Von Arrecife nach Santa Cruz de Tenerife

Dienstag, 26.09.2017             bedeckt, warm

Sehr früh mache ich mich auf den Weg und lasse unsere große Gasflasche füllen. Danach hole ich frisches Obst und andere Kleinigkeiten, während Günter noch kleine Reparaturen vollendet und wieder Deck und Cockpit schrubbt. Der gelbe Staub lässt sich nicht einfach abspülen. Gegen Mittag checken wir aus.

Um 13:10 legen wir ab. Noch im Hafen setzen wir die Segel und fahren raus aufs Meer. Ungefähr eine Stunde schleichen wir bei äußerst schwachem Wind nach Süden. Dann bergen wir Großsegel und Genua und versuchen den letzten Windhauch mit dem Gennaker einzufangen.P1060887 Um 15:00 packen wir das Leichtwindsegel wieder ein. Zu mehr als 2,1 kn konnte es uns auch nicht verhelfen. Wir starten die Maschine und erreichen um 17:10 die nach Süden offene Bucht vor dem Playa de las Mujeres im Süden von Lanzarote. Hier ankern wir auf 6,5 m klarem Wasser über Sandgrund.

Wir haben großen Hunger. Eine halbe Stunde nach dem Ankern stehen die Spaghetti auf dem Tisch. Dank der telefonischen Beratung aus Deutschland wird der Tintenfisch heute viel zarter. Danke!

Mittwoch, 27.09.2017                   sonnig

Nach einer ruhigen Nacht, können wir am Morgen sogar unseren Anker am Grund sehen. Günter geht schon vor dem Frühstück schwimmen.

11:30 Wir gehen Anker auf und nehmen Kurs auf Teneriffa.

11:45 Die Genua wird ausgerollt.

Wir segeln langsam entlang der Südküste Lanzarotes.

13:30 Bei beständigem Nordwind setzten wir das Großsegel dazu.

Es wird ein herrlicher Tag ohne Störungen. Günter findet unterwegs Zeit seinen Kopf zu rasieren. Ich baue eine neue Leselampe im Vorschiff ein. Abends braten wir Fischfilets, dazu gibt es Kartoffeln und Salat. Nach dem Essen segeln wir in eine ruhige Nacht.P1060906

Donnerstag, 28.09.2017               teilweise bedeckt

Um 02:50 verlässt uns der Wind. Günter startet die Maschine und packt die Segel ein. 08:25 Der Wind ist zurück. Ich setze die Segel. Um 10:45 brist es nochmal kräftig auf. Wir nehmen das Großsegel weg und lassen uns auf den letzten Meilen allein von der Genua ziehen. Bei der Annäherung an die Insel, fällt uns eine Vielzahl von Ölbohrinseln auf, die vor der Nord-Ost-Küste von Teneriffa vor Anker liegen.

Um12:10 fahren wir in den Hafen von Santa Cruz ein. Auch hier führt der Weg zur Marina an mächtigen Bohrplattformen vorbei.

Ein bisschen romantischer hatte ich mir Santa Cruz schon vorgestellt, aber die Überfahrt war bisher die angenehmste Strecke, die wir segelnd zurückgelegt haben.

 

Arrecife

 Sonntag, 24.09.2017                      bedeckt

Wir schlafen lange und nutzen die großzügigen Duschen der Marina. Nach dem Frühstück gebe ich mich an den Bericht zur Überfahrt. Günter arbeitet in seinem Büro. Danach machen wir uns auf die Suche nach einer winzigen Undichtigkeit im Vorschiff. Als wäre die Fahrt hierher nicht unangenehm genug gewesen, musste ich alle zwei Stunden die Papiertücher wechseln, mit denen ich die Wassertropfen aufgefangen habe, die in meine Kabine sickerten. Ich entferne die Wandverkleidung der Kabine und beobachte alle Nähte und Spalten in dem Bereich, wo die Tropfen eintraten. Günter lässt mit einem Schlauch von außen Unmengen Wasser übers Deck laufen. Sehr, sehr lange erreicht kein Tropfen den Innenraum und ich bewundere Günters Geduld. Erst als er die Innenwände des Ankerkastens abspritzt, dringt Wasser in die Kabine. Jubel!!! Wir haben die Undichtigkeit lokalisiert. Morgen wird abgedichtet.

