Freitag, 06. Juli 2018
10:10 Wir motoren in den trüben Vormittag. Das Meer ist ruhig, kein Wind stört.
12:00 Position N 48° 19,823‘ W 004° 47,207‘ Etmal: 102 Nm Bar: 1034 Hpcal
Motorstunden: 843,3
Nach 16:00 wird es sonnig.
Abends rollen wir die Genua nochmal aus. Das bringt einen halben Knoten Fahrt zusätzlich.
Samstag, 07. Juli 2018
02:00 Bei völliger Flaute rollen wir das Segel ein.
05:20 Die Sonne strahlt, das Meer ist ruhig. Nur 5 Kn Gegenwind.
12:00 Position N 49° 38,026‘ W 002° 42,898‘ Etmal: 113 Nm Baro: 1036 Hpcal
Sonnig, Wind Nord-Ost 7 Kn, Die See liegt ruhig. Motorstunden: 867,3
Sonntag. 08. Juli 2018
Bis zum Mittag bleibt es eine absolut ruhige Motorfahrt bei herrlichem Sonnenschein.
12:00 Position N 50° 17,335‘ E 000° 26,178‘ Etmal: 128 Nm Baro: 1037 Hpcal
Motorstunden: 891,6
Jetzt wird der Gegenwind langsam stärker (NE 13 Kn), und es baut sich eine kleine Welle auf.
4,1 Kn 75°
Um 17:30 taucht ein großes Zoll-Boot auf. Man hat uns wiederholt über Funk gerufen. Wir haben‘s nicht gehört. Wir gehen auf den gewünschten Funkkanal und beantworten die gestellten Fragen. Um 17:50 werden dann vier Herren zu uns an Bord gebracht. Wir dürfen Kurs und Geschwindigkeit beibehalten, verlieren also keine Zeit. Während das Mutterschiff und das Beiboot hinter uns herfahren, durchsuchen zwei Beamte das Schiff, die anderen stellen Fragen zu unserer Reise und füllen Formulare aus.
Die Atmosphäre ist freundlich, locker. Natürlich wird nichts Verbotenes gefunden, und um 18:35 lassen sich die Herren wieder abholen.
Gute Reise!
Montag, 09. Juli 2018
12:00 Position N 51° 30,570‘ E 002° 53,656‘ Etmal: 119 Nm Baro: 1037 Hpcal
Sonnig, ruhige See
Leider hat auch diese Passage ihren Kaffeefahrtcharakter nicht bis zum Schluss behalten. Im Lauf des Tages legt der Nord-Ost kräftig zu. Wir messen um die 20 Kn, beinah genau von vorn, also zum Segeln nicht zu gebrauchen. Im Zusammenspiel mit der Tide baut sich eine äußert unangenehme, kurze, steile Welle auf. Es kommt mal wieder ordentlich Bewegung ins Schiff. Das Cockpit wird regelmäßig mit Spritzwasser geduscht. Ohne die Stützwirkung des Segels schwankt Lucky schwer von Backbord nach Steuerbord. Kochen beschränkt sich auf schmackhafte China-Suppen, das Trinken aus Flaschen gelingt immerhin gut.
Dienstag, 10. Juli 2018
04:00 Meinen wohlverdienten Schlaf kann ich in der Vorschiffkabine natürlich nicht finden, viel zu oft hebe ich von der Matratze ab. Im Salon ist es deutlich ruhiger, ich schlafe trotzdem kaum.
Als hätte das Wetter uns die letzte Etappe nicht genug versaut; Das Schicksal hat noch einen Trumpf im Ärmel: In Camaret sur Mer haben wir 240 l Diesel an Bord genommen, das reicht bei unserem Verbrauch für 114 Motorstunden.
10:45 Wir halten parallel zur niederländischen Küste auf die Einfahrt des Nordsee-Kanals bei Ijmuiden zu. Die Wettersituation ist unverändert. Lucky legt sich abwechselnd rechts und links kräftig über. Bis zum Molenkopf sind es noch 1,2 Nm, als unser Motor plötzlich langsamer läuft. Uns fährt ein gehöriger Schreck in die Glieder, aber die Maschine beschleunigt wieder auf Normaldrehzahl.
10:53 Noch 0,5 Nm bis zur Einfahrt. Nach 96 Stunden geht der Diesel aus. Upps!
