Montag, 12.02.2018
18:00 Wir verlassen den Ankerplatz wie geplant
19:00 Von dem angesagten Starkwind spüren wir nicht viel. Mit knapp 3 kn entfernen wir uns von der Küste Puerto Rico’s.
Erst am späten Abend frischt der Wind etwas auf, und die See wird sehr unruhig. Ohne klare Richtung wird Lucky von kleinen Wellen herumgestoßen. Gut, dass wir für Seekrankheit nicht mehr anfällig sind.
Dienstag, 13.02.2018
Nach Mitternacht ändert sich das Wetter völlig. Der Wind weht jetzt mit 20 bis 35 kn, und die See wird immer höher. Gewaltige Wellen mit weißen Kämmen rollen von schräg hinten unter uns durch. Es ist stockdunkel. Selbst wenn wir wollten, könnten wir die Kameraden nicht aussteuern. Wir fahren unter ganz kleinem Vorsegel. Damit hält der Autopilot den Kurs gut, abgesehen davon, dass Lucky ab und zu von Wellen etwas aus der Bahn geworfen wird.
Nach 02:00 liege ich in meiner Vorschiffskoje. An Schlaf ist vor lauter Abstützen nicht zu denken. Mehrfach höre ich, wie große Wellen an der Bordwand brechen. Plötzlich spüre ich, wie das Schiff zuerst angehoben wird. Dann wird das Boot von auftreffenden Wassermassen erschüttert und kräftig auf die Seite gedrückt. Lucky muss völlig überspült worden sein. Ich springe aus der Koje um zu sehen, wie Günter den Angriff überstanden hat. Erleichtert höre ich Ihn laut aus dem Cockpit fluchen. Er hat die weiße Wand kurz vor dem Aufprall aus der Dunkelheit kommen sehen und voll bekleidet gebadet. Ihm reicht’s. Er schmeißt die nassen Klamotten in sein Bad und geht schlafen. Recht hat er! Ich übernehme, jetzt auch im Ölzeug. Zum Glück steuert der Autopilot zuverlässig. Nur bei solchen Angriffen greifen wir schon mal ein.
Um 06:30 wird es endlich hell. Es beruhigt zwar nicht, dass wir die Wellen jetzt sehen können, aber es ist schon lange keine mehr „eingestiegen“.
Um 08:00 sind wir der Küste der Dominikanischen Republik schon sehr nah und die Wassertiefe nimmt auf 60, 50, 30 Meter ab. Es kachelt unvermindert. Die Sonne scheint. Wir haben wieder auf Badebekleidung gewechselt. Das Wasser ist türkis, sieht mit den weißen Kronen sehr hübsch aus. Dann kommt der „Abschlussbrecher“. Hinter uns baut sich eine „grüne Glaswand mit weißer Krone“ auf. Und wächst, und wächst . . Lucky steigt und steigt . . . Die Schaumkrone hebt kurz das Dinghi in den Davids an und klatsch dann an unser Heck. Ich stehe am Ruder, springe aber rechtzeitig auf den Sitz und bekomme so nur nasse Beine. Dann bricht alles gurgelnd in sich zusammen. Eigentlich haben wir nur ein paar Spritzer abbekommen, aber es sah beeindruckend aus.
Um 09:00 haben wir das betonnte Fahrwassser der Marina erreicht. Über Funk habe ich mich vergewissert, dass das Einfahren auch bei diesem Wetter problemlos möglich ist. Die Rinne ist schmal, und rechts und links rollen hohe Brecher über das flache Wasser. Die Wellen, die uns schieben sind zwar kleiner geworden, trotzdem muss ich ordentlich rudern um Kurs zu halten.
In den breiten Kanälen der kleinen Lagunenanlage ist die Wasseroberfläche völlig ruhig.
Wir melden uns wieder bei der Capitainerie und finden nach einigen Hinweisen den für uns reservierten Liegeplatz. Dieser wäre prima passend für eine 18 Meter Yacht. Haben wir aber nicht. Der Wind bläst quer zum Liegeplatz. Ich gehe jetzt hier nicht ins Detail, aber das Anlegen war ein Desaster. Die sechs Marinieros die uns helfen wollten, konnten am Steg nicht viel tun.
Endlich festgemacht. Wir haben beide nicht geschlafen, da stellt sich die Frage: Kaffee oder Bier als Anleger? Wir entscheiden uns für Kaffee, weil ich ja noch zum Einklarieren muss. In einem Golf-Kart sitzt ein Security-Mitarbeiter, den frage ich nach Customs- und Immigration. Dabei stelle ich fest, dass hier spanisch gesprochen wird, und noch lange nicht jeder englisch versteht. Ich verstehe: Einklarieren, ½ Stunde. Mit diesem Wissen gehe ich zurück und koche Kaffee. Nach einer halben Stunde kommt ein sechsköpfiges Komitee an Bord.
Die freundlichen Beamten stellen die üblichen Fragen und füllen viele Formulare aus. Ich muss nur unterschreiben und am Ende 121,00 US$ bezahlen. Das war ja einfach.
Als nächstes melde ich uns im Marinabüro an. Auf dem großen Gelände sind die Wege lang. Die Mitarbeiter sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Man kann sich für jeden Weg innerhalb der Anlage über Funk ein Golf-Kart rufen. Passt natürlich nicht in unseren Trainingsplan. WiFi gibt es kostenlos in der großzügigen Capitainerie. Ein Waschsalon fehlt. Nachmittags besichtigen wir den Strand und die Bar dort. Wir bestellen zwei Bier (0,35 l Flasche) , obwohl der Preis mit 7,00 US$ recht hoch ist. Beim Bezahlen kommen dann noch ca. 30 % dazu. Wir runden auf 20,00 $ auf.
Juan, mit dem ich schon seit einer Woche über WhatsApp Kontakt habe, schickt uns später einen Segelmacher zum Schiff, der bis Morgen unsere Segeltasche näht.
Die Spaghetti gibt es heute sehr früh. Wir haben Schlaf nachzuholen.
Mittwoch, 14.02.2018 Valentinstag
Nach dem Frühstück geht Günter zum Strand um zu joggen. Ich besuche den Anbieter, der hier in der Anlage Autos vermietet und nutze den Hotspot im Büro. Gegen Mittag fahren wir mit Taxi und Bus zum Einkaufszentrum am Flughafen. Bei Claro kaufen wir uns Telefonkarten, im Supermercado Nacional ein paar Kleinigkeiten für Abendessen. Die Reinigung, die auch Wäsche zum Waschen annimmt, würde bis Montag brauchen. Da ist Günter schon nicht mehr an Bord, am Samstag ist Crewwechsel. Zurück in der Marina stellt Juan den Kontakt zu einer Dame her, die hier arbeitet und Morgen früh unsere Wäsche zum Waschen am Schiff abholt. Während Günter die reparierte Segeltasche installiert, fange ich an, den Salon zu putzen.
Abends kochen wir eine sehr leckere Soße mit Meeresfrüchten zu den Spaghetti.
Es ist Wochenende. Abends schallt ohrenbetäubender Lärm vom Land zu uns herüber. Jedes Lokal spielt andere Musik, alle sind laut. Die Mischung die an Bord ankommt hat wirklich nichts mehr mit Musik zu tun.