Nachmittags experimentieren wir wieder an der Zubereitung von Pulpo. Es entsteht ein schmackhaftes Spaghetti-Gericht, nur die Tintenfischstücke könnten etwas zarter sein. Es wird später Nachmittag, bis wir endlich zu Fuß die Marina verlassen, um uns ein wenig in der Stadt umzusehen. Vielleicht sind wir in die falsche Richtung gelaufen, aber abgesehen von der langen Schlange vor der Kinokasse, kam uns Arrecife ziemlich ausgestorben vor.

Zurück auf dem Marinagelände finden wir ein paar leckere Bier in angenehmer Umgebung.

Montag, 25.09.2017

Ich werde um kurz vor 08:00 vom Regen, der aufs Deck fällt, geweckt und schließe alle offenstehenden Luken. Wir haben hier nicht mit Regen gerechnet. Ein bisschen Süßwasser von oben schadet ja auch nicht. Ärgerlich ist, dass der Regen eine dünne Schicht von feinem, rotbraunem Sand auf unserem sauber geputzten Deck hinterlassen hat.     Machen wir eben alles nochmal.

Zunächst müssen wir aber die gestern beschlossenen Arbeiten erledigen. Der Anker wird samt Kette und Leine auf dem Steg abgelegt, damit Günter im Ankerkasten arbeiten kann. Dann ziehe ich los um die Einkaufsliste abzuarbeiten. Als ich nach 1 ½ Stunden erfolgreich zurückkehre, ist nicht nur meine Kabine dicht, sondern auch diverse andere Arbeiten erledigt. P1060880Wir packen unsere leeren Gasflaschen in die Rucksäcke und machen uns auf den Weg zur Füllstation. Dabei laufen wir ca. eine halbe Stunde und fahren dann noch eine Station mit dem Bus. Leider sind wir um 16:40 zu spät am Ziel, aber Morgen wird ab 07:30 wieder gefüllt.

Zurück nimmt der Bus eine andere Route. Wir bleiben natürlich viel zu lange sitzen, weil wir uns nicht auskennen. Bis wir die Marina erreichen sind wir heute Nachmittag 5,1 km, 9.433 Schritte gelaufen.

An Bord bereiten wir uns ein schmackhaftes Hähnchen-Curry zu.

Frisch gestärkt wechseln wir danach das Öl des hydraulischen Autopiloten.

Die Überfahrt zu den Kanaren

 Mittwoch, 20.09.2017                   sonnig

Wir verbringen den letzten Tag auf Madeira, weil unser Liegeplatz ab Morgen für ein anderes Boot reserviert ist, und es keine gute Liegemöglichkeit in der näheren Umgebung gibt. Ursprünglich wollten wir von hier nach Las Palmas, Gran Canaria segeln, da Günter von dort am 02. Oktober für einen Monat nach Deutschland fliegt. Leider gibt es bis Ende November keine freien Plätze. Der Hafen ist für die Teilnehmer der ARC (Atlantic Rally for Cruisers) reserviert. Wir beschließen in der Zwischenzeit andere Kanarische Inseln zu besuchen. Morgen brechen wir zu einem Ankerplatz südlich der kleinen Insel Graciosa auf.

 

Donnerstag, 21.09.2017                               sonnig

10:00 Wir verlassen den Hafen von Funchal. Es ist fast windstill und warm.

Graciosa liegt nördlich von Lanzarote, nur durch eine schmale Meerenge davon getrennt. Vor uns liegen 270 nm, also ca. 2 Tage Fahrt. Die Windvorhersage droht mit Starkwind aus Nord-Ost. Am ersten Tag sollen die Böen mit 27, am zweiten gar mit bis zu 30 kn einfallen. Wir sind gewarnt, aber wenigstens die Richtung stimmt.

12:00 Wind kommt auf. Wir setzen die Segel und halten Kurs auf unser Ziel. Der Wind nimmt schnell zu. Um 13:15 bergen wir das Großsegel. Die Genua allein reicht aus, uns mit „halbem Wind“ zügig über die ausgesprochen ruppige See zu ziehen. Gegen Abend erreichen die Böen schon 30 kn und der Seegang wird höher Das Cockpit wird immer öfter mit Seewasser geduscht, von Wellen die mit Wucht vor die Bordwand knallen. Die unregelmäßigen, ruckartigen Bewegungen des Schiffes machen kochen am Herd unmöglich. Selbst das zubereiten der chinesischen Nudelsuppen gerät zum Balanceakt. Zu allem Überfluss stellt in der Nacht der Autopilot seine Arbeit wegen Überanstrengung ein.  Hier verspüre ich zum ersten Mal den Wunsch rechts ran zu fahren und den Bus zu nehmen.

