Unsere Atlantiküberquerung    Ost – West mit Boxenstopp auf den Kapverden

1. Tag      Montag, 13.11.2017

Laut Wettervorhersage müssen wir in der ersten Woche mit wenig Wind rechnen, was mir lieber als zu viel ist, wenigstens die Richtung soll aber passen.

Wir verlassen also um 14:05 den Hafen von San Sebastian (28° 04,953 N, 017°06,709 W) und richten den Kurs unter Motor nach Süden. Der schwache Wind, der uns begleiten sollte, weht uns entgegen. Wir bleiben gelassen, genehmigen uns ein „Ablegerbier“ und machen uns wenig später über Annas Käsekuchen her.

Sehr lecker! Um 15:45 spielen die ersten Delfine um unser Boot.

Günter hat ein System mit Acht-Stunden-Wachen vorgeschlagen, welches um 16:00 in Kraft tritt. Wir losen: Günter fängt an. Er wacht also bis 24:00, ich übernehme bis 08:00, Günter wieder bis 16:00. Diese Aufteilung des Tages hat zwei Vorteile. 1. man kann sich während der achtstündigen Freiwache richtig ausschlafen, 2. bei drei Wachen und zwei Seglern entsteht automatisch eine Rotation.

16:45     Wir setzen Großsegel und Genua, weil sich der schwache Wind zu unseren Gunsten gedreht hat. Als wir um 17:00 die Maschine abschalten bleiben wir quasi stehen, also fahren wir weiter mit Motorkraft.

19:50     Wir motoren immer noch, aber das erste von zwei mitgebrachten Rinderkoteletts hat hervorragend geschmeckt.P1070129

20:00     Leichter Ostwind setzt ein. Maschine aus.

20:15     Wind weg.

20:40     Schwacher West-Nordwest.

21:10     Ich lege mich in die Koje, um für meine Wache ab 00:00 fit zu sein. Ich kann nicht schlafen und spüre deshalb, dass wir bis 23:30 herrlich segeln. Dann ist wieder Flaute.

 

2. Tag     Dienstag, 14.11.2017

00:00     Ich beginne meine Wache. Das Schiff bewegt sich kaum.

01:40     Schwacher Wind aus Süd kommt auf und lässt uns mit 3kn nach Süd-West segeln.

02:40     5,5 kn Fahrt

04:00     2,5 kn Fahrt

07:45     Der Wind hat zugenommen. Wir laufen 6,5 kn. Leider fällt wenig später der Autopilot wegen „Überanstrengung“ aus. Wir gönnen ihm eine Pause, korrigieren unsere Segelstellung. Jetzt kann er wieder steuern, zumal der Wind nachlässt.

10:00     Wir drehen genau vor den Wind, fahren die Genua an Backbord, das Großsegel an Steuerbord (Schmetterling).P1070133 Kurs 250° Der Autopilot steuert jetzt nach der Windrichtung, sodass die Segel immer gleich stehen können, der Kurs aber angepasst wird.

14:00     Position               26° 50,652‘ N,    018° 28,710 W   Etmal: 110 nm

20:00     Kurs 260°

21:45     Kurs 275°

22:00     Da wir mehr nach Süden segeln müssen, nehmen wir beide Segel nach Steuerbord.

Kurs 235°             5,5 kn

 

3. Tag     Mittwoch, 15.11.2017

02:00     Der Wind schläft während Günters Wache eine. Wir dümpeln in einem Meer wie Öl. Günter hat Zahnschmerzen.

06:00     Kurs 210°             2,5 kn Fahrt

08:00     Kurs 190°             5,0 kn Fahrt

10:00     Kurs 210°             6,5 kn Fahrt   Sehr ruhige See, 10 – 15 kn Ostwind

12:40     Kurs 208°             6,0 kn Fahrt   Günter bringt die Schleppangel aus.

14:00     Position               25° 43,336‘ N,    019° 45,477 W   Etmal: 96,4 nm

17:30     Unmittelbar nach dem Abendessen, wir hatten Bratkartoffeln mit Speck und Ei, beißt eine kleine Goldmakrele (ca. 50 cm) auf unseren Köder.P1070137 Wir holen sie an Bord, und bringen das schöne Tier kaltblütig um. Der Fisch wird sofort filetiert. Das Gerippe geht mit Kopf und Schwanz zurück ins Meer. Morgen gibt es Fisch.

18:15     Wir bergen das Großsegel. Die Genua baumen wir aus, damit sie bei dem schwachen Wind weniger einfällt.

 

4.Tag      Donnerstag, 16.11.2017

Wir sind durch die Nacht „geschlichen“ und auch der neue Tag brachte nicht viel Wind.

12:45     Kurs 244°             3,2 kn Fahrt    sonnig, sehr ruhig

14:00                                    2,8 kn Fahrt    Um den dürftigen Wind besser zu nutzen rollen wir die Genua ein und setzen stattdessen den Blister, unser Leichtwindsegel.

Position               24° 36,495 N,     021° 03,673 W   Etmal: 97,3 nm

14:45     Der Segelwechsel bringt knapp einen kn, wir fahren jetzt 3,8 kn. Es wird wärmer 28° C unter Deck.

18:00     Kurs 212°             5,5 kn

18:30     Die Batteriespannung ist auf 11,9 V gefallen, Ladung 50 %. Der Kühlschrank schaltet sich unter diesen Bedingungen ab. Wir starten die Maschine um die Batterien zu laden. Ich habe vor Reisebegin einen Ladebooster (externer Regler) für 399,00 € verbaut. Dieser soll die Ladezeit von acht bis neun, auf zwei bis drei Stunden verkürzen. Der Kühlschrank läuft wieder.

