Wir verlassen unseren Ankerplatz um 11:00. Zwanzig Minuten später stehen die Tücher und wir segeln fast zwei Stunden nach Norden. Unterwegs kreuzt die Costa Magica unseren Kurs. Das AIS hat uns jederzeit mitgeteilt, dass wir mit knapp 100 m Abstand passieren würden, mir stellte sich aber lange die Frage, ob wir vor oder hinter dem Cruiser durchfahren würden.
Unter Maschine geht es weiter nach Chateaubelair auf St. Vincent, wo wir um 14:45 zum Ausklarieren ankern.
Sofort kommen Kinder auf Surfboards oder in Schlauchbooten zum Schiff, um uns zu einem besseren Ankerplatz zu lotsen. Auch Gerald, ein alter Einheimischer, steht bald auf seinem Surfboard neben Lucky und hält sich an der Fußreling fest. Die Kinder fragen nach Keksen und Coca Cola. Auch Gerald ist sehr freundlich, spricht ein paar Brocken Deutsch und fragt nach einer Cola.
Ich fahre mit dem Dinghi zum Strand, einen Steg gibt es nicht. Auch dort erwarten mich helfende Hände bei der Landung. Die Menschen sind freundlich und weisen mir den Weg zum 100 m entfernten Customs-Office. Das Ausklarieren geht schnell und kostet nichts. Als ich um 15:30 zurück an Bord bin, beschließen wir, nicht in der Bucht zu übernachten, sondern durch die Nacht nach Martinique zu fahren. Um 17:00 ziehen wir den Anker hoch und verlassen die Insel mit Ziel Le Marin.
Donnerstag, 04.01.2018
Wir motoren die ganze Nacht gegen den Wind. Als es um kurz nach 06:00 hell wird, sehen wir Martinique vor uns liegen. Über der Bucht von Le Marin geht gerade wieder ein kräftiger Regenschauer nieder. Zwei Stunden später sehen wir kurz vor der Marina die Sancara im Ankerfeld liegen. Wir fahren heran und begrüßen Anna und Reinhard aus der Ferne. An der Tankstelle füllen wir Diesel und Wasser auf, danach ankern wir neben unseren Freunden. Die fahren zwar heute schon weiter, aber wir werden uns auf der Reise bald mit mehr Zeit treffen.
Ich fahre erst mal zum Einklarieren an Land. Hier sind wir quasi in Europa, jedenfalls vom Telefonnetz her. Bei einer Elektronikwerkstatt gebe ich unser Windinstrument ab, dessen Beleuchtung repariert werden muss. Die Supermärkte tragen ihren Namen hier wieder zu recht. Abends gibt es panierte Schweinekoteletts mit Kartoffeln und frischem Salat.
Freitag, 05.01.2018
Nach dem Frühstück aus Bratkartoffeln mit Speck und Eiern fahren wir an Land. Die Dinghistege sind wirklich überlastet, aber nach einigem Suchen finden wir einen Platz. Wir holen erst mal den Windanzeiger ab. Während wir uns im nächsten Zubehörladen umsehen, gehen draußen wieder die Regenschleusen auf. Auch dieser Schauer ist nur kurz, und wir finden in der Zwischenzeit brauchbare Artikel im Geschäft. Nach einem Rundgang auf dem Marinagelände fahren wir mit dem Dinghi zu den Supermärkten auf der anderen Seite der Bucht. Hier gibt es ein großes Angebot zu guten Preisen. Wir besprechen den Einkauf bei einem Bier, bevor wir zuschlagen und die Waren an Bord schaffen. Die Neu- und Ersatzteile werden eingebaut, die Lebensmittel verstaut.
Um 15:50 lichten wir den Anker und wechseln in das Ankerfeld vor Ste. Anne. Wie verabredet liegen wir hier neben der Electra. Nach dem Abendessen kommen Mascha und Jens auf ein Bier vorbei. Wir verbringen wieder einen netten Abend zusammen.
10:20 fahren wir weiter nach Bequia. Wir können ungefähr 2/3 der Strecke segeln. Dabei bekommen wir ab und zu kleine Salzwasserduschen, Regen bleibt heute aus.
Um 16:20 ankern wir in einem riesigen Ankerfeld vor Port Elizabeth, direkt neben der Electra.
Dienstag, 02.01.2018
Port Elizabeth wirkt irgendwie aufgeräumter als das, was wir bisher von der Karibik gesehen haben. Günter findet einen Arzt, der sein Ohr behandelt.
Wir lassen Wäsche waschen und verbringen die Wartezeit in Lauras Strandbar, wo wir auch Jens und Mascha wieder treffen. Abends sind wir auf der Electra und tauschen die „Abenteuer“ des Nachmittags aus.
Samstag, 30.12.2017 wolkig, windig, später sonnig, aber immer warm
Wir wollen wieder ein kleines Stück weiter nach Norden. Unser Ziel ist die Salt Wistle Bay auf Mayreau. Wir haben Glück, können den größten Teil der 5 nm segeln, als wir allerdings die „spektakuläre Bucht mit ihrem mondsichelförmigen Sandstrand“ erreichen, finden wir diese völlig überfüllt vor. Wir lassen das „Juwel“ einfach rechts liegen und fahren weiter ins Horseshoe Reef, östlich der Insel. Hier liegen zwar auch sehr viele Schiffe, aber es ist erheblich mehr Platz. Schon beim Ankern über ca. 4 m Sandgrund tauchen ganz in unserer Nähe zwei Schildkröten aus dem klaren Wasser auf. Auch wir baden ausgiebig und genießen das Türkis der Umgebung.
