Montag, 25.Juni 2018
Wir machen kleine Einkäufe, dann melden wir uns im Hafen ab. Wir duschen nochmal ausgiebig und trinken im Bistro der Marina einige Abschiedsbier zum Essen.
Um 15:30 verholen wir Lucky vom Ankerplatz im Hafenbecken zur Tankstelle. Wir brauchen frisches Wasser und wollen zwei weitere 20 L Reservekanister mit Diesel füllen. Andere wollen auch tanken, und so wird es 17:00, bis wir den Hafen verlassen und wirklich unterwegs sind. Wir führen jetzt gut 120 L Diesel in Kanistern mit, unser Haupttank fasst ebenfalls 120 Liter. Mit 240 L wird der Motor ca. 5 Tage arbeiten. Hoffen wir, dass das reicht.
20:30 Wir passieren das westliche Kap der Insel Sao Jorge. Sonnig, kein Wind, angenehm warm.
5,5 Kn, 53°
Dienstag, 26. Juni 2018
00:45 Die Insel Vila da Praia liegt an Backbord querab.
08:00 Wie angesagt ist es weiter windstill. Ein Meer wie Öl.
2. Tag
12:00 Position N 39° 37,197‘ W 026° 56,258‘ Seit Horta gefahren 102 Nm
Barometer 1029 Hpcal Sonnig, kein Wind Motorstunden: 775,0
Nachmittags zieht Bewölkung auf. Bei schwachem Westwind setzen wir die Segel, brechen den Versuch aber nach einer Stunde erfolglos ab. Es reicht einfach noch nicht. Weiter unter Motor.
Mittwoch, 27.Juni 2018
00:10 Günter rollt die Genua aus und schaltet die Maschine ab. Der Wind reicht jetzt für eine Geschwindigkeit zwischen vier und fünf Knoten.
06:30 Es ist trüb. Nieselregen. 4 kn 52°
09:30 Nur noch 2,5 Knoten Fahrt. Ich starte den Motor.
3. Tag
12:00 Position N 40° 55,352‘ W 024° 49,953‘ Etmal 122 Nm
Barometer 1029 Hpcal bedeckt, ab und zu Nieselregen, kaum Wind aus Nord-West. Motorstunden: 789
Mittags wird es sonnig, brauchbarer Wind fehlt.
Erst um 18:15 setzen wir erneut die Segel und gönnen der Maschine eine Pause. Die Steuerung behält der Autopilot, aber jetzt mit Hilfe der Windfahne, d. h. unser Winkel zum Wind bleibt immer gleich, Lucky ändert den Kurs, dem Wind folgend. Die Segel trimmen wir passend auf maximale Höhe am Wind. Wir segeln anfangs mit knapp 4 Kn in Richtung 80°. Bis Mitternacht steigert sich die Geschwindigkeit bis auf gut 5 Kn, allerdings ändert sich die Richtung auf Ost, wir müssen nach Ost-Nord-Ost.
Donnerstag, 28. Juni 2018
4. Tag
12:00 Position N 41° 26,885‘ W 022° 29,382‘ Etmal: 106 Nm Barometer: 1032 Hpcal Mototrstunden: 795,5 sonnig Wind: NNO 15Kn ruhige See Kurs: 75° 4,5 Kn Fahrt

14:00 Der Wind dreht langsam zu unseren Gunsten. Wir fahren mit 4,9 Kn Kurs: 65°. So kann es weitergehen. Leider wissen wir, dass wir in den nächsten Tagen mit wesentlich mehr Wind und deshalb unruhigerer und nasserer Reise rechnen müssen.
Freitag, 29.Juni 2018
5. Tag
12:00 Position N 41° 55,041‘ W 020° 07,557‘ Etmal: 111 Nm Baro: 1029 Hpcal
5 Kn, 70° bedeckt, 20Kn Wind aus Nord, ruppige See
15:00 Bei 20 – 25 Kn Wind bergen wir das Großsegel, es soll ja noch mehr werden.
Das kleine Vorsegel zieht uns hoch am Wind mit knapp 4 Kn.
Die folgenden Tage werden, wie angesagt, sehr ungemütlich. Lucky wird von immer höher werdenden Wellen aus dem Kurs geworfen. Große Wassermassen knallen wieder und wieder an die Bordwand und ergießen sich übers Deck. Obwohl wir langsam unterwegs sind fallen wir regelmäßig in Wellentäler, meistens ist die Landung hart. Ab und zu überspülen größere Wasserberge einfach das ganze Schiff. An dieser Stelle möchte ich unseren Autopiloten mal loben. Er steuert das gut getrimmte Schiff scheinbar mühelos durch das Tohuwabohu, während wir gemütlich im Salon „Kaffee trinken“.
