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Ankunft bei Sandy Hook

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Die Windböen sind ausgeblieben. Es wehte gleichmäßig die Nacht durch. Gegen Morgen flaute es etwas ab und um 09:00 starten wir erneut die Maschine, diesmal aber aus Windmangel. Ab Mittag arbeitet der Diesel mit der Genua zusammen. Das macht uns schnell genug, um mit einer Ankunft bei Sandy Hook noch heute zu rechnen.

Die Rechnung geht auf. Um 23:53 fällt der Anker westlich der Halbinsel vor New York. Wenig später fallen wir in den verdienten Schlaf.

Den Elizabeth River hinunter

Nach tagelangem Nord soll der Wind ab heute für zwei Tage aus Süden kommen.  Um 05:20 machen wir die Leinen los und fahren mit der Ebbe den Elizabeth River hinunter. Vier Stunden später setzen wir im Atlantik endlich wieder die Segel. Der versprochene Wind bläst zuerst mäßig aus Südost, dreht aber bald auf Süd und verstärkt sich. Am Nachmittag haben wir mehr als 20 kn und sind mit 7 kn  Fahrt nur unter Genua flott unterwegs. Später drehen wir ein Reff ins Vorsegel, um dem Autopiloten seine Arbeit leichter zu machen. Für die Nacht sind Böen bis 32 kn angesagt.

Da der Wind von hinter kommt bringt der Windgenerator wieder nicht genug Energie, um den Stromverbrauch auszugleichen, also lassen wir den Motor von 23:00 bis 02:00 im Leerlauf Strom erzeugen.

Portsmouth

Nordwind unterschiedlicher Stärke hält uns ein paar Tage in Norfolk bzw. Portsmouth fest. Zuerst erkunden wir Norfolk, eine Stadt mit vielen Lokalen, einer Mall im Zentrum und dem Chrysler Museum für Kunst. Besonders die älteren Häuser im historischen Bezirk gefallen uns gut. Rund um den Hafen laufen die Vorbereitungen für das große Hafenfest.

Nach zwei Tagen müssen wir die Marina wegen des bevorstehenden Festes verlassen und verholen jetzt doch zu einem kostenlosen Platz in Portsmouth. Hier liegen wir hinter zwei anderen deutschen Schiffen: „Brösel“ mit Sabine und Thomas, den wir in Beaufort kennengelernt haben und „Nilio“ mit Nili und Julio, von denen ich in Portugal mein Schiff gekauft habe. Die Welt ist ein Dorf!

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Portsmouth liegt am anderen Ufer des Elisabeth River gegen über von Norfolk. Eine Fußgänger Fähre verkehrt halbstündlich zwischen den Städten. In Portsmouth ist an diesem Wochenende ein Musikfest.

Deep Creek Schleuse

Um 10:05 setzen wir unsere Fahrt fort. Der Kanal wird noch ein bisschen schmalen, aber entgegen den dramatischen Schilderungen anderer Segler gelingt es uns zwei entgegenkommende Fahrzeuge problemlos zu passieren.

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Nach zwei Stunden Fahrt beginnt es wolkenbruchartig zu regnen. Wäre der Kanal hier nicht schnurgerade, hätte ich sicher aufgrund der Sichtbeeinträchtigung  Mühe gehabt, dem Verlauf  zu folgen.

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Um 13:15 kommen wir bei der kleinen Hebebrücke vor der Deep Creek Schleuse an, die wenige Meilen vor Norfolk den  Kanals beendet.  Vor der Brücke gibt es an Steuerbord eine etwa 20m lange Mauer mir Klampen, an der bereits ein Norwegisches Ehepaar mit ihrem Segler festgemacht hat. Wir legen uns längsseits und erwarten die Öffnung um 13:30, als der Schleusenwärter uns über Funk vor einem angekündigten Squal (kleines Tiefdruckgebiet mit starken Regen und Wind in Sturmstärke) warnt. Er schlägt vor, wir sollten bleiben wo wir sind, den Sturm abwarten und er öffnet die Schleuse danach für uns außerplanmäßig. Sehr freundlich! Wir stimmen zu und sichern die Boote mit jeder Menge Leinen und Fendern. Der Regen verstärkt sich wieder aber der Wind bleibt schwach.