Wir verbringen auch den Jahreswechsel in den Tobago Cays. Das Wetter bleibt zwar warm, aber durch der anhaltend starken Wind und die häufigen Regenschauer ziemlich ungemütlich.
Donnerstag, 28.12.2017 Wolken, Sonne, Regenschauer, sehr viel Wind
10:30 Anker auf. Clifton, auf Union Island liegt nur 8 nm entfernt, aber genau in Luv. Langsam lassen wir uns vom Diesel nach Nord-Ost schieben. Dummerweise ist auch die Strömung gegen uns. Wir fahren beinahe gerade auf das Ziel zu, aber erreichen oft nicht mal zwei kn Fahrt über Grund. Was soll’s, wir haben Zeit.
Der Ankerplatz vor Clifton ist rundum durch ein Riff geschützt. Zwanzig Minuten vor der Einfahrt geht ein kräftiger Regenschauer nieder. Der Wind legt dabei nochmal richtig zu, dafür haben wir kaum noch Sicht. Macht nichts, wir haben ja unseren Plotter. Mit Erreichen von Clifton ist der Spuk schon wieder vorüber. Hinter dem Riff ist das Wasser ruhig, der Wind weht ungebremst darüber hinweg. Freundliche Schwarze kommen mit ihren kleinen Motorbooten auf uns zu und bieten ihre Hilfe beim Festmachen an einer Mooringboje an. Auch unser Freund Tim ist dabei. Wir wollen ankern. Die Bucht ist 10 – 12 m tief, zum Riff hin wird es flacher, aber beim ersten Versuch findet der Anker keinen Halt. Dass die Schwarzen dabei in unserer Nähe kreisen ist keine Hilfe. Inzwischen fängt es wieder an zu regnen und es brist auf. Kurzentschlossen verlassen wir die Bucht und warten draußen, bis es vorbei ist.
Neuer Versuch. Ich fahre in flaches Wasser. Günter steht am Anker. Diesmal kann er den Grund bei 3 – 4 m Tiefe gut sehen. Er lotst mich über ein Sandloch und lässt den Anker dort fallen. Hier hält er sicher. Ich setze zum Einklarieren über, Günter bleibt an Bord.
Es dauert nicht lange bis Tim mit neuen Angeboten für frischen Fisch auftaucht. Jetzt hat Günter Zeit und klärt unseren Freund darüber auf, was wir von seinen Sonderangeboten halten. Tim bringt nochmal das ausstehende Müllgeld zur Sprache. Am Ende vertragen sich die Beiden bei einem Bier an Bord.
Nach meiner Rückkehr fahren Günter und ich gemeinsam an Land um uns den Ort anzusehen.
Es ist ein nettes, buntes Dorf. Nach einem kleinen Rundgang trinken wir in Lambi‘s Bar und Restaurant unseren ersten Rum Punch. Schmeckt köstlich, aber einer reicht. Auf dem Rückweg kaufen wir an einem Marktstand frische Tomaten. Gegessen wird an Bord: Tomatensoße mit Fetakäse und Knoblauch, dazu Spaghetti.
Freitag, 29.12.2017 wolkig und viel Wind, warm
Der Anker hat gehalten, obwohl sich der Wind in der Nacht redlich bemüht hat, uns zu vertreiben. Durch das schützende Riff haben wir sogar ausgesprochen ruhig gelegen.
Ich gebe mich an das Schreiben des Berichtes. Günter schwimmt nach dem Frühstück im klaren Wasser. Am späten Vormittag setzen wir über, um einen ausgedehnten Spaziergang nach Ashton zu machen. Noch in Clifton betreten wir den Laden von Digicel, wo wir gestern Abend schon Informationen eingeholt haben. Günter möchte, zum günstigeren Datenaustausch, eine Telefonkarte von hier kaufen. Leider gestaltet sich das schwieriger als angenommen. Logisch wäre, sich zunächst die App von Digicel aufs Iphone zu laden, um später komfortablen Zugriff auf seinen Vertrag zu haben. Dafür muss allerdings erst ein größeres Update auf dem Telefon gemacht werden. Nach einer gefühlten Stunde Downloading, verabschiede ich mich und warte auf einer schattigen Seeterrasse bei kühlem Bier. Günter kommt keine halbe Stunde später nach. Update ist abgeschlossen, App lässt sich trotzdem nicht installieren, aber er hat jetzt eine Pre-Paid Digicel-Karte. Der Internetzugang klappt noch nicht, aber der Angestellte hat jetzt Mittagspause. Wir gehen später nochmal zum Laden um Details zu erfragen und die Karte zu bezahlen, treffen den Herrn aber wieder nicht an. Hungrig laufen wir zu einem Restaurant und essen eine sehr leckere Pizza. Danach zurück zu Digicel. Der Angestellte ist wieder nicht da. Inzwischen funktioniert aber Günters Internetzugang übers Handy. Dann lassen wir das mit dem Bezahlen eben.
Auf Lambi’s Terrasse nehmen wir wieder einen Sundowner. Günter lobt den Rum Punch sehr, und auf Nachfrage macht uns der Chef eine große Flasche (5 l) zum mitnehmen fertig. Auch hier hat Gutes natürlich seinen Preis.