20:30     60 %      Ladung

21:30     64 %      Ich schalte die Maschine ab, obwohl ich mit dem Ergebnis keineswegs zufrieden bin, denn unser Dieselvorrat ist knapp.

21:45     65 %      12,3 V

 

5. Tag      Freitag, 17.11.2017

08:00     Kurs 200°             2,7 kn Fahrt. Günter berichtet von einer äußerst windarmen Nacht. Die Geschwindigkeit ging trotz Blister über weite Strecken unter 1 kn zurück.

Batteriespannung 11,9 V, Ladung 50 %. Das kann ja heiter werden.

Gemeinsam setzen wir zu dem Blister an Steuerbord die Genua an Backbord. Das beschleunigt uns auf „sagenhafte“ 3,7 kn.

09:30     Günter legt die Angel aus.

11:30     Kurs 240°             3,5 kn Fahrt, Spannung 12 V, Ladung 50%. Mit der höher steigenden Sonne laden die Solarzellen die Batterien. Leider wird der Stern oft von Wolken verdeckt. Das ist angenehm für uns, aber sehr schlecht für die Ladeleistung. Der Tagesbedarf wird knapp gedeckt.

13:30     12,1 V   55 %

14:00     Position               23° 44,873 N       022° 18,908 W   Etmal: 85,9 nm

16:22     Frachter CS Caprice passiert mit 3,7 nm Abstand.

17:35     Spannung 11,9 V, Ladung 50 %. Wir starten die Maschine zum Laden. Mit der Angel hatten wir heute Glück: Ich hole sie ohne Biss wieder ein. Wir kochen sehr leckere Nudeln mit Tomatensoße.

18:30     Wir rollen die Genua ein.

20:45     Motor aus. Spannung 12,2 V, Ladung 61 %. Kühlschrank abgeschaltet.

21:15     Kurs:208°            3,0 kn Fahrt.  Kaum Wind

23:45     Kühlschrank eingeschaltet.

 

6. Tag      Samstag, 18.11.2017            Endlich Wochenende!

Heute ist es an mir, die nächtliche Schleichfahrt zu beobachten.

00:00     Kurs 230°             3,5 kn Fahrt

01:00     Kurs 209°             2,6 kn Fahrt

02:00     Kurs 209°             2,6 kn Fahrt

03:00     Kurs 215°             2,2 kn Fahrt

04:00     Kurs 200°             2,2 kn Fahrt

05:00     Kurs 205°             2,0 kn Fahrt        12 V       55%

06:00     Kurs 210°             2,2 kn Fahrt        12 V       50%       Kühlschrank schaltet ab.

08:00     Ich Koje, Günter übernimmt.

10:45     Als ich aufwache pflügt Lucky mit stolzen 4,5 kn durchs Wasser. Günter gibt Alles am Ruder. P1070154

12:00     Günter bringt die Angel aus

13:00     Kurs 220°             4,5 kn    Der Strom macht uns Sorgen. 12,1 V      55%       Dank der Sonne läuft der Kühlschrank wieder.

14:00     Position               22° 50,709‘ N, 023° 22,223‘ W     Etmal: 79,5 nm

14:10     Wir haben eine kleine Goldmakrele am Haken, lassen sie aber wegen Untermaß wieder frei.

16:30     Genua eingerollt.

18:00     Kurs 225°             3,8 kn    12 V       50 %      Der Kühlschrank hat sich abgeschaltet. Wir starten die Maschine zum Batterieladen. Der Ladestrom ist schwach. Morgen werden wir der Sache auf den Grund gehen.

21:00     Motor aus

Kurs 220°             3,8 kn    12,3 V   65 %

22:30     Kurs 250°             3,0 kn    12,2 V   60 %

 

7. Tag     Sonntag, 19.11.2017

00:10     Blister gebogen

Wir kriechen durch die Nacht.

08:00     Kurs 235°             4,2 kn Fahrt        12 V  50%  Der Kühlschrank ist aus.

08:20     Blister gesetzt.

08:40     Kurs 230°             5,0 kn

10:00     Wir überprüfen alle Komponenten, die für die Batterieladung verantwortlich sind, soweit möglich. Wir finden keinen Fehler in der Montage, machen verschiedene Test. Wir kommen zu dem Schluss, dass der Ladebooster seine Aufgabe nicht erfüllt, im Gegenteil, eine ordentliche Ladung verhindert. Deshalb entfernen wir das Teil aus der Verkabelung. Jetzt sollten die Batterien wieder geladen werden.

14:00     Kurs 224°             4,6 kn

Position                  21° 49,617 N    024° 29,280 W                   Etmal: 87,2 nm

17:00     Kurs 233°             3,9 kn

18:00     12,2 V   55 %      Starten Motor zum Batterie laden.

18:30     Die Genua rollen wir ein.

21:00     12,4 V   75 %      Motor aus

22:40     12,3 V   65 %      Wir schalten den Kühlschank ab sofort jede zweite Stunde aus.

23:45     Kurs 210°             3,2 kn

 

8. Tag      Montag, 20.11.2017

Auch in dieser Nacht bewegt sich unsere Geschwindigkeit lediglich zwischen 1,5 und 2,5 kn. Zwei Knoten sind 3,7 km/h. Bei einem Spaziergang läuft man locker 5 km in der Stunde. Selbst die Bewohner des Hildegundis-Stifts laufen mit Rollator schneller, als wir segeln. Auf unserem Weg in die Karibik liegen noch 4.000 km vor uns.

10:30     Genua ausgerollt, steht aber kaum bei dem schwachen Wind.

12:00     Aufgrund einer leichten Drehung des schwachen Windes versuchen wir mit Großsegel und Genua zu segeln. Mehr als drei Knoten erreichen wir dadurch allerdings auch nicht.