Ok, stimmt nicht ganz! Alles was nicht gut verstaut ist, setzt sich im Schiff in Bewegung. Wir müssen uns bei jedem Schritt mit beiden Händen festhalten. Essen wird zum Geschicklichkeitsspiel.
Die wenigen Kochversuche, arten in Akrobatik aus. Zum Glück vergeht uns gleichzeitig der Appetit, wir essen und trinken nur noch das nötigste. Am sichersten ist es in der Koje, dort verbringen wir jetzt auch die meiste Zeit.
Samstag, 30.Juni 2018
6. Tag
12:00 Position N 42° 20,355‘ W 018° 07,807‘ Etmal: 94 Nm Baro: 1025 Hpcal
4,5 – 5 kn, 76° sonnig, 25 Kn Nordwind, ruppige See
Eine Decksluke im Salon ist bei diesen Bedingungen nicht mehr dicht. Bei jeder Wellenattacke, die das Deck überspült (ca. viertelstündlich) rinnt auch hier ein Schluck vom salzigen Nass ins Boot. Nicht viel, aber das dauernde Wegwischen nervt, wie auch die gesamte Wettersituation. Zum Glück dreht der Wind etwas zu unseren Gunsten. Mit weniger Höhe läuft Lucky etwas schneller. Duschen und Bocksprünge bleiben.
Sonntag, 01.Juli 2018
7. Tag
12:00 Position N 42° 35,418‘ W 015° 29,972‘ Etmal: 122 Nm Baro: 1024 Hpcal
Weiter Starkwind und ruppige See.
Montag, 02. Juli 2018
03:00 Ganz allmählich beruhigt sich die See.
Um 09:00 können wir unser Vorsegel wieder komplett ausrollen. Es ist friedlich.
8. Tag
12:00 Position N 43° 14,512‘ W 013° 12,025 Etmal: 108 Nm Baro: 1024 Hpcal
Sonnig
13:00 Jetzt ist zwar endlich Ruhe eingekehrt, dafür bläst uns der schwache Nord-Ost Wind entgegen.
Lothars Wetterprognose zur Folge, wird der Wind die kommenden zwei Tage schwach bleiben, bevor in der Biskaya stärkerer Westwind einsetzt. Wir beschließen den Motor zu starten und in Richtung Brest (48°) durch die Flaute zu fahren. Unser Diesel reicht für drei Tage. Hoffen wir wieder mal, dass es langt.
Um 15:45 hat der Wind schon wieder gedreht. Wir segeln jetzt nach Brest, jedenfalls ungefähr (60°). Nach der nächsten Drehung um 17:50 fahren wir wieder unter Motor aufs Ziel zu (48°).

Dienstag, 03. Juli 2018
01:00 Eigentlich beginnt meine Wache erst um 04:00, aber da ich keinen Schlaf finde, machen wir uns um 02:00 ein Fläschchen Rotwein auf und essen Käse dazu. Ist das herrlich ruhig in der Flaute, lediglich das Hämmern des Diesels stört ein wenig.
08:00 Ein sonniger Morgen ohne Wind. 5 Kn, 48°.
Der starke Westwind für die Biskaya ist abgesagt, hoffentlich bleibt noch genug, uns bis Camaret sur Mer (liegt nahe Brest) zu bringen.
9. Tag
12:00 Position N 44° 29,773 W 011° 13,103 Etmal: 114,4 Nm Baro: 1026 Hpcal
Das Meer ist weit, das Meer ist blau, im Wasser schwimmt ein . . . ein Wal. Während Günter am Kartentisch die Mittagsposition notiert, kann ich vom Cockpit aus beobachten wie ein Wal wiederholt seinen Blas ausstößt. Er ist zwar nicht „zum Greifen nah“, aber ich glaube zu erkennen, dass es sich um ein großes Tier handelt.
Der sonnige Nachmittag lädt mich zum Faulenzen im Cockpit ein. Es kommt mal wieder echte Urlaubsstimmung auf. Günter zerlegt unterdessen die Pantry zur Reinigung in alle Einzelteile.

23:40 Ein Hauch von Wind stellt sich ein, die Richtung (SW) passt. Wir rollen die Genua aus und versuchen zu segeln. Wir bringen es auf 3 Kn Fahrt, besser als motoren. Schließlich reicht unser Diesel nicht bis zur Tankstelle in Camaret sur Mer.