Nach einem Jahr auf See sind wir ein eingespieltes Team. Es dauert sicher weniger als eine Minute, bis wir das Vorsegel im zweiten Reff ausgerollt haben. Gaaaaanz hoch am Wind umsegelt Günter den Molenkopf und biegt dann nach Steuerbord in die breite, aber auch viel befahrene Einfahrt nach Ijmuiden ab. Sofort reduzieren wir die Segelfläche auf ein Minimum, denn jetzt schiebt der starke Wind kräftig. Bei diesem Wetter können wir unmöglich ohne Motor in den nahen Jachthafen fahren. Nach kurzer Besprechung beschließen wir, in der kleinen Bucht vor der Marina zu ankern. Viel Platz ist dort nicht, aber ein kleiner Strand lässt uns auf schnell haltenden Sandgrund hoffen. Außerdem haben wir keine Wahl und auch nur einen Versuch. Mit Erreichen der besprochenen Position fährt Günter einen Aufschießer, anschließend lasse ich bei einer Wassertiefe von sechs Metern den Anker gefolgt von 40 m Kette fallen. Wie immer greift der Rocna-Anker sofort und hält Lucky gegen den Wind sicher fest. 11:20 Abklatschen, das haben wir gut gemacht!
Wir befreien das Dinghi von den Haltegurten, montieren den Außenborder und lassen das Beiboot zu Wasser. Günter fährt mit einem unserer Kanister zur Marina um Diesel zu holen. Bei den Wellen ist das Dinghi ohne Schläuche etwas kippelig, aber er meistert auch diese Herausforderung.
Eigentlich wollte er zwei Kanister mitnehmen, aber ich konnte ihn überzeugen, dass das Befüllen einfacher ist wenn Lucky an der Tankstelle liegt. Er ist schnell zurück, muss aber leider berichten, dass die Tankstelle von zwei Schiffen belegt ist, die in absehbarer Zeit nicht ablegen. Ok, die 20 Liter bringen uns sicher zu einer anderen Tanke. Wir füllen den Diesel in den Haupttank und nach dem Entlüften der Einspritzanlage brummt der Motor wieder wie eh und je. Um 13:15 setzen wir die Reise fort.
Wir durchfahren die Seeschleuse Ijmuiden und folgen dem Nordseekanal nach Amsterdam. Ungefähr drei Stunden später entlässt uns die Orangesluis ins Ijsselmmer. Eine Tankstelle haben wir unterwegs nicht gesehen. Vor der folgenden Brücke lässt man uns fast eine Stunde mit laufendem Motor warten. Als wir um 17:40 endlich weiter können, machen wir uns schon wieder Gedanken, ob der Kraftstoff bis Lelystad reicht. Rechnerich sollte das kein Problem sein, aber nach der bösen Überraschung am Vormittag, ziehen wir die Genua raus und kreuzen Schlag um Schlag nach Nord-Ost.
Um 22:00 (UTC) bemühen wir dann doch für die letzten sieben Meilen die Maschine. Kaputt aber zufrieden machen wir um 24:00 (UTC) in der Deko Marina, Lelystad fest.
Mittwoch, 11.Juli 2018
Hier stellen wir alle Uhren auf MESZ zurück. Es ist 02:00.
Wir wollen sehr früh aufstehen, weil wir für heute Vormittag einen Termin am Mastenkran zum Abriggen haben. Unsere „Besprechung“ geht trotzdem noch bis nach 03:00.
09:31 Das „Früh Aufstehen“ hat offensichtlich nicht geklappt. Günter kommt gerade vom Duschen, als ich aufwache. Nach einem Kaffee melde ich unsere Ankunft bei der Werkstatt und wir beginnen sofort mit der Arbeit. Segel abnehmen und verstauen. Baum demontieren und an der Reling anlaschen, Wanten und Stagen lösen usw. usw. Es ist wirklich viel Arbeit. Wir müssen erstmals auch die Radarschüssel abbauen. Zum guten Schluss werden die Salinge abgeklappt und alle Wanten, Stagen und Leinen fest mit dem Mast verschnürt.
Um 16:00 übergeben wir den Mast dem Lager und fahren zur benachbarten Flevo-Marina zum Tanken. Die schwimmende Tanke wird gerade betankt. Das gibt uns eine Stunde Zeit, endlich was zu essen und in Ruhe ein Bier zu trinken.
18:10 Mit vollem Tank und Kanistern brechen wir zur 240 km langen Flussfahrt nach Krefeld auf. Heute fahren wir noch bis Kampen.