Der Wind hat während der ganzen Nacht kräftig geblasen, aber unser Anker ist gut im Sand eingegraben. Bei der Törnplanung stelle ich heute Morgen fest, dass wir auf Petit Martinique zwar Wasser und Diesel kaufen können, die Insel aber keine Möglichkeit zum Ein- bzw. Ausklarieren bietet. Wir beschließen, Wasser zu tanken und dann nach Carriacou zurückzufahren. Im Revierführer steht der Anleger auf Petit Martinique wäre: The best and most convenient fuel dock in the Grenadines. Offensichtlich hat der Autor bei Windstille und glatter See getankt. Wir legen bei kräftigem Schwell und viel Wind an. Hilfe von Landseite gibt es nicht. Nach dem Festmachen, zerrt Lucky ungeduldig an den Leinen. Die wackeligen Klampen am Steg, flößen wenig Vertrauen ein. Wir können nicht verhindern, dass das Schiff immer wieder von den Wellen in die Fender geworfen wird, aber dafür sind sie ja da. Alles etwas abenteuerlich, aber wir kommen ohne Schaden davon.
Während wir tanken erscheint plötzlich unser Freund Tim aus Carriacou am Steg. Freudige Begrüßung. Sofort bietet er wieder Langusten zum „special price“ an, der aber 100% über dem liegt, den wir zuletzt gehört haben. Wir lehnen dankend ab. Tim bietet an unseren Müll zu entsorgen. Wir nehmen an, und Günter bringt zwei Säcke zu Tims Boot. Er kommt zurück zur zappelnden Lucky und sagt: „50,00 EC$ (17,00 €) will der haben“. Langsam wird der geschenkte Thunfisch teuer. Wir geben ihm 20,00 EC$ und versprechen, später zu „seinem“ Restaurant zu kommen.
Die Überfahrt mit Rückenwind nach Hillsborough ist ruhig und um 11:30 liegen wir wieder vor der Stadt. Auch hier ist das Anlanden mit dem Dinghi wetterbedingt etwas unangenehmer. Günter macht sich auf den Weg zu Tims Restaurant (w/ des Internets), ich bin pünktlich zur Mittagspause (12:00 – 13:00) bei der Einwanderungsbehörde. Ein Officer gibt mir freundlicherweise schon mal das Formular und bittet mich nach 13:00 wiederzukommen. Also auch auf zu „Tim’s“.
Um 13:10 bin ich zurück. Vor dem Büro stehen sechs Leute. Meine Frage, ob sie vor dem Immigration Office anstehen, wird natürlich mit „Yes“ beantwortet. Ich Frage: „ . . . and who ist the last one in line?“ Die prompte Antwort kommt: „ I think that’s you“. Großes Gelächter!
Die Wartezeit ist nicht langweilig. Ich klariere für den nächsten Morgen 10:00 aus. Nachmittags verbringen wir noch etwas Zeit bei Tim. Das Müllgeld wird erst mal nicht mehr angesprochen. Abends gibt es gebratenen Thunfisch, diesmal mit Spaghetti. Immer wieder lecker.
Mascha und Jens fahren heute weiter nach Norden. Beim Verabschieden leihen sie uns noch einen Druckminderer, den sie in Reserve an Bord hatten. Nach dem Einbau funktioniert unser Herd tadellos. Damit ist der Fehler sicher gefunden. Wir bleiben noch einen Tag in der Tyrell Bay und setzen auch wieder zur Lazy Turtle Pizzeria über, um ein paar Weihnachtsgrüße zu verschicken. Bei einem Spaziergang finde ich sogar einen offenen Supermarkt, wo ich leckeren Kartoffelsalat erstehe. Würstchen haben wir noch, das Weihnachtsmenü ist somit komplett.
Montag, 25.12.2017 sonnig und warm, Regenschauer, windig
Um kurz nach 10:00 lichten wir den Anker und motoren um das nächste Kap in die Bucht vor Hillsborough, der Hauptstadt von Carriacou. Hier liegt die kleine Insel Sandy Island, eine schmale Sandbank mit Palmenbewuchs. Davor ankern wir auf weißem Sand. Das Wasser ist klar und leuchtet türkis in der Sonne. Trotz des starken Windes nehmen wir ein Bad. Günter schwimmt sogar an Land und macht einen Strandspaziergang. Um 12:30 fahren wir 1,3 nm weiter nach Hillsborough, wo wir vor der Küste ankern. Günter muss telefonieren, also setzen wir über, um Internetzugang zu suchen. Wir staunen nicht schlecht, als wir ein scheinbar ausgestorbenes Dorf vorfinden. Wir laufen zunächst bis zum Ortsende nach Süden, dann fast bis zum Ende nach Norden. Aufgrund des Feiertages sind alle Geschäfte und Lokale geschlossen. Bevor wir aufgeben, fragt Günter einen Passanten nach einem geöffneten Lokal, und tatsächlich finden wir keine fünfzig Meter hinter unserem Wendepunkt ein schönes Hotel und Restaurant. Tim, der Wirt begrüßt uns am Eingang und versorgt uns sofort mit Bier und WiFi-Passwort. Bei sehr gutem Internet verbringen wir einige Zeit auf der schattigen Terrasse. Tim bietet uns auch Langusten und Thunfisch an, die er später zur Lucky bringen könnte. Wir äußern Interesse an einem Thun, ohne nach dem Preis zu Fragen. Als wir einige Bier später das Lokal verlassen, macht er uns einen Vorschlag: Wir sollen mit unserem Dinghi zu seinem Boot fahren und die an Bord stehende Kühlbox mit den Fischen zum Strand bringen. Er wird uns dort erwarten. OK! Er fährt uns mit seinem Wagen zum Anleger und zeigt im Vorbeifahren auf sein offenes Motorboot, das vor dem Strand, unweit von Lucky, in den Wellen schaukelt. Wir holen die Box, die drei Thunfische, eingebettet in Eiswürfeln enthält und fahren zu Tim an den Strand. Er übernimmt, öffnet die Kiste und sagt: „Sucht euch einen aus. Geschenkt! Ist ja Weihnachten“. Wir sind wirklich freudig überrascht, bedanken uns und fahren zur Lucky.