12:30     Günter holt die Schleppangel ein, die wir gestern Abend vergessen haben. Der Gummiköder ist angefressen. Jetzt kommt unser Super-Köder „Gozila der Tuna Gangster“ zum Einsatz.P1070155

13:30 Wir wechseln wieder zum Blister. Der kaum spürbare Wind trägt kein anderes Segel

14:00     Kurs:210°            2,1 kn

Position               20° 58,459‘ N,    025° 21,908‘ W                  Etmal: 70,7 nm

16:00     Kurs 250°             2,1 kn

16:30     „Godzila der Tuna Gangster“ wird erfolglos an Bord geholt. Zum Abendessen bereiten wir uns eine Haxenpfanne mit Kraut und Bratkartoffeln. Sicherlich das Highlight des Tages.P1070164

19:00     Kurs 235°             2,0 kn Fahrt        Aber schöne, ruhige See.

Starten Maschine zum Batterie laden.  P1070160

19:30     Wir besprechen das „Für und Wider“ eines Zwischenstopps auf den Kapverdischen Inseln. Auf Grund des mangelnden Windes wird unsere Reise wahrscheinlich etwas länger dauern als geplant. Die unzureichende Batterieladung könnte dazu führen, dass wir in der letzten Woche warmes Bier trinken müssen. Im schlimmsten Fall müssten wir gar selbst steuern.

Mit unserem Dieselbestand sollten wir das, 235 nm entfernte Mindelo, auf Saao Vicente innerhalb von 48 Stunden erreichen. Dort würden wir mit leerem Tank ankommen, aber die Hauptstadt der Kapverden wird ja wohl eine Tankstelle haben. Desweiteren setzen wir auf Internet-Empfang vor Erreichen der Küste. Der entstehende Umweg beträgt vielleicht 200 nm, aber wir verlieren keine Zeit, weil wir bei der herrschenden Windsituation, ohne Motoreinsatz wahrscheinlich in zwei Tagen immer noch hier stehen würden. Beim Neustart von Mindelo sind es gut 2.150 nm bis Grenada. Der Dieseltank wäre voll, so würden wir die Batterien täglich nachladen können, falls Sonnen- und Windenergie nicht ausreichen.

20:00     Position               20° 49,737‘ N,    025° 32,467‘ W

Segel geborgen. Motor auf 1.800 U/pm Kurs 171° Fahrt 5,3 kn  Ziel: Kapverden

22:45     Genua gesetzt.                5,8 kn Fahrt

 

  1. Tag Dienstag, 21.11.2017

 

01:20     Genua eingerollt. Jetzt bläst uns schwacher Wind entgegen.

10:30     Der Diesel brummt vor sich hin. Die Wasseroberfläche ist nur leicht gekräuselt. Es ist jetzt schon recht warm tagsüber (30° C). Der Fahrtwind bringt wenig Abkühlung. Ich setze die Genua. Das bringt wieder zusätzlich einen halben Knoten Geschwindigkeit.P1070176

12:00     Genua eingerollt. Kurs 171°        5,3 kn

14:00     Position               19°11,816‘ N,     025° 15,043 W   Etmal: 106 nm

„Godzila der Tuna Ganster“ wird zu Wasser gelassen. Er gibt sich redlich Mühe durchs Wasser zu zappeln, kommt aber am frühen Abend ohne Fang wieder an Bord. Nach dem Abendessen stoppen wir die Maschine kurz, um den Ölstand zu prüfen. Ist OK. Wir motoren in die Nacht.

 

  1. Tag Mittwoch, 22.11.2017

 

Im Laufe der Nacht stabilisiert sich ein leichter Wind aus Ost. Motor und Genua verhelfen uns zusammen zu durchweg 6 kn Fahrt. Wahrscheinlich kämen wir auch ohne Motor vorwärts, aber dann würden wir erst nachts in Mindelo ankommen, was wir lieber vermeiden wollen, weil wir keine Detailkarten der Gegend an Bord haben. In der zweiten Hälfte meiner „Spätschicht“ (00:00 – 08:00) kann ich voraus deutlich Lichter auf der Insel Santo Antaao, der westlichsten der Gruppe erkennen. Mit dem Tageslicht wird eine beeindruckende Gebirgslandschaft sichtbar.P1070184

08:30     Wir füllen unsere Dieselreserve (25 l) in den Haupttank. Um 13:00 haben wir die Bucht von Mindelo, auf Saao Vicente erreicht. Es gibt neben einer Werft und einem Fähranleger auch einen hell leuchtenden Badestrand und eine Marina. Die Tankstelle ist gerade belegt, aber nach ein paar Warteschleifen legen wir an.

Es ist 14:00          Position               16° 53,153‘ N, 024° 59,511‘ W     Etmal: 139 nm

Während des Tankens erkundigen wir uns, ob wir auch Wasser bekommen können und erfahren, dass dafür keine Zeit bleibt, weil eine große Yacht zum Tanken erwartet wird. Ein Liegeplatz würde für unser Schiff 25,00 € pro Nacht kosten. Schnell entschließen wir uns, dieses Angebot nach neun Tagen auf See anzunehmen. Mit vollem Dieseltank verholen wir also auf einen freien Platz und ich laufe zum Marinabüro am Anfang des Steges. Eingecheckt für einen Tag erhalte gegen 20,00 € Pfand 2 Zugangskarten für Hafen, Sanitäranlagen und Müllentsorgung. WiFi gibt es im Marina-Restaurant. Auf einer der Karten ist ein Guthaben von 100 Litern Wasser, ich lasse die zweite gegen 2,00 € Gebühr auf den gleichen Stand bringen. Unser Wassertank wird bestimmt bis zur Abfahrt Platz für 160 l haben. Später, beim Duschen stellen wir fest, dass auch die dabei verbrauchten 50 l bereits von den Karten abgebucht werden.

