern anbietet. Die Gegend nennt sich Sail Rocks und ist quasi das nördliche Ende der Exuma-Kette. Das Großsegel wird geborgen, denn jetzt werde ich auch ganz langsam gegen Mittag ankommen.
Um 12:15 fällt mein Anker an der geplanten Stelle bei 2,7 m Tiefe. Das Wasser ist sehr hell durch Sonne und Sand, der Tag noch jung. Eine gute Gelegenheit sich ans Unterwasserschiff zu machen. Ich probiere verschiedene Methoden für die Reinigung aus und bekomme letztendlich einen schönen Teil geschafft. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, es wird noch weitere, schöne Strände zum Arbeiten geben. Jetzt gibt es erst mal von dem leckeren Brot, das ich unterwegs gebacken habe.
Lucky bleibt auch für die Nacht das einzige Schiff an diesem entlegenen Ankerplatz. Von hier aus sind es Morgen nur noch 30 nm bis Eleuthera.
Montag, 09.04.2018
07:30 Ich segel direkt vom Ankerplatz los. Eine schwache Brise schiebt uns über das ruhige Wasser, aber heute reichen ja 3–3,5 kn, um nachmittags am Ziel zu sein. Von kleinen Kursänderungen abgesehen, fahre ich die nächsten acht Stunden in die gleiche Richtung. Diese Zeit widme ich der defekten Aufhängung des Gasherdes. Die Welle der Linken Aufhängung ist gebrochen. Beim Versuch den Herd aus seiner Nische zu heben bricht die rechte Seite auch. Da sich einige Schrauben beim besten Willen nicht lösen lassen, muss ich improvisieren um das Gerät zuerst oben zu öffnen und dann auszubauen.
Ich stelle fest, dass sich die Wellen im Lauf von 20 Jahre einfach in ihren Drehpunkten durch geschliffen haben und jetzt fast zeitgleich abgebrochen sind. Nach dem Ausbohren der Wellenstümpfe gelingt es mir den Ofen mit Schrauben aus dem Bordsortiment dauerhaft zu reparieren. Nach drei Stunden schaukelt er wieder in seiner Nische. Ich bin stolz auf mich.
Um 15:30 komme ich beim Current Cut an. Da ich bei einem so engen Durchstich mit starken Tidenströmungen rechne, habe ich in der letzten Stunde im Internet recherchiert.

Um keinen Gegenstrom zu haben sollte man mit der Durchfahrt nach Westen bis 2 ½ Stunden nach Hochwasser in Naussau warten. Passt ja wiedermal super. Nassau Hochwasser ist um 16:00. Bevor ich mich jetzt östlich der Einfahrt vor Anker lege und drei Stunden warte, schwenke ich einfach in die Durchfahrt ein. Mal sehen was passiert, umdrehen kann ich immer noch.
Die Strömung ist deutlich spürbar, meine Geschwindigkeit fällt von 3,3 auf 2 kn, aber ich stehe erst am Anfang der 1.000 m langen Enge, und die schmalste Stelle kommt am Schluss. Um es kurz zu machen, es dauert eine Weile und am Ende verbleiben noch 0,7 kn Fahrt über Grund. Ich steuere geduldig und brauche den Motor nicht zur Hilfe zu nehmen. Danach drehe ich nach steuerbord und folge dem Sandstrand für eine halbe Meile. Hier ankere ich um 16:10 neben der Step by Step II, einem deutschen Katamaran.
Dem Bewegungsmangel entgegenzuwirken, fahre ich mit dem Dinghi an Land und laufe auf die andere Seite der hier schmal zulaufenden Insel Eleuthera, nach Current Settlement.
Mir fällt auf, dass ich hier zum ersten Mal neben Palmen auch andere hochwachsende Bäume sehe, seit wir auf den Bahamas sind.
Neben vielen kleinen Häusern finden sich auch ein paar größere Villen im Ort, jede Menge steht zum Verkauf. Es gibt ein kleines Postamt und einen noch kleineren Universalladen.
Nach meiner Runde gehe ich zurück zum Strand und setze zur Lucky über. Ich bin ganz schön ins Schwitzen gekommen. Es ist etwas schwül heute. Um mich im Wasser abzukühlen schwimme ich zur Step by Step II, die etwa einhundert Meter entfernt liegt. Ich lerne Anja und André kennen und wir unterhalten uns ein paar Minuten. Natürlich gibt‘s wieder Informationen für meine Weiterreise. Zurück auf der Lucky spüle ich das Salzwasser ab und dusche mit Shampoo. Nach dem Abtrocknen wende ich mich wieder dem Heck zu, um das Dinghi in die Davids zu ziehen, das ich nur in einem Flaschenzug eingepickt hatte. Ich habe bestimmt ziemlich blöd geschaut, als ich das Beiboot nicht am Haken, sondern treibend ungefähr 30 m hinter Lucky erblickte. Also, wieder ins Salzwasser und den Ausreißer eingefangen. Der Bolzen eines Schäkels hatte sich gelockert, beide Teile lagen im Boot.
Wenn der Wind passt, fahre ich Morgen nach Spanish Wells.