Nach dem Filetieren bleibt Fleisch für 2 – 3 Mahlzeiten übrig. Weil wir mittlerweile Hunger haben wird das erste Viertel sofort gebeizt und mit einem Stück Brot roh gegessen. Der Rest geht, in Tupperdosen verpackt, in die Kühlung. Fröhliche Weihnachten!
Dienstag, 26.12.2017 sonnig und warm, kein Regen
10:45 setzen wir die Segel und ziehen den Anker aus dem Sand. Unser Ziel ist die kleine Insel Petit Martinique. Hier wollen wir aus dem Staat Grenada ausklarieren, bevor wir weiter nach Norden segeln. Segeln nehmen wir heute mal wörtlich. Hoch am Wind kreuzen wir nach Nord-Osten auf. Aus einer Route von 7, werden auf der Kreuz über 14 nm, aber wir genießen die Fahrt unter Segeln. Nach Erreichen der Insel motoren wir an deren Küste nordwärts und ankern schließlich vor der privaten Nachbarinsel Petit San Vincent auf 3,5m türkisfarbenem Wasser. Vor uns liegt ein traumhafter palmengesäumter Sandstrand.
Bei derart einladenden Verhältnisse ist selbst der wasserscheue Skipper schnell über Bord.
Nach dem Bad bereiten wir unser Essen aus Spaghetti und viel Thunfisch zu. Herrlich!
Donnestag, 21.12.2017 sonnig und warm, Regenschauer
Wir fahren an Land und setzen uns in das Restaurant am Wasser, wegen des guten WiFi. Ich muss mal wieder einen Bericht veröffentlichen, Günter hat wichtige Telefonate zu führen. Es wird Mittag, und wir bestellen uns einen kleinen Snack.Eigentlich wollten wir ja wieder Fisch kaufen, aber mit vollem Magen lassen wir das Vorhaben fallen. Wir laufen um die Carenage und fahren nachmittags zurück an Bord. Abends gibt es einen kleinen Salat.
Freitag, 22.12 2017 sonnig und warm, Regenschauer
Vormittags fahren wir zum Grenada-Yachtclub, um unseren Wassertank zu füllen.
Mittags wieder ins Stammlokal w/Internet.
Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Fish-Friday. Darüber haben wir im Revierführer folgendes gelesen: „Fish Friday in Gouyave is a great event, fun, and inexpensive, with lots of vendors selling different seafoods“. Statt an einer organisierten Tour zu diesem großartigen Ereignis teilzunehmen, fahren wir dem Bus Nr. 5 nach Gouyave. Der Fahrer fährt wie vom Teufel verfolgt. Ohne Rücksicht auf seine „Ladung“ jagt er die gewundene Küstenstraße entlang, ständig auf der Hupe, und jede noch so riskante Gelegenheit zum Überholen nutzend. Der Kleinbus ist bis auf den letzten Platz besetzt, dadurch können die Passagiere nicht verrutschen. Als wir eine halbe Stunde später das Ziel erreichen, ist es 18:00 und somit bereits dunkel. Auf der Hauptstraße des Kaffs herrscht geschäftiges Treiben, aus einigen Kneipen schallt laute Musik. Alles wirkt ein bisschen heruntergekommen, wie überall auf der Insel. Einen großen Markt, wie wir ihn erwartet haben sehen wir nicht, aber auf Nachfrage erklärt man uns den Weg, ca. 150m. In einer schmalen, dunklen Seitenstraße sind einige Pavillons aufgebaut, dazwischen immer eine Gruppe Tische mit Stühlen. Der erste Stand besteht aus einem waagerecht liegenden Brett in Thekenhöhe, darunter einige Kühlboxen mit Getränken in Eiswürfeln. „Welcome to Fish Friday. This is our bar“. Begrüßt uns eine ältere Dame. Wir grüßen zurück und nehmen erst mal zwei Bier. Damit schlendern wir durch die dürftig beleuchtete Gasse. In den Pavillons wird fleißig gebrutzelt. Nach 50 Metern endet der Markt, und nach weiteren 50 stehen wir wieder da, wo wir aus dem Bus gestiegen sind. Bei der zweiten Runde kaufen wir uns Lambi- und Garnelenspieße mit ein bisschen Salat, und setzen uns zum Essen an einen schlecht beleuchteten Tisch. Lecker!
Etwas enttäuscht sitzen wir wenig später im Fahrzeug des nächsten Hell Drivers der Linie 5. Diesmal sind nur drei Passagiere an Bord und der Chauffeur gibt alles um die Zeit der Hinfahrt zu unterbieten. Jetzt sind wir gefordert uns gut festzuhalten. Es scheint unser Glückstag zu sein, wir erreichen St. Georges unbeschadet.