Die Darbietungen sind von unterschiedlicher Qualität, die Menschen sehr freundlich.

Haben wir gestern im Supermarkt gekauft. Die Teile haben jeweils zwei Rippen, sind also etwas dicker geschnitten, und wiegen je 400 g. Paniert gebraten sind sie super zart und lecker. Zum Glück haben wir noch zwei für Morgen.
Diesmal gelingt die Landung und er kann einen kleinen Spaziergang machen. Der Rückweg wird durch eine querlaufende Strömung unerwartet anstrengend, aber er schwimmt ja, um sich fit zu halten.

Ein schöner Ort, um die versprochene Smartphone-Funktion auszuprobieren. Klappt aber leider immer noch nicht.
Um 17:00 haben wir in der uns zugeteilten Box 1041 festgemacht.
In einem richtigen Digicel-Laden hofft Günter, Antwort auf seine Frage zu bekommen. Kriegt er: Die Karten gelten nicht, wie man uns auf Union Island gesagt hat, auf allen Inseln auf denen man mit East Caribbean $ bezahlt, sondern nur in einem sehr viel kleineren Bereich. Da wir quasi auf der Durchreise sind, lohnt es sich auch kaum, hier für zwei Tage eine neue Karte zu kaufen. Das bedeutet für uns: Telefonieren nur über WhatsApp, und: Ohne Bier kein Internet. Nach einer kleinen Runde durch St. John’s fahren wir mit dem Bus zurück nach Falmouth Harbour.
Fürs Wochenende ist starker Wind angesagt, und wir wollen uns einen schönen Ankerplatz an der geschützten Westküste von Antigua suchen. Um 11:00 gibt es erst mal eine ordentliche Regendusche am Süd-West-Ende der Inseln. Hier drehen wir nach Norden und segeln vorbei an Jolly Harbour zur Deep Bay, kurz vor St. John’s. Eine schöne Bucht mit klarem Wasser, aber keine Chance auf Internet. Wir segeln zurück und ankern um 14:30 vor Jolly Harbour. Mit dem Dinghi fahren wir durch die große Lagune zur Marina. Einen „kostenlosen“ Wlan-Zugang finden wir bei Maydays, einem Terrassen-Restaurant, das scheinbar unter österreichischer Leitung steht. Auf der Speisenkarte lesen wir Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn. Wir telefonieren, und in meinen Emails finde ich die Bestätigung des Krantermins in Puerto del Rey für den 05. Februar, 11:00.
Um 17:30 ankern wir vor der Anlage. Wir machen uns Bratkartoffel mit Pulled Pork aus der Dose. Lecker!



Über dem hübschen, kleinen Ort liegt das Fort Napoléon. Über eine steile Straße laufe ich hoch und genieße die Aussicht über die Bucht. Selbstredend werde ich auf dem Rückweg gründlich geduscht und komme tropfnass im Ort an. Günter ergeht es beim Joggen nicht besser. Wir trösten uns mit einem kleinen Eis.
Wir kehren bei „unserer“ Eisdiele ein. Danach fahren wir zurück aufs Schiff, gerade rechtzeitig vor dem nächsten Wolkenbruch.

Danach klarieren wir aus. Morgen wollen wir Richtung Guadeloupe weiter.
Aus der Gummimanschette tropft es munter ins Boot und sammelt sich in der Bilge. Davon geht das Schiff nicht unter, aber aus Tropfen wird irgendwann laufen. Soweit wollen wir es nicht kommen lassen. Zurück zur Werft in Le Marin sind es nur 33 nm. Dort wird man uns hoffentlich helfen.