Die freundliche Marina-Mitarbeiterin weist mich darauf hin, dass ich noch heute bei der Immigration und der Polizei zum Einklarieren vorstellig werden muss, wenn wir Morgen weiter fahren wollen. Die Büros sind jetzt geöffnet. Ich verliere also keine Zeit, und laufe 300 – 400 m zum Fährhafen, wo sich die Büros befinden. Der junge Officer im Immigration-Büro ist gerade mit anderen Seglern beschäftigt und bittet mich, zuerst zur Polizei zu gehen und dann wieder reinzuschauen. Nach 20 Minuten habe ich bei der Polizei gegen 7,00 € Gebühr ein- und für den nächsten Tag gleich wieder ausklariert. Das Immigration-Büro ist allerdings bei meiner Rückkehr verschlossen. Ein Mitarbeiter des Nachbarbüros erklärt den Wartenden, dass der Beamte einen Außentermin hat, aber bald zurück sein wird. Es dauert dann tatsächlich nur 20 Minuten, bis unsere Pässe gegen 5,00 € gestempelt werden und ich mich auf den Rückweg zum Boot machen kann.

Nach dem Duschen schnappen wir uns unsere Laptops und Smartphones um bei einer ersten Stadtbesichtigung vielleicht auch ein nettes Restaurant mit „Fee WiFi“ zu finden.

Uns gefällt der Ort. Es gibt ein paar Häuser mit Stilfassade, nicht immer in gutem Zustand, aber oft in frischen Farben. Ein Markt, Palmen, irgendwie sehr karibisch.

Nach dem ersten Bier ohne Internet kehren wir im „Café Royal“ ein: Free WiFi, abends Life-Musik. Wir essen, trinken, führen wichtige Telefonate über WhatsApp und Günter lädt die aktuelle Windvorhersage auf den Laptop. Noch bevor ich mit dem Einstellen des Reiseberichtes begonnen habe, finden sich die Musiker auf der Bühne ein und tragen landestypische Lieder vor. 20171122_204910Den Bericht kann ich auch Morgen noch einstellen. Das meiste hab ich bereits unterwegs geschrieben.

Wir gönnen uns noch ein, zwei Bier und Kaffee. Günter hat bereits einen Blick aufs Wetter geworfen, und zweifelt an unserer morgigen Abreise. Das müssen wir in Ruhe an Bord besprechen. Also: „Zahlen Bitte.“  Günter zahlt mit Karte: 138,00 € und ist bereit zum Gehen, wirft dann aber doch noch einen ungläubigen Blick auf den sehr klein gedruckten Zahlungsbeleg: 138,00 €  ? ? ? Unser Essen hat je 10,00 € gekostet. Im Kneipenlicht sehen wir beide nicht mehr sehr gut. Ich gehe mit dem Bon ins neonhelle Treppenhaus und lese auch: 138,00 €. Günter begibt sich zur Klärung an die Bar. Ich beobachte die Situation vom Tisch aus. Neben Günter steht eine Dame vom Nachbartisch. Es wird geprüft, gerechnet, diskutiert und sogar gelacht. Am Ende gehen die beiden Kunden zum besagten Nebentisch. Ich sehe wie Günter jedem der vier noch sitzenden die Hand schüttelt und sich vorstellt: „Guten Abend. Ich habe Ihr Essen bezahlt. Hat’s geschmeckt?“ Offensichtlich wurden also unsere Rechnungen vertauscht. Um das Restaurantpersonal zu entlasten, machen die Beteiligten den Ausgleich unter sich aus. Nebenbei entwickelt sich ein nettes, informatives Gespräch, in dem wir erfahren, dass die Kapverden sehr schöne Ecken haben.

Zurück an Bord schauen wir gemeinsam auf die Windvorhersage. Das Ergebnis ist klar: Wenn wir Morgen abfahren, werden wir wieder vier Tage unter Windmangel leiden. Da machen wir uns doch lieber auf die Suche nach den „schönen Ecken“.

Auf dem Sprung

Donnerstag, 09.11.2017                sonnig

Wir haben gestern noch sehr lange über den möglichen Reiseverlauf und den Zeitpunkt der Abfahrt nachgedacht. Einen Beschluss haben wir bisher nicht gefasst. 20171109_134208Heute verbessern wir wieder Kleinigkeiten am Schiff und erledigen Büroarbeiten.

Freitag, 10.11.2017     sonnig

Nach dem Frühstück schauen wir uns die Windvorhersagen an und entscheiden nach langer Überlegung, am Montag den 13.11.2017 zur Atlantiküberquerung zu starten.

Es gibt noch viel zu tun in den kommenden Tagen

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Jeden Tag kaufen wir ein und verstauen die Beute an Bord..

P1070109Das Dingi wird sicher am Heck verzurrt.

Reinhard bereitet uns ein paar Angelköder vor, damit wir unterwegs endlich Fische fangen.

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Anna bringt uns noch ein großes Stück von ihrem selbst gebackenen Käsekuchen Den werden wir uns Morgen Nachmittag auf See schmecken lassen.P1070117

Montag, 13.11.2017   sonnig

Staubsaugen. Dieseltank auffüllen. Gemüse und Kleinigkeiten kaufen. Sicherheitsleinen anbringen.    Das sind die letzten Punkte auf unserer Liste.