Samstag, 23.12.2017 sonnig und warm, Regenschauer
07:45 verlassen wir unseren Ankerplatz und fahren an Grenadas Westküste nach Norden. Wir nehmen direkten Kurs auf Carriacou, also immer genau gegen den Wind. In der Durchfahrt zwischen den beiden Inseln setzt ein starker Strom aus Ost ein. Wir steuern 90° um 49° zu fahren. Um 15:30 fällt unser Anker nach 31 nm in der Tyrrel Bay. Mascha und Jens von der Electra, wir haben uns bereits in St. Davids Harbour kennengelernt, kommen uns zur Begrüßung mit dem Dinghi entgegen. Abends fahren wir zum gemeinsamen Pizza essen ins Lazy Turtle Restaurant.
Sonntag, 24.12.2017
Allen, die unsere Reise hier verfolgen, wünschen wir ein glückliches Weihnachtsfest.
Vormittags schaut ein Herr von Grenada Marine vorbei und fragt, ob wir Dienstleistungen der Werft benötigen. An einem Mastbeschlag wollen wir vier Nieten erneuert haben und er vespricht, uns einen Rigger zu schicken. Es vergeht zwar einige Zeit, aber irgendwann erscheint Louis. „Drei US$ pro Stück“, lautet sein Angebot, das wir gerne annehmen. „Ich schicke einen Monteur“. Mehr passiert erst mal nicht.
Donnerstag, 14.12.2017 sonnig und warm, Regenschauer
Auf Nachfrage erscheint am späten Vormittag der Monteur der Werft und erneuert die Nieten. Die Rechnung erhalten wir später per Email: 47,– € (4 x 3 US$ = ?) Für die Nacht ankern wir in der Bucht.
Freitag, 15.12.2017 sonnig und warm, Regenschauer
Um 11:00 lichten wir den Anker und segeln zur 5 nm entfernten Woburn Bay. Hier gibt es in der Wistle Cove Marina beim Metzger „Meet and Meat“ , laut Revierführer, das beste Fleisch der Insel. Wir haben zwar immer noch kein Geld, aber vielleicht gibt es ja dort auch einen Geldautomaten. 12:20 ankern wir vor dem Hafen und setzen mit dem Dinghi über. Wir finden eine kleine Marina mit einer hübschen, gut besuchten Bar und einem winzigen Laden. Geld bekommen wir nicht, aber wir können unseren kleinen Einkauf mit Karte bezahlen. Internet ist für eine Stunde kostenlos, funktioniert aber gerade nicht. André, ein netter, allein segelnder Pole empfiehlt uns eine andere Karibik-Bar, etwas tiefer in der Bucht, wegen des sehr guten WiFi. Wir bringen unsere Beute an Bord und bereiten ein Mittagessen mit Schweinekottelets und grünem Salat zu. Köstlich!
Nach dem Essen steigen wir wieder ins Beiboot und fahren zu der empfohlenen Bar.
Nimrod’s Rum Shack ist eine kleine Hütte am Straßenrand, mit „Biergarten“. Einige der Gäste scheinen schon länger zu feiern und zwei Franzosen unterhalten musikalisch mit Akkordeon und Saxophon. Hier treffen wir auch André wieder. Wir unterhalten uns u. a. über unser Geldproblem. Er leiht uns 10,00 EC$ und mit dem nächsten Minibus der Linie 2 sind wir unterwegs nach St. Georges, der Hauptstadt von Grenada. Die kleinen 12-sitzigen Busse stellen den öffentlichen Nahverkehr auf der Insel. Eine Fahrt kostet 2,50 EC$ (knapp 1 US$), egal wie weit man fährt. Den Wunsch auszusteigen äußert man durch Klopfen aufs Fahrzeugdach (Die Fenster sind meistens offen). Unterwegs wird man von lauter „Musik“ mit kräftigen Bässen „unterhalten“. In St. Georges befindet sich ein Busbahnhof, wo wahrscheinlich alle Linien zusammentreffen.
Wir versorgen uns mit Bargeld und gehen, vorbei am Cruiser-Kai, durch die belebten Straßen zum Markt.
Ob das wirklich der Eingang zu Polizei-Kantine ist?
Gleich am ersten Stand erstehe ich einen Beutel Muskatnüsse, als Mitbringsel für die Familie. In einer Markthalle finde ich dann auch noch diese herrlich scharfe Chilisoße, die im Strandrestaurant zum Essen gereicht wurde. Auch davon kaufe ich eine große und eine kleine Flasche. Damit ist mein Souvenir-Einkauf schon beim ersten Stadtbesuch erledigt. Toll. Auf dem Weg zum Busbahnhof kommen wir noch an einem Supermarkt vorbei. Auch da müssen wir rein, vielleicht finden wir ja weitere interessante Angebote.
Wir kaufen nichts, stellen nur fest, dass es die tolle Chilisoße auch hier gibt, genau zum halben Preis! Vom Busbahnhof fahren wir mit der Linie 2 zurück zu Nimrod’s Rum Bar. André ist noch dort, also zahlen wir gleich unsere Schulden und nehmen noch einen Drink zusammen.
Samstag, 16.12.2017 sonnig und warm, Regenschauer
Nach dem Frühstück fährt Günter mit dem Dinghi zu Nimrod’s um via Internet zu arbeiten. Nachmittags wandern wir ein paar Kilometer die Landstraße entlang, einfach um der Bewegung willen. Ein Regenschauer, wie sie hier mehrmals täglich nieder gehen, bringt unterwegs eine willkommene Erfrischung.
An einem Grill am Straßenrand kaufen wir köstliche Hähnchenkeulen, die wir an Ort und Stelle verspeisen. Auf dem Rückweg gibt’s noch ein Bier bei Nimrod’s. Um 18:30 sind wir zurück an Bord.
