Mittwoch, 20.09.2017 sonnig
Wir verbringen den letzten Tag auf Madeira, weil unser Liegeplatz ab Morgen für ein anderes Boot reserviert ist, und es keine gute Liegemöglichkeit in der näheren Umgebung gibt. Ursprünglich wollten wir von hier nach Las Palmas, Gran Canaria segeln, da Günter von dort am 02. Oktober für einen Monat nach Deutschland fliegt. Leider gibt es bis Ende November keine freien Plätze. Der Hafen ist für die Teilnehmer der ARC (Atlantic Rally for Cruisers) reserviert. Wir beschließen in der Zwischenzeit andere Kanarische Inseln zu besuchen. Morgen brechen wir zu einem Ankerplatz südlich der kleinen Insel Graciosa auf.
Donnerstag, 21.09.2017 sonnig
10:00 Wir verlassen den Hafen von Funchal. Es ist fast windstill und warm.
Graciosa liegt nördlich von Lanzarote, nur durch eine schmale Meerenge davon getrennt. Vor uns liegen 270 nm, also ca. 2 Tage Fahrt. Die Windvorhersage droht mit Starkwind aus Nord-Ost. Am ersten Tag sollen die Böen mit 27, am zweiten gar mit bis zu 30 kn einfallen. Wir sind gewarnt, aber wenigstens die Richtung stimmt.
12:00 Wind kommt auf. Wir setzen die Segel und halten Kurs auf unser Ziel. Der Wind nimmt schnell zu. Um 13:15 bergen wir das Großsegel. Die Genua allein reicht aus, uns mit „halbem Wind“ zügig über die ausgesprochen ruppige See zu ziehen. Gegen Abend erreichen die Böen schon 30 kn und der Seegang wird höher Das Cockpit wird immer öfter mit Seewasser geduscht, von Wellen die mit Wucht vor die Bordwand knallen. Die unregelmäßigen, ruckartigen Bewegungen des Schiffes machen kochen am Herd unmöglich. Selbst das zubereiten der chinesischen Nudelsuppen gerät zum Balanceakt. Zu allem Überfluss stellt in der Nacht der Autopilot seine Arbeit wegen Überanstrengung ein. Hier verspüre ich zum ersten Mal den Wunsch rechts ran zu fahren und den Bus zu nehmen.
Stattdessen übernehmen wir das Ruder, gönnen ihm eine Pause und verkleinern das Vorsegel weiter. Dadurch wird das Steuern leichter, sodass die Automatik wieder übernehmen kann. Der Wachhabende verbringt die Stunden im Ölzeug, jederzeit bereit einzugreifen.
Freitag, 22.09.2017 teilweise bedeckt
Der Wind weht fast unverändert durch. Der langen Nacht folgt ein langer Tag. Morgens sind wir dankbar ein Paket Müsli in den Vorräten zu haben. Fürs Mittagessen haben wir noch ein Brötchen, das wir uns teilen. Bis abends ist uns längst der Appetit vergangen. Nicht mal das Bier schmeckt.
Die folgende Nacht wird ähnlich wie die vergangene, nur sind jetzt die Wellen deutlich höher und der Wind erheblich stärker. Günter liest bei seiner Nachtwache 39 kn als höchste Windgeschwindigkeit ab. Seine Salzwasserdusche, die er abbekommt als er den Schutz der Sprayhood verlässt, um am Steuerstand Kurs und Geschwindigkeit zu überprüfen, beschreibt er: „. . . als hätte man mir einen riesigen Eimer Wasser ins Gesicht geschüttet . . . und in den Ärmel meines ausgebreiteten Armes“. Eine andere Welle rollt über die ihm gegenüberliegende Sitzbank, und er kann nur die die Füße anheben und zusehen, wie das Wasser durch die Lenzrohre abfließt. Ich habe derweil auf der verbreiterten Salonkoje zwei Stunden erholsamen Schlaf gefunden.
Samstag, 23.09.2017 bedeckt, später sonnig
Den Gedanken an den Ankerplatz haben wir längst gegen den Traum von einer Marina mit Wasseranschluss am Steg getauscht und beschlossen ins 20 nm südlicher liegende Arrecife zu fahren. Die letzte Stunde entlang der Ostküste von Lanzarote steuere ich selbst. Der Wind bläst zwar wieder mit 25 – 30 kn Wind, allerdings jetzt genau von achtern. Bei herrlichem Sonnenschein segeln wir richtig schnell. Um 15:00 fahren wir in die Marina Lanzarote, wo wir uns zuvor telefonisch angemeldet haben. Über Funk wird uns eine Box zugewiesen und ein Mariniero erwartet uns bereits am Steg. Beim Anlegen mit Rückenwind bewährt sich unsere starke Maschine als Bremse.
Wir haben es geschafft, sind uns aber einig: Das hat keinen Spaß gemacht! Deshalb wurde auch nicht fotografiert.
Mit viel Wasser spülen wir das Salz vom Schiff. Während ich Wäsche wasche schrubbt Günter Deck und Cockpit. Dann wäscht Günter, und ich bereite das Abendessen zu. Nach dem leckeren Essen und ein paar Bierchen kehrt langsam unsere Freude an der Reise zurück.
Bei dieser Überfahrt wäre ich gerne bei gewesen. Ich weiß nur noch nicht ob als Wind oder Welle 🙂
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Hallo ihr zwei, La Palma hat uns zwar auch ruppige See beschert, aber der Wind war moderater. Nur Genua und sogar ein Tag mit Parasailor. Allerdings mussten wir jeweils nachts die Genua zeitweise auf 40% reffen. ….. und wir hatten kein Wasser im Cockpit. Wind durchweg achterlich aus150 Grad. Der Windpilot hat seine Sache wieder perfekt bewältigt. Marina La Palma ist ziemlich leer.
Grüsse von SANCARA, R&A
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