Obwohl wir bis jetzt keinen brauchbaren Wind messen, werden wir im Lauf des Tages in Richtung Karibik aufbrechen. Wir sind dann ca. vier Wochen nicht erreichbar, werden aber in Abständen unsere Position an Lothar übermitteln. Lothar wird die Positionen auf dieser Seite veröffentlichen. Ich werde einen Bericht nachreichen, der die Freuden und Leiden der Reise wiedergibt.

14:00 Alle Tanks sind randvoll. Das Hurrican Center meldet keine Störung. Die Stimmung ist gut. Wind ist, zumindest im Hafen, kaum zu spüren.P1070122Wir fahren los.

 

Santa Cruz de Tenerife

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Montag, 30.10.2017                       sonnig

Skippers Geburtstag verbringen wir mit selbst gebackenem Apfelkuchen in einem sehr schönen Freibad neben der Konzerthalle von Santa Cruz.

Abends gehen wir mit einem ordentlichen Sonnenbrand essen.20171030_194538

Dienstag besorgen wir uns Karten für das Konzert En América,  um die schöne Veranstaltungshalle auch innen zu erleben.

Mittwoch finden wir auf der Suche nach einem netten Restaurant einen schönen Botanischen Garten,

aber auch unsere Suche hat Erfolg.

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Kotelett nach Art des Hauses

Freitag besuchen wir das Konzert. Wir hören sehr schöne Werke von Fons, Hindemith und ein Klavierkonzert von Gershwin.20171103_203300

Samstag, 04.11.2017

Andrea fliegt heute leider nach Hause. Wir verabschieden uns um 16:30 am Flughafen Teneriffa Süd. Wenn alles klappt sehen wir uns Anfang 2018 in der Karibik wieder.

Günter landet kurz vor 19:00 auf Teneriffa Nord und kommt um 20:00 an Bord.

Sonntag bauen wir die von Günter mitgebrachten Ersatzteile ein. Danach wird mal wieder das Deck geschrubbt. Egal ob es Wüstenstaub oder Vulkanasche ist, es wird immer wieder schmutzig.

Montag wandern wir zum Supermarkt und kaufen wieder ein. 20171106_115951Die Waren werden abends zum Boot geliefert. Bis auf frisches Gemüse und Obst haben wir jetzt für die Überfahrt fast alles an Bord.

Dienstag, 07.11.2017                     bewölkt

Wir checken früh aus. Wir wollen heute bis San Miguel im Süden der Insel, dort tanken und Morgen nach La Gomera weiter fahren. Es wird dann doch 12:00 bevor wir abfahren. Mit viel Wind und ordentlichen Wellen im Rücken geht es nach Süden. Obwohl das Scenario keineswegs bedrohlich ist und wir gut voran kommen, wird Günter zum ersten Mal in seinem Leben von einer leichten Seekrankheit befallen, was uns nicht davon abhält die Schleppangel auszubringen um endlich mal einen Fisch an Bord zu holen. Günter verbringt den Tag überwiegend liegend im Cockpit. Als wir abends die Angelschnur einholen, ist die Enttäuschung groß. Scheinbar hat endlich ein dicker Fisch Interesse an unserem Köder gehabt. Dummerweise war der Kerl wohl zu dick. Er hat den Köder einfach abgerissen. Der Wind bläst noch kräftig, als wir den „Roten Felsen“, das Süd-Östliche Kap von Teneriffa, runden und dahinter vor Anker gehen, aber vor den Wellen sind wir hier gut geschützt. Wir machen uns erst mal eine heiße Suppe, später ein leckeres Putencurry. Selbst hier am Ankerplatz fühlt Günter sich nicht wirklich wohl und geht früh schlafen.

Apropos Ankerplatz: Wir hatten nachmittags bei der Marina La Gomera angerufen und erfahren, dass man uns z. Zt. keinen Liegeplatz für den 08.11. anbieten könne. Wir sollen Morgen um 12:00 nochmal anrufen, vielleicht wird ja was frei.  Telefonisch informiere ich Anna und Reinhard, die wir in San Sebastian de La Gomera treffen wollen. Sie liegen mit Ihrer Sancara schon seit einigen Wochen dort.

Mittwoch, 08.11.2017                       sonnig

Als wir aufwachen liegen wir auf klarem, ruhigem Wasser, den Anker sichtbar neben uns am Grund. Sonnenschein. Kein Wind. Wir lassen uns Zeit. Trinken Kaffee. Frühstücken. Um 10:03 klingelt mein Telefon. Reinhard: „Neben mir ist gerade ein Platz frei geworden. Vielleicht rufst Du besser jetzt im Hafenbüro an.“ Super Idee! Ich rufe sofort in San Sebastian an und erhalte die Zusage für einen Liegeplatz in der Marina. Danke Reinhard!

Natürlich gehen wir sofort Anker auf und machen uns auf den Weg. In San Miguel halten wir kurz zum Tanken. Es ist wieder mal sehr schwacher Wind aus Nord angesagt. Wir richten uns auf eine gemütliche Motorfahrt ein und bringen die Angel aus.  Nachdem wir die Küste von Teneriffa verlassen haben, setzen wir um 13:00 doch die Segel, um einen leichten Süd-West Wind zu nutzen.

13:20 Bei Gegenwind rollen wir die Genua wieder ein. Irgendwann fällt uns auf, dass unser Köder erneut abhanden gekommen ist. Wir knoten einen neuen an und versuchen es nochmal.

14:45 Wir segeln mit kleinster Segelfläche hoch am Wind gegen 20 kn aus Nord-West.

15:45 Wind genau von vorn. Wir bergen die Segel und motoren die letzte Stunde zum Hafen. Hier holen wir auch die Angelschnur ein. Diesmal ist wenigstens der Köder noch dran.