Hier wird es bereits um 18:00 dunkel, deshalb sind wir meistens früh im Bett, allerdings treffen wir uns auch morgens um 07:00 zum Kaffee im Cockpit. Dann brennt die Sonne schon vom Himmel, wenn nicht gerade wieder ein Schauer niedergeht.
Sonntag, 17.12.2017 sonnig und warm, Regenschauer
10:30 gehen wir Anker auf. Wir runden das Südwest Kap von Grenada und ankern um 13:30 nahe der Hauptstadt St. Georges. Ich nehme das Dinghi und erkunde die Landungsmöglichkeiten und WiFi-Angebote. Beiläufig lerne ich auch die Bierpreise kennen. Günter schwimmt zum Strand, ist aber entsetzt über die Verschmutzung.
Montag, 18.12.2017 sonnig und warm, Regenschauer
Nach dem Frühstück setzen wir nach St. Georges über. Beim Stadtrundgang besuchen wir das herrlich klimatisierte Schokoladenmuseum, gehen noch mal über den Markt und kaufen eine Hand voll Äpfel. Wir fahren zum Grenada Yachtclub. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Mega-Yachten die gegenüber in der Port-Louis-Marina liegen. Das WiFi arbeitet allerdings nicht besonders gut. Bei Budget Marine suchen wir nach einem neuen Druckminderer für unseren Gasherd. Ich habe zwar vor Reisebeginn erst einen neuen verbaut, aber seit einigen Tagen brennen die Flammen etwas zu schwach. Leider führt man hier nur Teile für amerikanische Systeme. Auf dem Rückweg zum Boot legen wir noch kurz bei Foodland an und kaufen ein paar frische Lebensmittel.
Dienstag, 19.12.2017
Günter geht zum Fischmarkt und kauft fürs Abendessen zwei Thunfisch-Kottelets, ich besorge frischen Salat. Wir wollen, bevor wir Grenada verlassen, den „Fish-Friday“ besuchen, der wöchentlich in Gouyave stattfindet, deshalb ziehen wir mittags der Anker an Bord und segeln nach Gouyave, um dort die Liegemöglichkeiten auszuloten. Einen Ankerplatz finden wir zwar, aber das Landen mit dem Dinghi an der hohen Betonpier erscheint mir bei dem herrschenden Wellengang recht abenteuerlich. Wir fahren zurück nach Süden. Unterwegs statten wir der Draggon Bay noch einen Besuch ab. In der schönen Strandbar gönnen wir uns ein Bier und bekommen etwas von der lautstarken Kinder-Weihnachtsfeier mit, die am Strand stattfindet. Lucky rollt derweil in der Dünung. Kein schöner Platz für die Nacht. Also fahren wir wieder nach St. Georges.
Mittwoch, 20.12.2017
Die Thunfisch-Kottelets waren lecker, heute lassen wir uns auf dem Fischmarkt einen kleinen Thun filetieren.
Ich erkundige mich in der Zwischenzeit nach der Busverbindung nach Gouyave. Es Scheint kein Problem zu sein, zum Fish-Friday zu kommen. Danach machen wir einen Ausflug zur Grand Anse, dem größten Strand von Grenada. Hier gibt es auch eine größere Shoppingmall, die wir natürlich besichtigen und wieder einen Regenschauer.
Zurück an Bord, wird die erste Hälfte des Fisches gewürfelt, mit Limettensaft gebeizt und dann mit Knoblauch, Zwiebeln, Pfeffer und Salz gewürzt. Lecker!
Die zweite Hälfte kommt abends unter die Nudeln. Auch jut.
Um 17:45 verlassen wir die Marina Mindelo. Von den Kapverden sind es nur noch 2.200 nm bis Grenada, welches wir für unsere Ankunft in der Karibik ausgewählt haben. Mit etwas Glück sollten wir die in drei Wochen schaffen. Wir fahren aus der Bucht und setzen die Segel. Zwischen den Inseln ist der Wind noch sehr wechselhaft, aber wir segeln. Leider hat der Spaß bereits um 22:00 ein Ende und wir stehen wieder ohne Wind südlich der Ilha de Santo Antao. Unser voller Dieseltank macht uns die Entscheidung leicht, die Fahrt für ein paar Stunden unter Maschine fortzusetzen.
Montag, 27.11.2017 bedeckt
Tatsächlich kehrt der Wind um kurz vor 04:00 zurück. Wir lassen uns zunächst nur von der Genua ziehen, aber um 11:30 setzen wir auch das Großsegel. Mit 6,5 kn halten wir auf unser Ziel zu.
12:30 Günter bringt die Schleppangel mit Godzila aus.
14:00 Position 16° 42,377‘ N, 026° 40,632‘ W In den letzten 20 Stunden 98 nm zurückgelegt.
16:15 Wir bergen das Groß. Auch Godzila wird jeden Abend von Günter für die Nacht liebevoll an Bord geholt.
Dienstag, 28.11.2017
10:00 Großsegel gesetzt. Bei mäßigem Wind (15 – 18 kn) aus NE zeigt sich zum ersten Mal wieder die Sonne. 6 kn Fahrt. Batterieladung 80 %.
14:00 Position 16° 37,782‘ N, 029° 06,808‘ W Etmal: 140 nm (Etmal: Die Strecke, die wir in 24 Stunden zurückgelegt haben.)
17:00 Es frischt auf (17 – 23 kn). Zum Essen reffen wir die Segel. Die Sonne scheint, die Wellen werden höher.
18:00 Wir bergen das Großsegel.