Mittwoch, 04. Juli 2018
00:30 Bei 2,5 Kn schalte ich wieder um auf Motorantrieb: 4,8 Kn, 48°
02:00 Neuer Segelversuch. Der Wind bringt uns auf 3 Kn, steigert ganz allmählich auf 3,5.
05:36 Günter bekommt beim Ausguck im Cockpit einen gewaltigen Schreck, als neben dem Boot ein riesiger Wal auftaucht und bläst. Eine kleine Gruppe großer Wale begleitet uns ein Stück. Günter beschreibt mir am Morgen die lauten Geräusche und die Größe der Blaslöcher der Tiere.
Ich befinde mich gerade in einer Tiefschlafphase, höre sein Rufen nicht und verpasse so das ganze Schauspiel. Sehr ärgerlich!
08:00 Wir segeln immer noch mit 3,5 Kn zielgerichtet.
Um 10:00 setzen wir das Großsegel. Gleichzeitig nimmt der Wind etwas zu. Das beschleunigt uns auf 4,5 Kn. Die See bleibt ruhig, wir können wieder ordentlich frühstücken.
10. Tag
12:00 Position N 45° 44,734‘ W 009° 17,247‘ Etmal: 110 Nm Baro: 1026 Hpcal
Bedeckt, ganz ruhige See
13:00 Westwind 13 Kn. Wir kommen auf 5,6Kn, 49°
17:30 Wir rollen das 1. Reff ins Vorsegel. 5,5 – 6 Kn, 49°
Nach dem Abendessen gibt es mal wieder Bordkino. 
Donnerstag, 05. Juli 2018
Um 01:20 rollen wir ein weiteres Reff in die Fock und drei Stunden später sind wir wieder bei sechs Beaufort angekommen. Hatten wir nicht Angst vor zu wenig Wind? Jedenfalls macht es großen Spaß, jetzt wider Erwarten zügig über den friedlichen Atlantik zu segeln.

Um 11:30 versucht die Sonne sich durch die Wolkendecke zu kämpfen, aber viel wird nicht draus. NW-Wind 15Kn.
Beim Mittagsfix messen wir das beste Etmal der gesamten Reise.
11. Tag
12:00 Position N 47° 13,499‘ W 006° 42,488‘ Etmal: 140,5 Nm Baro: 1030 Hpcal
Der Tag bleibt trüb und kühl. Nach dem Abendessen bergen wir das Großsegel. Auch mit der Genua allein kommen wir gut voran. Erst abends um 22:40 flaut der Wind ab und dreht sich etwas. Als wir nur noch 2,5 Kn Fahrt machen, rolle ich das Segel ein und motore durch die stockdunkle Nacht.
Freitag, 06.Juli 2018
07:45 Wir können nochmal eine Stunde segeln, dann wird es wieder ganz ruhig.
Um 09:35 legen wir bei der Tankstelle von Camaret sur Mer an. Die zweite gemeinsame Atlantiküberquerung und die Biskaya liegen hinter uns. Das wollten wir eigentlich bei einer Portion Austern und einer Flasche Wein feiern.
Günter hat auf den letzten Meilen bereits Wetterdaten geladen und ausgewertet. Wir müssen in den kommenden Tagen damit rechnen, dass sich uns im Englischen Kanal zunehmender Nord-Ost Wind entgegenstellt. Es gilt also keine Zeit zu verlieren: Fahren solange der Gegenwind noch nicht stark ist.
Wir füllen unseren Dieseltank, alle Reservekanister, prüfen und ergänzen den Motorölstand. Danach entsorgen wir den Müll. Bereits um 10:10 legen wir ab. Der Wind schläft noch.
Ordentlich durchgeschüttelt und viel Flaute, von allem was, – incl. Wale, – großartig. Prima, dass ihr heil wieder das Festland erreicht habt. LG Stobi.
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Willkommen zurück in der alten Welt. Glanzleistung, Hut ab. LG KH
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🎼das kann doch einen Seemann nicht erschüttern …
Schön wieder von euch zu hören
LG Duck
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Willkommen in der Heimat. Herzlichen Glückwunsch zur geglückten reise
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Hallo Jungs, ich sehe, ihr seid in Lelystad angekommen lt. Marine Traffic. Ich freue mich riesig und hoffe, ihr und das Boot seid in guter Verfassung. Ihr seid meine Helden. Respekt. Genießt ein gutes Essen mit Heineken bei Jan Goos!!!! Stobi.
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