Reinhard hatte mich vor dem kräftigen Wind am Nachmittag gewarnt. Wir haben scheinbar Glück, bei unserer Einfahrt bläst es nur mäßig. Ein Mariniero weist uns tatsächlich den Platz neben Sancara zu. Während ich das Boot drehe um rückwärts in die Gasse zu manövrieren, ruf jemand aus einem Cockpit: „So möchte ich das auch mal können“. „Warte mal bis ich fertig bin“, rufe ich zurück. Ich steuere genau, aber langsam die Box neben der Sancara an. Gerade als sich unser Heck in die Lücke schiebt, erfasst eine kräftige Böe den Bug und drückt uns auf Sancaras Heck. Günter und Anna haben alle Hände voll zu tun, um mittels Fender und durch kräftiges Abdrücken Schäden an den Booten zu verhindern. Sicherheitshalber mache ich die zweite Anfahrt vorwärts. Um kurz vor 17:00 haben wir festgemacht. Nach einer sehr kurzen Begrüßung unserer Freunde muss ich im Hafenbüro einchecken.

Wir beschließen den Abend mit einer Pizza an Land und Büroarbeit an Bord.

La Gomera und Teneriffa

Montag, 23.10.2017                       sonnig

Wir mieten uns einen Wagen und fahren auf gut ausgebauten Straßen über die Insel. P1070094Bei vielen Pausen an Aussichtspunkten haben wir zum Teil atemberaubende Ausblicke über die Landschaft.

Im Inneren der Insel finden wir saftig grüne Wälder.

Es gibt ein großes Netz von Wanderwegen auf La Gomera.

Wandern ist sicher auch die schönste Beschäftigung, wenn man hier Urlaub macht.

Wir besuchen den Ort Valle Gran Rey an der Westküste. Ein kleines, ruhiges Nest mit netten  Geschäften, Restaurants und relativ viel Strand. Im kleinen Hafen liegen einige Fischerboote und drei Yachten. Im tiefen Wasser des Beckens können wir neben vielen kleineren Fischen auch große Rochen erkennen, die über den Grund schweben. Auf dem Rückweg halten wir noch in Playa de Santiago.

Mittwoch, 25.10.2017                   sonnig

Um 10:20 legen wir ab, um zurück zur Marina San Miguel auf Teneriffa zu fahren. Der schwache Wind von vorn stört zunächst nicht, wird im Laufe des Tages aber immer stärker. Das Meer bleibt dabei angenehm ruhig. Wir machen noch einen kurzen Abstecher nach Los Cristianos, um vielleicht dort zu übernachten. P1070103Der Hafen sieht aber nicht aus, als ob man dort Gastliegeplätze anbieten würde, und vor der offenen Küste wollen wir nicht ankern. Um 17:40 haben wir, wie ursprünglich geplant, in der Marina San Miguel festgemacht.20171026_092823

Freitag, 27.10.2017                         sonnig und warm

Mittags nehmen wir den Bus nach Los Cristianos. Die 20 minütige Fahrt kostet nur 1,75€ pro Person. Schon weit vor dem Erreichen der Busstation im Zentrum der Stadt fahren wir durch große Apartment-Anlagen verschiedener Bauart. Im Zentrum gibt es viele Hotels unterschiedlicher Größe. Wir laufen über breite, gepflegte Bürgersteige entlang vierspuriger Straßen in Richtung Wasser. Schnell erreichen wir ein Viertel, das schon eher nach Urlaub aussieht. Die üblichen Geschäfte für Andenken, Lederwaren und Mode wechseln sich mit netten Restaurants und Cafés ab.20171027_143121

Am Wasser gibt es  große Strände für die zahlreichen Gäste, direkt dahinter wieder Restaurants und Cafés.

Wir nehmen auf einer netten Terrasse Platz, trinken etwas und nutzen das schnelle Wifi. Ohne Tatoo „fühlen wir uns fast fehl am Platz“ zwischen all den englisch sprechenden Malbüchern. Den dritten Halt machen wir in einem schönen italienischen Lokal, wo Andrea mich zu sehr schmackhaften Spaghetti einlädt. Während wir später auf den Bus warten, erledigen wir im Super Dino noch unseren Lebensmitteleinkauf für die nächsten Tage. Um kurz nach 20:00 sind wir zurück an Bord.IMG_1946

Samstag, 28.10.2017                      bedeckt

Während des Morgen-Kaffees fällt uns auf, dass es mal wieder völlig windstill ist. Wir laden die aktuellen Wetterdaten und stellen fest, dass uns in den kommenden Tagen während der Fahrt nach Santa Cruz de Teneriffa, immer ein schwacher Wind entgegen blasen wird. Heute soll er mit höchstens acht kn am schwächsten sein. Kurz entschlossen checken wir aus und verlassen um 10:50  die Marina. Die ersten fünf Meilen steuern wir nach Osten. Aus dieser Richtung kommt auch der Wind, der inzwischen auf ca. 15 kn aufgefrischt hat. Am Roten Felsen angekommen wenden wir uns nach Nord-Ost. Der Wind dreht mit und bläst uns die nächsten Stunden mit 20 kn entgegen. Dazu fahren wir gegen gut einen Meter Welle. Schön langsam mit 3 kn, dann spritzt es auch nicht so (-:  Trotz des Windes bleibt es sehr diesig. Über dem Wasser ist die Luft gelb. Ich nehme an, das ist neuer Staub aus der Sahara. Am späten Nachmittag wird es wieder ruhig. Kurz vor unserer Ankunft begleitet uns nach langer Zeit mal wieder eine große Gruppe Delfine sehr nahe an der Küste von Teneriffa.