Stattdessen übernehmen wir das Ruder, gönnen ihm eine Pause und verkleinern das Vorsegel weiter. Dadurch wird das Steuern leichter, sodass die Automatik wieder übernehmen kann. Der Wachhabende verbringt die Stunden im Ölzeug, jederzeit bereit einzugreifen.

 

Freitag, 22.09.2017                         teilweise bedeckt

Der Wind weht fast unverändert durch. Der langen Nacht folgt ein langer Tag. Morgens sind wir dankbar ein Paket Müsli in den Vorräten zu haben. Fürs Mittagessen haben wir noch ein Brötchen, das wir uns teilen. Bis abends ist uns längst der Appetit vergangen. Nicht mal das Bier schmeckt.

Die folgende Nacht wird ähnlich wie die vergangene, nur sind jetzt die Wellen deutlich höher und der Wind erheblich stärker. Günter liest bei seiner Nachtwache 39 kn als höchste Windgeschwindigkeit ab. Seine Salzwasserdusche, die er abbekommt als er den Schutz der Sprayhood verlässt, um am Steuerstand Kurs und Geschwindigkeit zu überprüfen, beschreibt er: „. . . als hätte man mir einen riesigen Eimer Wasser ins Gesicht geschüttet  . . . und in den Ärmel meines ausgebreiteten Armes“. Eine andere Welle rollt über die ihm gegenüberliegende Sitzbank, und er kann nur die die Füße anheben und zusehen, wie das Wasser durch die Lenzrohre abfließt. Ich habe derweil auf der verbreiterten Salonkoje zwei Stunden erholsamen Schlaf gefunden.

 

Samstag, 23.09.2017                      bedeckt, später sonnig

Den Gedanken an den Ankerplatz haben wir längst gegen den Traum von einer Marina mit Wasseranschluss am Steg getauscht und beschlossen ins 20 nm südlicher liegende Arrecife zu fahren. Die letzte Stunde entlang der Ostküste von Lanzarote steuere ich selbst. Der Wind bläst zwar wieder mit 25 – 30 kn Wind, allerdings jetzt genau von achtern. Bei herrlichem Sonnenschein segeln wir richtig schnell. Um 15:00 fahren wir in die Marina Lanzarote, wo wir uns zuvor telefonisch angemeldet haben. Über Funk wird uns eine Box zugewiesen und ein Mariniero erwartet uns bereits am Steg. Beim Anlegen mit Rückenwind bewährt sich unsere starke Maschine als Bremse.

Wir haben es geschafft, sind uns aber einig: Das hat keinen Spaß gemacht! Deshalb wurde auch nicht fotografiert.

Mit viel Wasser spülen wir das Salz vom Schiff. Während ich Wäsche wasche schrubbt Günter Deck und Cockpit. Dann wäscht Günter, und ich bereite das Abendessen zu. Nach dem leckeren Essen und ein paar Bierchen kehrt langsam unsere Freude an der Reise zurück.

Madeira II

19.09.2017          bedeckt

Pünktlich um 08:40 finden wir uns vor dem Informationszentrum ein. Wenig später steigen wir als erste in den Bus mit 15 Plätzen. Wir klappern zuerst einige Hotels in Funchal ab um weitere Gäste einzusammeln. Fast voll besetzt geht es schließlich los.

Patrizia, die Fahrerin, stellt sich vor und erklärt abwechselnd in deutsch und Englisch, was es unterwegs zu sehen gibt. Die Informationen sind interessant, und Madeira ist wirklich sehr schön. Wir machen kurze Pausen in verschiedenen Orten, oder an Aussichtspunkten.

Vor der zweistündigen Mittagspause in Porto Moniz bietet Patrizia interessierten Teilnehmern an, ein Drei-Gänge-Menü in einem gutbürgerlichen Restaurant vorzubestellen. Inklusive aller Getränke kostet das Essen 12,00 €. Günter und ich nehmen das Angebot als Einzige an, fragen uns allerdings, was wohl „alle Getränke“ bedeutet. Beim  Eintreffen im Lokal ist für uns ein Zweier-Tisch reserviert, darauf stehen, bereits geöffnet, eine große Flasche kaltes Wasser, eine kalte Flasche Weißwein und eine Flasche Rotwein. Das soll wohl reichen.

Suppe, Hauptgericht und Nachtisch schmecken prima. Danach gibt es noch einen Espresso. Was will man mehr?