Nach einer Stunde meldet sich der Schleusenwärter wieder und erklärt, wenn wir die Brücke in Norfolk noch vor der Schließung zur Rush-Hour passieren wollten, müssten wir jetzt schleusen und  los, oder wir könnten auch die Nacht hier verbringen.

Die Norweger entscheiden sich für die Weiterfahrt, wir schließen uns an. Es regnet nicht mehr viel, aber drohende Wolken kündigen Nachschub an. In der Schleuse bekommen wir wieder Tipps für Liegeplätze in Portsmouth und auch die letzte bewegliche Brücke vor der Stadt schaffen wir noch vor der Schließung.

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Leider steht an den empfohlenen, kostlosen Liegeplätzen in der Stadt ein großes Schild „No overnight docking“. Also gehen wir doch, wie ursprünglich geplant in die Waterside Marina im Zentrum von Norfolk.

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Hier machen wir um kurz vor 17:00 fest. Es hat aufgehört zu regnen, von Starkwind keine Spur.

Pasquotank River

09:20 fahren wir durch die Klappbrücke und folgen dem Pasquotank River, der jetzt immer schmaler wird und in stetig enger werdenden Windungen verläuft.

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12:20 erreichen wir die South Mills Schleuse, die um 13:30 öffnet und uns ca. zwei Meter auf das Niveau des Kanals anhebt.

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Danach sind es nur noch 5 Meilen bis zum Dismal Swamp Canal Visitor Center. Hier machen wir am frühen Nachmittag für die Nacht fest.

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Elizabeth City

08:10 legen wir ab. Ich war schon früh auf, weil ich von Stechmücken belästigt wurde, die irgendwie den Weg in unser Moskitonetz gefunden hatten. Wir wollen heute versuchen, einen der kostenlosen Liegeplätze im Zentrum von Elizabeth City zu ergattern. Bis dorthin sind es knapp 30 nm und es ist Wochenende. Eigentlich hätte es ein super Segel Tag werden können, aber da es fast windstill ist, Motoren wir zuerst ein Stück auf dem Alligator River und dann auf dem Albemarle Sound über weites, spiegelglattes Wasser geradewegs dem Ziel entgegen. Als wir um 13:00 ankommen sind nur zwei von den acht freien, im Herzen der „Stadt“ gelegenen Liegeplätzen belegt.

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Von unseren jungen Schweizer Nachbarn erhalten wir die Zugangscodes zu den Toiletten und Duschen und erfahren, dass das Liegen hier ab Mittag bis ca. 20:00 sehr unruhig ist. Tatsächlich zerrt Lucky wie verrückt an den Festmachern und wir sind froh das Schiff für einen langen Spaziergang verlassen zu können. Auch hier finden wir sehr viel schöne Architektur, allerdings sind die meisten Häuser in keinem guten Zustand.

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Wir finden wieder ein Billard-Cafe und spielen eine Runde.

Abends besuchen wir das Lokal neben unserem Schiff, wo es zum ordentlichen Essen gute Life-Musik gibt.

Sonntag, 31. Mai 2015 

Wir beschließen noch einem Tag zu bleiben und fahren am Nachmittag mit unseren Nachbarn zu Walmart. Abends sitzen wir noch auf ein paar Drinks zusammen.

Alligator River

09:05 Abfahrt Neben den weiten Flächen durchfahren wir heute sehr lange schnurgerade Kanalabschnitte.

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Um 17:00 erreichen die Drehbrücke im Alligator River. Direkt dahinter liegt eine kleine Marina in der wir tanken und für die Nacht festmachen. Zum ersten Mal auf unserer Reise treffe ich bei der Anmeldung auf eine unfreundliche Dame. Die eigentlich sehr schönen geräumigen Bäder sind offensichtlich seit Ewigkeiten nicht gereinigt worden. Schade drum.   . . . aber das Wifi arbeitet hervorragend!