Allerdings ist es hier bereits 1.000 Meter tief. Um 19:40 machen wir in der Marina Santa Cruz fest. Zum Kochen haben wir heute keine Lust mehr. Wir gehen in die Stadt und gönnen uns ein paar Tapas.

Ironischer Weise haben wir Sonntag Mittag in Santa Cruz herrlichen Südwind.

La Gomera I

Samstag, 14.10.2017                      schwül, sehr warm, diesig durch gelben Sand

Bereits gestern hatte ich Luckys Deck gründlich gewaschen, weil sich während der kurzen Liegezeit in der Marina San Miguel eine dicke gelbe Staubschicht abgelagert hatte. Über Nacht hat der Wind scheinbar eine neue aufgelegt. Also nochmal abspritzen.

Um 12:00 fahre ich mit dem Bus zum Flughafen um Andrea abzuholen. Ich hatte in den letzten Tagen drei Taxifahrer nach einem Preis für die Strecke gefragt und drei verschiedenen Antworten von 12,00 bis 20,00 € bekommen. Nicht mit mir! Der Bus kostet 2,50 und braucht kaum 20 Minuten.

20171014_143657Der Flieger landet pünktlich. Um 14:30 sind wir zurück im Hafen.

Ich habe im Umfeld der Marina nichts gefunden, was zum Bleiben einlädt, und weil das Wetter sehr ruhig ist beschließen wir, Morgen nach La Gomera zu fahren.

Sonntag, 15.10.2017                      schwül, warm

Um kurz nach 08:00 rufe ich über Kanal 09 die Marina um auszuklarieren. Diesmal meldet sich sofort ein freundlicher Mariniero und holt mich mit seinem Golf-Cart am Steg ab. Er kassiert das Liegegeld im Büro und bringt mich zurück. Während Andrea die Dusche aufsucht, spüle ich wieder den Sahara-Sand vom Deck.

Um 10:30 legen wir ab. Wind haben wir kaum, aber anfangs schaukeln wir durch eine lästige Dünung. Auf halbem Weg kommt dann doch etwas Wind auf. Wir segeln unter Genua und genießen die Ruhe. Leider ist der Spuk nach einer halben Stunde schon vorbei. Um 16:00 fahren wir bei Flaute in die Marina La Gomera, San Sebastian ein. Wir melden uns über Funk. Ein freundlicher Mariniero weist uns ein und hilft beim Festmachen. Anmelden, Morgen früh im Büro.

P1070017Die gepflegte Marina liegt im Zentrum der kleinen Hauptstadt von La Gomera. Ein beschaulicher Ort mit vielen Geschäften, Restaurants und Cafés, sauberen Straßen und schattigen Plätzen unter Palmen und riesigen Lorbeerbäumen. Es gibt ein paar kleine und einen großen Supermarkt, Bäcker und Gemüsemarkt, alles gut zu Fuß zu erreichen.

Hier sehen wir Anna und Reinhard von der Sancara wieder. Wir waren uns bereits auf Porto Santo und Madeira begegnet. Wir treffen uns zwanglos zum lockeren Informationsaustausch bei Kaffee oder Bier.

Dienstag, 17.10.2017                     sehr warm

Um mehr von der Insel zu sehen, fahren wir mit dem Bus Nr. 2 in den Norden, nach Agulo. Die Reise ist fantastisch. Die erstklassige Straße windet sich durch eine alpine Landschaft. Die Gegend ist zwar nicht wirklich grün, aber man sieht in den Bergen sehr viele Palmen. Nach der Fahrt durch einen Tunnel ändert sich das Bild. Es ist wolkiger, die Landschaft grüner. Wir sehen Bäume, viele kleine landwirtschaftlich genutzte Flächen und auch größere Bananenplantagen. Agulo wirkt sehr verschlafen und aufgeräumt.

Auf dem Rückweg steigen wir in Hermigua aus. Auch ein schöner Ort, allerdings fällt mir nach wenigen Schritten auf, dass ich meine Kamera nicht mehr bei mir trage. Schei . . .. Es gibt drei Möglichkeiten, wo sie liegen könnte: In dem Lokal in Agulo wo wir einen Kaffee hatten, an der Bushaltestelle auf der Bank oder im Bus. Ich überwinde den ersten Ärger und fange an mich mit dem Verlust abzufinden, was soll ich schon machen. Andrea denkt da ganz anders und organisiert im ersten Bistro am Weg ein Taxi, was ich spontan für viel zu teuer halte.  Ich ändere meine Meinung, als wir 10 Minuten später die Kamera auf der Bank an der Bushaltestelle liegen sehen. Die nette Taxifahrerin, der wir unterwegs auf Nachfrage von dem Missgeschick erzählt hatten, meint, bei so viel Glück sollten wir Lotto spielen. Wir fahren mit ihr zurück nach Hermigua und bitte sie, uns irgendwo abzusetzen, wo man eine Kleinigkeit essen kann. Sie empfiehlt Pedro für Tapas. Die ganze Taxifahrt kostet 7,00 €. Die Welt ist wieder in Ordnung. Bei Pedro gönnen wir uns einen kleinen Imbiss und ein großes Bier, bevor wir den nächsten Bus nach San Sebastian nehmen. IMG_1826Pedro spricht gut Deutsch. Auf die Frage warum, antwortet er: „Meine Frau ist Deutsche.“

Mittwoch, 18.10.2017                   sonnig und warm

Heute probieren wir unsere Omnia Camping Backform aus, mit der wir bei der Atlantiküberquerung unseren Brotbedarf decken wollen. Sowohl das Vollkornbrot, als auch ein Rührkuchen gelingen gut.20171018_160037

Donnerstag, 19.10.2017               sonnig und warm

Wir nehmen an einer kostenlosen Führung durch San Sebastian teil. Die Fremdenführerin, Andrea erzählt anschaulich über die Geschichte der Stadt, Gebäude, Herrscher und den Aufenthalt von Columbus vor seiner Überfahrt in die neue Welt. Am Ende gibt es an einem Stand auf dem Markt noch eine kleine Verkostung lokaler Produkte.