 

Nach einem gemütlichen Rundgang durch den Ort mit seinen tollen Naturschwimmbädern setzen wir die Tour fort.

 

Es gibt zwei weitere Stopps am Nachmittag.

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Hortensien blühen überall am Straßenrand

Gegen 17:00 setzt uns Patrizia wieder in Funchal ab. Ein schöner Tag!

An Bord schauen wir nochmal nach der Selbststeueranlage und machen „Büroarbeiten“.

Madeira I

Sonntag, 17.09.2017       teilweise bedeckt, später sonnig

Wir schlafen erst mal aus und frühstücken in Ruhe.  Um kurz nach 11:00 machen wir uns auf den Weg zum Ausgang des Resorts, wo sich eine Bushaltstelle befindet. Dem angeschlagenen Plan entnehmen wir, dass der Bus Richtung Funchal um 12:00 hier halten wird. Sicherheitshalber sprechen wir noch mit einem offensichtlich ortskundigen Herrn, der ebenfalls hier wartet. Er bestätigt unsere Recherche und weist uns auch gleich darauf hin, dass heute der letzte Bus zurück um 16:30 in Funchal abfährt. Jetzt sind wir bestens informiert.

 

Bushaltestelle Quinta do Lordes

Der Bus kommt fast pünktlich und wir genießen die Fahrt über die grüne Insel. Ca. 1 ½ Stunden dauert die Reise. Dabei fahren wir über teilweise schmale Straßen mit engen Ortsdurchfahrten. Oft kann man von der Steilküste weit aufs Meer schauen.

 

Wir haben in Funchal genau drei Stunden Zeit bis zur Rückfahrt. Unser erster Weg führt uns zum Marinabüro, dass natürlich am Wochenende geschlossen ist. Der aufkeimende „kleine Hunger“ begleitet uns auf unserer Wanderung durch die hübschen Gassen von Funchal. P1060778Eines der Restaurants erscheint uns besonders reizvoll, weil mach durch den Gastraum in einen idyllischen Garten hinter dem Haus schauen kann, wo ebenfalls gegessen wird. Die Speisenkarte sagt uns zu, und wir kehren ein.

 

Wir essen leckere Drei-Gang-Menus, zu sehr günstigen Preisen. Der Nachtisch besteht aus  frischem Obstsalat, und auch der Rest war eine eher leichte Mahlzeit.

 

Sollte es etwa an den Getränken gelegen haben, dass wir etwas später beim Wiegen in einer Apotheke bitter enttäuscht werden. Die Waage zeigte ein jeweils 5% höheres Gewicht an, als bei der letzten Messung am 31.08. in Olhao. Ich nehme an, dass eine der Waagen defekt ist.

Günter verliert in dem Moment jede Hoffnung sein Diät-Ziel zu erreichen und kauft sich bei nächster Gelegenheit ein Eis. P1060792Darauf soll es jetzt auch nicht mehr ankommen.

Wir haben noch Zeit für’s Abendessen einzukaufen, bevor wir um 16:45 in den Bus steigen. Zurück in der Marina Quinta do Lorde  sehen wir, dass auch unsere Bekannten von der Sancara angekommen sind. P1060805Auf der Terrasse des Bistro’s am Hafen verbringen wir einen netten Abend zusammen. Essen vertagen wir auf Morgen.

 

Montag, 18.09.2017                       bedeckt, später sonnig

Lange geschlafen, spät gefrühstückt.

Gegen 10:30 rufen wir bei der Marina Funchal an. Hier erhalten wir die Telefonnummer von Rafael, der die neue, kleine Marina betreut. Rafael kann uns einen Liegeplatz für zwei Tage anbieten. Super! Um 12:30 verlassen wir den Hafen, nachdem wir noch mal aufgetankt haben und erreichen Funchal wie angekündigt kurz vor 15:00. Wir machen an einer sehr sauberen Steganlage fest, und Rafael begleitet mich zur Passkontrolle. Danach checke ich in seinem Büro ein. Auf dem Weg zeigt er mir wo die Duschen und Toiletten sind, die täglich von 08:00 bis 20:00 geöffnet sind. Er prüft nochmal seinen Terminkalender und bietet an, dass wir etwas länger bleiben könnten, wenn wir bereit wären, zweimal den Platz zu wechseln. Schauen wir mal.