Mittwoch, 29.11.2017 sonnig
10:00 Es ist wieder ruhiger. Wir drehen vor den Wind (230°) und setzen den Blister an Steuerbord. Die Genua steht weiter an Backbord. Der Autopilot steuert jetzt wieder nach der Windfahne.
14:00 Position 16° 30,882‘ N, 031° 23,307‘ W Etmal: 132 nm
Diese Passatbesegelung blieb erst mal für drei Tage stehen
14:00 Position 15° 22,798‘ N, 033° 21,442‘ W Etmal: 127 nm
Seit heute müssen wir die Batterien wieder täglich mit der Maschine nachladen. Die Solarzellen liefern zwar tagsüber genügend Strom für Kühlschrank, Navigation und Autopilot, aber auch hier scheint nachts keine Sonne. Der Windgenerator leistet erst bei erheblich stärkerem Wind einen Beitrag.
Deshalb bringen wir heute Nachmittag einige Stunden mit der Suche nach dem Fehler in der Batterieladetechnik zu. Wir lösen alle Kabel des externen Ladereglers, führen verschiedene Messungen durch, schließen alles neu an und messen wieder. Einen Fehler können wir in der Installation nicht finden, aber das Gerät erhöht den Ladestrom nach wie vor nicht. Im Gegenteil: Die Lichtmaschine lädt im serienmäßigen Zustand kräftiger.
Freitag, 01.12.2017
14:00 Position 14° 50,984‘ N, 035° 25,188‘ W Etmal: 123 nm
Kurs 248° 5,5 – 6 kn
Samstag, 02.12.2017
00:00 Wegen auffrischenden Windes bergen wir den Blister für die Nacht und segeln nur unter Genua, die wir auch jeweils alleine der Windstärke anpassen können, aber bereits um 08:00 stehen wieder beide Segel.
14:00 Position 14° 08,620‘ N, 037° 35,764‘ W Etmal: 134 nm
Kurs 254° 6,2 kn
Sonntag, 03.12.2017
14:00 Position 13° 10,534‘ N, 039° 57,556‘ W Etmal: 149 nm
Mit neuen Ideen arbeiten wir auch heute wieder drei Stunden am Ladesystem. Wir haben ja Zeit.
16:00 Bergen die Genua und setzen den Blister an Backbord.
20:00 Blister geborgen und Genua ausgebaumt. Gute Entscheidung, denn nachts gibt es wieder viel Wind.
Montag, 04.12.2017
14:00 Position 12° 57,020‘ N, 042° 23,383‘ W Etmal: 143 nm
Heute haben wir erheblich mehr Wellen und rollen stark um die Längsachse.
Ein neuer Geistesblitz lässt uns wieder zur Ladefehlersuche zurückkehren. Nach vielen Messungen und Versuchen, u. a. mit einem separat installierten Kabel, kommen wir zu folgenden Ergebnis: Das Ladegerät gibt so lange kräftigen Ladestrom ab, bis man eine Batterie anschließt, dann nicht mehr. „Tolle Wurst.“ Wir entfernen es endgültig aus unserem Stromkreis.
Dienstag, 05.12.2017
Das Schiff schaukelt und bockt fürchterlich in den Wellen, aber der Wind ist gut.
14:00 Position 12° 42,507‘ N, 044° 55,678‘ W Etmal: 149 nm
Mittwoch, 06.12.2017
Die See beruhigt sich.
09:45 Fischalarm! Godzila hat eine Goldmakrele (Mahi Mahi) von knapp 85 cm am Haken. Günter holt sie sicher an Bord und wir machen ihr den Garaus. Anschließend schneiden wir sauber die Filets heraus und teilen das Fleisch auf: Zwei ausgewachsene Portionen zum Braten und eine etwas kleinere, die wir mit Limettensaft beizen, würzen und mittags als Snack roh verzehren.
Diese Art der Zubereitung ist neu für uns, aber das Ergebnis schmeckt köstlich.
14:00 Position 12° 22,037‘ N, 047° 21,695‘ W Etmal: 144 nm
Das Dreamtean von der Angel
19:00 Wir setzen das Großsegel. Der Wind hat etwas nachgelassen.
Donnerstag, 07.12.2017
12:00 Segelwechsel: Nur Blister
14:00 Position 12° 09,829‘ N, 049° 47,789‘ W Etmal: 143 nm
14:30 Nachdem wir den Blister geborgen haben, setzen wir den Spinnaker. Ich habe dieses riesige Ballonsegel bisher noch nicht aus dem Sack geholt, kenne nicht mal die Farbe. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit falsch verlegten Schoten und flatterndem Tuch werde ich schnell nervös und bin bereit den Versuch abzubrechen. Günter lässt nicht locker, und so tüfteln wir lange, bis das Segel endlich sauber vor uns steht. Wir sind von der Leistung des Spis sehr beeindruckt. 15 – 18 kn Wind werden in 8 kn Fahrt umgesetzt. Selbst als der Wind nachlässt, bleiben bei 10 – 12 kn immer noch 5 kn Fahrt über.
23:50 Für die Nacht tauschen wir Spi gegen Genua, auch weil es wieder aufbrist.
Freitag, 08.12.2017
14:00 Position 12° 03,700‘ N, 052° 15,157‘ W Etmal: 144 nm
16:30 Genua eingerollt, Blister gesetzt.
20:00 Blister geborgen, Genua ausgerollt.
Samstag, 09.12.2017
09:00 Viel, viel Wind. Bis 33 kn! Günter refft die Genua mehrfach.