Belhaven Waterway Marina

Wir haben wirklich in Betracht gezogen zu bleiben, die Häuser sehen so schön aus, die Menschen sind alle freundlich, aber dann kommen wir ja nie in New York an. Also sagen wir früh im Büro Bescheid, dass unsere Arbeit getan ist und wir so bald wir möglich zurück ins Wasser wollen. Unsere Leistung wird allgemein anerkannt und um kurz vor 09:00 hängt Lucky wieder in den Gurten.

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09:10 verlassen wir das Hafenbecken und fahren vorsichtig zwischen den Tonnen zum ICW, der hier durch die breite offene Wasserfläche führt. Dank der Hinweise von Rita bleiben wir in diese Richtung nur einmal stecken und kommen auch wieder frei. Heute wechseln sich schmale Kanalabschnitte (100m breit) mit großen Flächen (20nm) ab. Um 14:00 Uhr haben wir soviel Platz und passenden Wind, das wir 2 ½ Stunden segeln können. Herrlich!

Um 16:30 legen wir in der Belhaven Waterway Marina an.  Ein freundliches Hafenmeisterpaar nimmt die Leinen an und begrüßt uns. Wieder nicht billig, aber mit liebevoll eingerichteten Waschräumen mit Handtüchern.

Die Marina liegt im Zentrum des sehr kleinen Ortes. Nach dem Festmacher und dem obligatorischen „Ankerbier“ wandern wir los. Der Ort ist wirklich sehr übersichtlich, aber durch den Eintritt in eine Billard-Kneipe haben wir plötzlich das Gefühl auf einer Zeitreise in den 70ern gelandet zu sein. Drei Billardtische, ein Flipper eine kleine Bar und eine riesen Musikbox. Die Luft ist schwer vom Zigarettenqualm. Natürlich setzen wir uns auf einen Drink an die Bar und Andrea genießt die „neue“ Freiheit des Indoor-Rauchens. Die Musik passt, alles alt, von Rock bis Country.

Irgendwann stellt sich Jeff zu uns, der Inhaber der Bar, selbst Segler,  fragt nach dem „woher wohin“ und hat wieder einige Tipps für unsere Weiterreise.

Später gehen wir selbst zu einem freien Billardtisch und machen zwei Spiele. Aufgrund unseres „Könnens“ haben wir lange Spaß für zwei Dollar.

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Schiffs Reinigung

Bei der Einfahrt zu der kleinen Werft bleiben wir gleich dreimal im weichen Schlick stecken, mitten im betonnten Fahrwasser, kommen aber immer wieder frei. Trotzdem hängt Lucky um kurz vor elf in den Gurten. Wir melden uns bei Rita im Büro, auch eine deutsche, die seit 22 Jahren hier lebt. Sie zeigt uns die Sanitäranlagen, den Aufenthaltsraum und wo die Schlüssel für den Dodge Durango liegen, den wir zum Einkaufen und so benutzen dürfen. Wir sollen nur den verfahrenen Sprit auffüllen. Auch für die abendliche Unterhaltung hat sie einen Tipp.

Ich glaube meinen Augen nicht zu trauen, als ich das beinahe saubere Unterwasserschiff sehe. Wo ist unser „prächtiger“  Bewuchs geblieben. Scheinbar ist vieles schon durch den hohen Süßwasseranteil im Intracoastal verschwunden, den Rest erledigt jetzt der Hochdruckreiniger. Für uns bleiben später noch ein paarhundert Seepocken, die wir vor dem Anstrich entfernen.

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Ziemliche Drecksarbeit, schwarzer Staub hält gut auf unserer nassgeschwitzten Haut.

Dummerweise reicht eine Gallone Antifouling für den neuen Anstrich nicht ganz aus, aber von dem Farbton ist nicht mehr am Lager, und kleine Dosen gibt es sowieso nicht. Also wird Lucky beim nächsten Mal auf zwei Quadratmetern etwas mehr Bewuchs haben. Was soll‘s.