Erwähnenswert ist noch die Lage der Duschen und Toiletten. Im Hafen wird immer noch gebaut. Die neue Marina liegt östlich der alten – die Duschen westlich davon. Spaßeshalber sind wir, nachdem alles erledigt war, mal hin gelaufen. Screenshot 2017-09-19 00.15.14Günters Schrittzähler zeigt uns einen Weg von 0,97 km. Das kann unter Umständen eng werden.

Beim weiteren Spaziergang machen wir einen Bogen um Apotheken. Auch Eisdielen werden sicher umschifft. Für Morgen haben wir uns zu einer Minibus-Reise über den Westteil der Insel angemeldet. Wir sollen um 08:45 am Touristeninformationszentrum einsteigen.

Wann müssen wir denn dann zur Dusche aufbrechen?

Auf nach Madeira

Samstag, 16.09.2017                      bewölkt

Unter den Böen hat Lucky die ganze Nacht an der Ankerkette gezerrt. Ich hatte mal wieder eine meiner schlaflosen Nächte und bin froh, als ich um 06:30 endlich zum Kaffeekochen aufstehen kann.P1060736Wir haben Brötchen von gestern an Bord, die wir uns für später schon mal belegen. Wer weiß, was heute auf uns zukommt. Die Grib-Files (Winddaten, die wir aus dem Internet beziehen) versprechen im Schnitt 2 kn weniger als gestern. Soweit, so gut. Gestern waren 18 kn angesagt, wir hatten in Böen 25, das mag auch an unserem Ankerplatz gelegen haben.

Um 07:45 lichten wir den Anker und rollen die Genua aus. Unser Kurs liegt genau vor dem Wind (Rückenwind). Nach wenigen Minuten erkennen wir bereits, dass wir bei so wenig Druck im Segel, Madeira heute nicht erreichen werden. Also erst mal weg mit dem Tuch und Motor an, bis wir aus der Bucht raus sind.

So motoren wir bis 13:25. Acht bis 12 kn Wind reichen bei den Wellen, die noch vom Vortag rollen, absolut nicht aus, unser Segel zu blähen.

Wir schaukeln nach Madeira und passieren mittags die Marina Quinta do Lorde, wo ich vor Jahren schon mit Rüdi war. Schöne Marina, aber weit ab vom Schuss und teuer. Wir lassen sie rechts liegen, weil ich ja per Email einen Liegeplatz in Funchal reserviert habe, dort liegt der Hafen mitten in der Stadt. Tatsächlich bekommen wir ab 13:25 mächtig Wind von achtern und segeln bis kurz vor Funchal. Versuche, der Marina unsere Ankunft telefonisch anzukündigen, bleiben unbeantwortet. Als wir um 15:30 die Stadt endlich erreichen, erhalten wir die Auskunft: „Kein Platz frei. Vielleicht in ein oder zwei Tagen.“ Alternative ??? „Ihr könnt vor dem gelben Castell ankern.“ Notgedrungen begeben wir uns zum empfohlenen Ankerplatz. Zwischen kleinen Fischerbooten bietet sich hier wenig Platz. Wir loten 13 m Wassertiefe und sehen auf der Karte felsigen Grund. ? ? ?  Vielen Dank, wir brauchen unseren Anker noch.

Wir sehen keinen anderen Ausweg, drehen um und halten auf die Marina Quinta do Lorde zu. Das bedeutet 12,5 nm gegen Wind, der uns eben noch kräftig geschoben hat, und Wellen. Eine Super-Gelegenheit die Dichtigkeit des Vorschiffs im Bereich des Ankerkastens zu prüfen. Tatsächlich taucht Luckys Bug auf der Strecke wiederholt ein und „schaufelt“ Wasser. Um 17:10 kommen wir endlich in der Marina an. Ein freundlicher Mariniero weist uns einen Platz zu, nimmt die Leinen an und erklärt uns, wo wir die Hafeneinrichtungen finden. Er erwähnt auch, dass wir uns erst am Montag anmelden können, weil das Hafenbüro am Wochenende geschlossen ist.

 

Wir sind froh an so einem herrlich ruhigen Platz zu liegen und machen uns an die Vorbereitung des Abendessens.

Bei einer Inspektion des Vorschiffs zeigen sich die kritischen Stellen „knochentrocken“.

Sehr spät am Abend gehe ich noch zum Duschen. Im geräumigen Sanitärbereich bin ich um die Zeit alleine.

Fast alleine!

Wir sind eben schon weit im Süden.