14:00 Position 12° 00,784‘ N, 054° 42,943‘ W Etmal: 145 nm
14:00 Position 12° 22,108‘ N, 057° 08,836‘ W Etmal: 143 nm
20:00 Noch weht der Wind gleichmäßig. Da Lothar uns schon auf die bevorstehende Schwachwindphase hingewiesen hat, lassen wir den Spi auch in der Nacht stehen.
Montag, 11.12.2017
05:30 Der Wind nimmt weiter ab (Wie wir). Spi verhilft uns noch zu 4 kn Fahrt.
12:20 2,5 – 3 kn Fahrt.
13:15 2 kn (jetzt könnten wieder die Fußgänger überholen.) Wir nehmen das Segel runter und starten den Diesel. Unser Kraftstoff reicht locker aus, das 140 nm entfernte Ziel mit Motorkraft zu erreichen.
14:00 Position 11° 58,885‘ N, 059° 18,457‘ Etmal: 127 nm
Am Nachmittag duschen wir gründlich mit viel Salzwasser. Ein herrliches Vergnügen, zumal wir genug Süßwasser haben um das Salz hinterher gut abzuspülen.
Dienstag, 12.12.2017 Landfall!
Um 14:45 legen wir in der Bucht St. David’s Harbour am Steg der Grenada Marine an. Nach 2.198 nm und knapp 16 Tagen auf See, betreten wir auf Grenada wieder festen Boden. Hier ist es 10:45, fünf Stunden Differenz zur MEZ. Nach einem kurzen Vorstellen im Hafenbüro gehen wir erst mal zum Einklarieren ins Customs & Immigration Office. Wir müssen nur ein Formular ausfüllen. Der Officer ergänzt, was ich ohne Brille nicht ausfüllen konnte, stempelt alle Durchschläge und reicht sie an seinen Kollegen am anderen Schreibtisch weiter. Der Kollege füllt umständlich zwei Quittungen aus und bittet mich um 58,00 EC$. Ok, 52,00 habe ich tatsächlich noch von meinem Aufenthalt in 2015, aber das reicht nicht. Zahlen per Karte geht nicht. Geldautomaten? Gibt es auf diesem Gelände nicht. Euro? Nein, aber der Laden nebenan tauscht. Ich gehe mit meinem 20,00 €-Schein zur netten Bar nebenan. Fehlanzeige. Der Laden gegenüber. Die Eingänge aller angesprochenen Lokalitäten sind keine zehn Meter voneinander entfernt. Ich betrete eine Art unaufgeräumtes Büro mit zwei Schreibtischen. Hinter dem rechten finden sich in einem Regal ein paar Pakete Nudeln, verschiedene Sorten Hülsenfrüchte und diverse Spirituosen. Ein Laden also. Auf meine Frage nach dem Geldwechsel ernte ich zunächst ein Kopfschütteln. Ich erkläre die Situation und die beiden Insassen wechseln ein paar Worte. Der Mann tippt in seinen PC und nennt einen Kurs von 30,17. Genau das, hatte ich auch grob überschlagen. Er nimmt meine 20 € und gibt mir 60,00 EC$. Problem gelöst!
Günter hat sich in der Zwischenzeit nett mit den Beamten im Customs Office unterhalten, und wir werden nach dem Bezahlen herzlich verabschiedet.
Jetzt aber zu der netten Strandbar. Zwei Bier und den WiFi Code, bitte. Hier können wir mit Karte bezahlen, ebenso im Hafenbüro. Glücklich unser Etappenziel erreicht zu haben, melden wir uns per WhatsApp in der Heimat. Danach füllen wir Wasser und Diesel auf und waschen Salz und Schmutz vom Deck. Aus Bequemlichkeit bleiben wir über Nacht am Steg liegen, obwohl wir auch dafür bezahlen müssen. Ausnahmsweise.
Nach der Arbeit gehen wir, um unsere Ankunft zu feiern, zum Essen wieder in die nette Strandbar. Spontan entscheiden wir uns beide für die Schweinkottelets, aber damit wir nicht dasselbe essen, bestellte ich Ribs. Der Kellner kommt nach einer Viertelstunde zurück, mit der Nachricht: Kottelet ist aus. Günter bestellt ein 300 g Steak, obwohl er sehr skeptisch ist, was die Fähigkeit der Küche betrifft, ein Steak zu grillen.
Günters Fleisch ist zu seiner Überraschung recht gut, meine Baby Back Ribs machen ihrem Namen alle Ehre. Lecker, wäre aber zuhause, selbst als Kinderportion, viel zu wenig gewesen.
Die Nacht bleibt absolut windstill. Die Luft steht. Die Temperatur sinkt nicht unter 30°C.
Wir wollen weiter. Unsere anfängliche Begeisterung für Mindelo hat sich schnell gelegt. Es ist zwar alles billig, aber das Angebot an Waren und gutem Essen ist knapp. Es gibt scheinbar viel Armut, immer wieder wird um Geld gebettelt. Den Besuch der „schönen Ecken“ der Kapverden haben wir uns auch gespart. Eine wunderschöne Bucht soll im Süden, knapp 130 nm entfernt liegen. Das ist für uns eine 24 Stunden Reise. Ohne Wind hätten wir unseren gerade erworbenen Tankinhalt auf Hin- und Rückfahrt wieder verbraucht. Wir müssten auf jeden Fall zurück nach Mindelo, denn nur hier gibt es eine Marina, wo wir unsere Diesel- und Wasserbestände bequem auffüllen können. Heute oder Morgen soll passender Wind einsetzen. Wir sind startklar.