Nach der Arbeit setzen wir uns erst mal auf unser aufgebocktes Schiff und frühstücken. Das hatten wir irgendwie vergessen. Dann wird intensiv geduscht und entspannt, d. h. ich schreibe diesen blöden Bericht. Es ist 19:00 Uhr.

Idealerweise dürfen wir hier auch auf dem Schiff wohnen. Morgen gehen wir vielleicht wieder ins Wasser, oder wir bleiben einfach auch hier!

Abends laufen wir Ritas Empfehlung folgend zum Restaurant „Silos“. Hier ist heute „Open Mike“, d.h. wer musizieren kann, darf auf die Bühne. Die dargebotene Country-Music kann sich durchaus hören lassen. Dazu genießen wir Bier vom Fass, Salat und eine ausgezeichnete Pizza. Beim Verlassen des Lokals werden wir noch eingeladen, am Freitag ins „Red Rooster“ zu einer ähnlichen Veranstaltung zu kommen. Ein toller Abend!

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Beaufort

Gegen 08:00 erreichen wir das Fahrwasser nach Beaufort. Luckys Leistung hoch am schwachen Wind lässt mich b. a. w. von der Behandlung des Unterwasserschiffes absehen. Bei der Einfahrt winkt uns die Besatzung einer 44er Jeaneau mit deutscher Flagge freundlich zu. Um kurz vor 09:00 legen wir in der Marina Beaufort Docks an. Diese ist zwar nicht ganz billig, aber wir erhalten zwei Wertmarken für ein Bier vom Fass im angeschlossenen Restaurant und dürfen zum Einkaufen einen der Marina eigenen Kombis benutzen.

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Lucky liegt in der Marina, direkt am Stadtufer mit seinen kleinen Geschäften und Restaurants.

Kaum festgemacht begrüßt uns Thomas, der Eigner der Jeaneau, schon am Steg. Er ist mit seiner Frau Sabine bereits seit mehr als zwei Jahren unterwegs, Ihre dreijährige Auszeit endet bald. Wir unterhalten uns über unsere Reisen, erhalten wieder ein paar Tipps für die Weiterfahrt und dann will er von netten Bekanntschaften unterwegs erzählen und beginnt mit Nili und Julio einem sehr netten Pärchen, dass ebenfalls unter deutscher Flagge mit ihrem Katamaran Richtung New York reist. Von diesem netten Paar habe ich mein Schiff gekauft!  Wie klein die Welt ist. Thomas verspricht, die beiden bei nächster Gelegenheit von mir zu grüßen.

Hinter der Geschäftsstraße schließt sich sofort die entzückende Wohngegend der alten Stadt an.

Dienstag, 26. Mai 2015    08:35 legen wir wieder ab. Eigentlich wollten wir heute mal weiter kommen, aber als wir uns mittags Oriental näheren, frage ich beim dortigen Yachtservice doch mal nach einer Kran- und Arbeitsmöglichkeit. Wir werden uns schnell einig und verabreden einen Krantermin für den nächsten Morgen 10:30. Für heute legen wir uns in die Oriental Marina, auch nicht billig, aber wieder mir Pool.

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Mit dem Fahrrad vom Chef fahre ich zur Werft, um noch Einzelheiten zu klären. Nachmittags kommen verschiedene, immer sehr nette Bewohner des Ortes an unser Schiff. Die deutsche Flagge fällt auf. Einige sind selbst vor vielen Jahren aus Deutschland gekommen und geblieben, andere sind auch Segler, und wieder bekommen wir gute Tipps.  Oriental ist die Hauptstadt des Segelsports von North Carolina, 800 Einwohner – 3.000 Boote.

Angeblich sind hier auch schon viele Weltumsegler am Ende ihrer Reise  hängen geblieben. Nach einem Spaziergang durch den kleinen Ort können wir uns das gut vorstellen.

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Hier wurde Pleasantville oder die Truman Show gedreht – bestimmt! Den Scheinwerfer haben wir noch nicht gefunden.