Porto Santo

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Nachtrag zum Bericht Von Lagos nach Porto Santo

Betrifft Schadenfeststellung: Günter hat Schmerzen beim Tief durch Atmen, Lachen, und sich umdrehen, nachdem er in einer der Nächte im Cockpit ausrutschte und unterstützt vom Schwung einer Welle, mit dem Rücken auf eine Kante der Kajüte knallte. Dank unserer medizinischen Ausbildung wissen wir, dass es weder für Rippenprellungen noch –brüche eine Therapie gibt. In sechs Wochen wird es nicht mehr so weh tun.

Gez. Dr. Ouzo

 

Freitag, 15.09.2017         sonnig, viel Wind

 

Obwohl wir gestern früh im Bett waren, schlafen wir erst mal lange aus. Der Wind bläst die ganze Nacht durch und lässt auch am Morgen kaum nach. Wir frühstücken gemütlich. Danach wechseln wir das Kabel des Plotters im Cockpit aus und warten alle Kabelverbindung im Steuerstand. Wir treffen Vorbereitungen für kleine Nachbesserungen der Dichtigkeit im Bereich des Ankerkastens.

Kurz nach Mittag scheint es uns endlich ruhig genug für ein Übersetzen mit dem Dingi in die Marina. Die kurze Fahrt verläuft wesentlich angenehmer als erwartet. Wir werden gar nicht nass.

Im ersten Café, noch auf dem Hafengelände, kehren wir erst mal auf einen Drink ein. Dabei lernen wir die Crew einer anderen deutschen Yacht kennen, die gestern kurz nach uns hier vor Anker ging. Nach kurzem Erfahrungsaustausch brechen die drei zum Einkaufen auf. Wir folgen ein paar Minuten später. Der aufgeräumte Ort ist teilweise für das Kolumbusfest, das hier vom 14. bis 16.09. stattfindet, geschmückt.

Ich bin wieder begeistert von dem langen Sandstrand, an dem sich nur wenige Gäste aufhalten und dem klaren, türkisfarbenen Meerwasser.

Bei einer kleinen Pause lernen wir in einem Bistro die weißen Bohnen kennen, die hier zum Bier gereicht werden. Der Kellner merkt sofort, dass es uns schmeckt und sorgt für reichlich Nachschub.20170915_161217

Zurück im Hafen probieren wir noch eine Inselspezialität, den Vinho de Porto Santo. Auch hier gibt es wieder die eingelegten Bohnen (Tremoços) dazu. 20170915_173453Der Wein trifft nicht 100%ig unseren Geschmack, aber wir müssen ja auch noch (Dingi) fahren.

Zurück an Bord kümmert sich Günter um die angesprochenen Dichtarbeiten, während ich zum Abendessen einen Salat vorbereite und ein paar Schnitzel brate.20170915_194523 Auch eine Diät braucht Pausen.

Von Lagos nach Porto Santo

Montag, 11.09.2017       sonnig

 

Wir erledigen morgens noch ein paar kleine Einkäufe. Um 10:20 lösen wir die Leinen vom Steg und fahren durch die geöffnete Brücke der Marina Lagos. 03_68007228Am Meldesteg legen wir nochmal kurz an, um unsere Zugangskarten abzugeben, vor allem aber um uns von Rüdi zu verabschieden, der uns dort bereits mit seiner Kamera erwartet. Ein bisschen bedauert er, diesmal nicht mit von der Party zu sein, aber er hat sein „Segelsoll“ für dieses Jahr mehr als erfüllt.

07_108007241Um 10:35 fahren wir los, begleitet von einem kräftigen Ton aus Rüdi’s Horn. Unser Ziel ist die kleine Atlantikinseln Porto Santo, kurz vor Madeira. Vor uns liegen ca. 450 nm, die wir bei gutem Wind, und den sollen wir haben, in ca 3 ½ Tagen bewältigen sollten.

Um 12:00 gibt es noch keine Spur von Wind, aber um 13:05 setzt er allmählich ein. Wir setzen die Segel und schalten die Maschine ab. Uns ist bewusst, dass wir uns noch in der Landabdeckung der Iberischen Halbinsel befinden, trotzdem überrascht es uns, dass wir bereits um 14:30 alle verfügbaren Reffs in die Segel gebunden haben. Wir hatten mit gut 15 kn Wind gerechnet, jetzt weht es mit 25 – 30. Er fällt als „halber Wind“ scheinbar genau von der Seite ein –eigentlich der ruhigste Kurs zum Segeln-, geht aber mit einem sehr ruppigem Wellenbild einher. Viel Gischt fliegt ins Cockpit.

Abends nehmen wir das Vorsegel ganz weg. Wir sind schon einigermaßen geschafft, als zu allem Überfluss um 22:00 der Autopilot wiedermal seinen Dienst quittiert. Wir steuern also abwechseln durch die Nacht.

Dienstag, 12.09.2017

04:00     Wir bergen das gereffte Großsegel und rollen stattdessen einen Teil der Genua aus. Das reicht bei dem Wind für zügige Fahrt, und so lässt sich das Boot leichter steuern. Im Laufe des Vormittags wird es auch etwas ruhiger (20 – 25 kn), und der Autopilot ist seiner Aufgabe wieder gewachsen. P1060725Mit dem kleineren Segel steuert er auch weiter, als der Wind am Nachmittag zur vorherigen Stärke zurückkehrt.

Mittwoch, 13.09.2017

12:30 baumen wir die Genua aus, da diese bei dem jetzt achterlichen Wind öfter einfällt.

Der Wind ist jetzt gleichmäßiger (20 – 25 kn), aber die ruhigere See wird im Halbstundenrhythmus von großen querlaufenden Wellen gestört. Das wirft unser Boot aus dem Kurs und führt wiederholt dazu, dass das ausgebaumte Vorsegel auf der falschen Seite steht. Welche ungünstigen Kräfte dabei entstehen, sollen wir nach der Ankunft auf Porto Santo feststellen.

Donnerstag, 14.09.2017

Um 14:45 ankern wir vor dem Strand von Porto Santo auf 5 m tiefem, türkisfarbenen Wasser. Leider fegen auch hier die Böen mit bis zu 30 kn entlang, aber das Wasser liegt einigermaßen ruhig.P1060732

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Kolumbus ist scheinbar kurz vor uns angekommen.

Nach dem verdienten Ankerbier begutachten wir die Schäden: Ein Beschläg des Spinnakerbaumes ist verbogen und der Beschlag am Mast ist stark gelockert. Das müssen wir vor dem Start nach Übersee noch beheben.

Günter hat Schmerzen beim Tief durch Atmen, Lachen, und sich umdrehen, nachdem er in einer der Nächte im Cockpit ausrutschte und unterstützt vom Schwung einer Welle, mit dem Rücken auf eine Kante der Kajüte knallte. Dank unserer medizinischen Ausbildung wissen wir, dass es weder für Rippenprellungen noch –brüche eine Therapie gibt. In sechs Wochen wird es nicht mehr so weh tun.

Gez. Dr. Ouzo

Freunde treffen an der Algarve

Freitag, 08.09.2017         sonnig, kein Wind

Wir heben den Anker um 08:30 und motoren bei absoluter Flaute nach Portimao. In der Marina dort füllen wir unseren Diesel- und Wasservorrat auf. Diesel ist teuer, wie fast immer in Marinas, aber 10,00 € für das Füllen unserer Wassertanks (gut 400 Liter) ist einfach unverschämt.

Um 15:35 ankern wir in der gegenüberliegenden Bucht. Hier liegt Walter mit seiner Fran Arc 2, ein Katamaran, den er Anfang der 90er Jahre selbst konstruiert und gebaut hat.P1060709 Ich habe Walter und seine Frau Claudia 2014 an der Algarve kennengelernt. Sie sind befreundet mit Nili und Julio, von denen ich meine Lucky gekauft habe. Walter setzt gleich mit dem Dingi über, um uns zu begrüßen und lädt uns ein, abends auf seinen Kat zu kommen. Wir nehmen die Einladung gerne an und verbringen einen tollen Abend an Bord der Fran Arc 2.

 

Samstag, 09.09.2017      bedeckt               West-Wind        kühler

11:50 Wir gehen Anker auf und fahren gegen den Wind ein paar Meilen nach Westen. Um 12:30 ankern wir bei Punta Joao de Arens.P1060722 Hier liegen Nili und Julio mit ihrem Katamaran Nilio. Die Beiden kommen sofort mit dem Dingi rüber und bringen sogar frisches Bio-Obst mit. Danke!

Wir können nur Kaffee anbieten. Es macht Spaß, über unsere Reisen zu plaudern. Anfang 2015 haben wir uns bereits in Norfolk/USA zufällig getroffen, und wir werden uns bestimmt wieder begegnen.P1060714

Um 14:30 fahren wir weiter Richtung Lagos. Auf diesen letzten Meilen weht uns Wind mit bis zu 35 kn vom nahen Strand entgegen. Zum ersten Mal auf dieser Reise spritz ordentlich Gischt übers Schiff. Um 15:50 ankern wir vor dem Strand von Lagos. Hier liegen wir sehr ruhig mit der „Nase im Wind“. Gegen 18:00 schläft der Wind ein. Wir lassen uns bereits unsere Spaghetti mit Tintenfisch schmecken.P1060723 Abends holen wir uns die neuesten Windvorhersagen und entscheiden, Montagmorgen nach Madeira aufzubrechen. Bei viel Wind rechnen wir mit einer Reisedauer von gut drei Tagen.

Sonntag, 10.09.2017       sonnig kühler

Um 08:25 verlassen wir unseren Ankerplatz am Strand und fahren in die Marina. Um 09:10 machen wir am Steiger F, Platz 11 fest. Wir stopfen unsere Wäsche in die Maschinen und erledigen einige Einkäufe. Nachmittags bauen wir die neue Servopumpe für den Autopiloten ein, keine einfache Aufgabe. Ich verliere die Ruhe sehr schnell, als die ersten Probleme auftreten, aber mit Günters Zuversicht und telefonischer Unterstützung von Herrn Steiner, dem Lieferanten der Pumpe, gelingt die Operation schließlich. Ausprobiert wird Morgen auf dem Weg nach Madeira.

Am frühen Abend folgt mein Freund Rüdi unserer Einladung, an Bord zu kommen. Wir verbringen wieder einen sehr netten Abend zu dritt.

Zurück nach Culatra

Montag, 04.09.2017       sonnig mit viel Wind

Unser Plan, früh mit dem Niedrigwasser unter der Brücke durchzufahren, wird von kräftigem Wind (25 – 30 kn) am Ankerplatz verworfen. Falls wir überhaupt mit unserem kleinen Außenborder dagegen angekommen wären, wären wir sehr nass geworden. Wir bleiben also erst mal an Bord.

Nachmittags wird es ruhiger und wir können unsere Einkäufe doch noch erledigen.

Dienstag, 05.09.2017      sonnig

Um 10:20 lichten wir den Anker, rollen die Genua aus und segeln sehr langsam den Fluss hinab. Leider verlässt uns der Wind schon um 11:15 und wir setzen die Reise nach Tavira unter Motor fort.

Um 13:50 ankern wir dort und frühstücken. Der Ankerplatz erscheint uns bei näherer Betrachtung nicht sicher genug, und so beschließen wir, nach Culatra weiterzufahren. Um 18:30 kommen wir bei der Einfahrt zur Lagune von Faro an. Natürlich haben wir auch hier wieder den falschen Zeitpunkt erwischt. Unser Versuch in die Lagune zu segeln scheitert kläglich am enormen Gegenstrom. Rechts und links neben uns brodelt das Wasser in wilden Strudeln. Unsere Geschwindigkeit sinkt, je mehr wir uns der engen Einfahrt nähern. Am Ende segeln wir in einem Hexenkessel zwischen den steinernen Molen, ohne uns vorwärts zu bewegen. Da muss dann doch wieder der Diesel helfen. Eine Stunde später fällt der Anker dort, wo wir bereits vor einer Woche gelegen haben.20170906_194400

Mittwoch, 06.09.2017    sonnig

Wir setzen mit dem Beiboot über und machen wieder unseren großen Strandspaziergang zur Bar unter dem Leuchtturm von Farol. Mittags laufen wir zur Fähre die uns von Farol nach Olhao bringen soll, die wir aber leider verpassen. Wir haben die Wahl, drei Stunden auf die nächste zu warten, oder zurück nach Culatra zu laufen. Wir entscheiden uns für die lange Wanderung durch die „Wüste“.

Nach dieser Strapaze gönnen wir uns ein leichtes Nachmittagsessen (gegrillte Sardinen) in einem Restaurant in Culatra. Beinahe zufällig stellt Günter beim Blick auf sein Handy fest, das seine HEALTH, Gesundheits-App unsere Wanderung aufgezeichnet hat.

IMG_4011Wir sind heute 12,4 km – 15.528 Schritte gelaufen.

Donnerstag, 07.09.2017               sonnig

Nach der großen Strandrunde fahren wir mit der Fähre nach Olhao, kaufen ein und bekommen sogar die bestellten Teile für den Außenborder. Um 18:30 sind wir zufrieden an Bord zurück und braten uns Fisch zum Abendessen.

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