Nachmittags besuchen wir mit unserem Kuchen die Sancara. Dabei lernen wir eine völlig neue Dimension von Stauraum kennen, obwohl das Schiff, eine Reinke S11 aus Aluminium, wahrscheinlich nicht länger ist als Lucky.

Als wir zurück an Bord kommen, haben wir die oft gewünschte „Handbreit Wasser“ im Schiff. Der Schlauch vom Heißwasser-Boiler ist abgesprungen und die Druckwasserpumpe hat den Inhalt des Wassertanks in die Bilge gepumpt. Er war zum Glück höchstens noch zu 1/3 voll. Wir pumpen das Wasser soweit möglich außenbords, tragen viele Behälter und einige Paletten Bier ins Cockpit, um den Rest mit Schwamm und Lappen trockenzulegen. Material zur nachhaltigen Reparatur des eigentlichen Schadens haben wir  zufällig an Bord.

Danach haben wir keine Lust mehr zu kochen. Andrea lädt mich in eine Pizzeria ein. Es schmeckt uns prima.

Teneriffa

P1060927Freitag, 13.10.2017                      sonnig

Günter ist wie verabredet am 02.10. von Bord gegangen. Er kommt am 04.11.2017 zurück.

Ich habe also reichlich Zeit, mich ein bisschen auf der Insel umzusehen. Gleich am 02.10. nehme ich den Bus nach San Cristobal de La Laguna, eine sehr alte Stadt in den Bergen, nicht weit von Santa Cruz, die zum Weltkulturerbe gehört.

Am 05. fahre ich nach Costa Adeje im Süden der Insel. Wie auch im benachbarten Los Cristianos wird hier das Bild der Stadt von Hochhäusern geprägt. Es gibt keine historische Altstadt, Strand ist knapp, Kneipen ohne Ende. Aber !!!, und jetzt die gute Nachricht: Man bekommt tagsüber 0,4 Liter San Miguel (Bier) für 1,00 €.  20171005_134206Dazu gibt es kostenloses Internet. Hier kann ich endlich meine neuen Seekarten für die Karibik runterladen.

Am 06. besuche ich Puerto de la Cruz. Die Fahrt führte über den Norden der Insel. Hier ist es viel grüner als im Süden. Ich habe u. a. große Bananenplantagen gesehen.  Puerto de la Cruz hat eine schöne gewachsene Altstadt. Viele Geschäfte und Restaurants, hübsch zum Durchlaufen. Eingerahmt wird das ganze allerdings wieder von Hochhäusern. Ich wandere dann noch zum botanischen Garten  Auch schön.

 

Samstag, 07.10.2017                      sonnig

Um 09:00 leihe ich mir an der Rezeption des Hafens ein Mountainbike aus. Gutes Rad, könnte aber etwas größer sein. Mein erstes Ziel ist der einzige helle Strand von Teneriffa. Playa de Las Tenesitas wurde mit Saharasand angelegt und soll schön sein, habe ich gelesen. Auf den knapp acht Kilometern Küstenstraße verlasse ich bald Santa Cruz, passiere den Containerhafen von Teneriffa und fahre dann an stinkenden Raffinerien vorbei.

Ich bin ja nicht so der Strandlieger, deshalb nehme ich auch nur flüchtig war, dass der Playa ziemlich leer aussieht.

Die Aussicht auf den Atlantik ist mit Bohrplattformen geschmückt.P1060985

Ich wende mich von der Küste ab und folge der gut ausgebauten TF-12 in die Berge. Der nächste Ort El Bailadero ist 16 km entfernt, liegt aber auch sehr hoch. Die Fahrt macht Spaß, aber ich merke bereits nach vier Kilometern, dass da nicht mehr viel gehen wird, obwohl es tatsächlich kühler wird, je höher ich komme. Mit einigen Stopps schaffe ich acht km. Keinerlei Gastronomie unterwegs. Mein Wasser ist alle.

Ich kann mir nicht vorstellen noch mal die gleiche Strecke zu schaffen, und ich muss ja auch wieder zurück. Deshalb drehe ich um und bin nach 20 Minuten wieder in San Andres am Meer. Kaffeepause.

Zurück in Santa Cruz bin ich sehr froh über meine Entscheidung. Weiter hätte es heute wirklich nicht sein müssen.

 

Montag, 09.10.2017                       sonnig

Um 11:00 lege ich ab und fahre auf den völlig glatten Atlantik. Mein Ziel ist San Miguel im Süden der Insel. Hier möchte ich Andrea an Bord nehmen. Der Flughafen ist ganz in der Nähe.

Wie angesagt, kommt der schwache Wind aus Süden. Es wird also wieder ein Tag unter Motor. Nach San Miguel wären es gut 35 nm gewesen, als ich aber um kurz vor 18:00 das Süd-Ost-Ende der Insel (Punta Roja) runde, sehe ich drei Yachten vor dem Playa de la Tejita ankern und leg mich kurz entschlossen dazu. Dann fahre ich eben erst Morgen in die Marina.

 

Dienstag, 10.10.2017                     sonnig

In der Nacht werde ich von einem kurzen, heftigen Regenschauer geweckt. Heute Morgen sieht man wieder viel Asche bzw. Sand an Deck, vom Regen zusammengespült.

Durch die glatte Wasseroberfläche kann ich den silber-glänzenden Anker im schwarzen Sand gut ausmachen. Die Schaufel hat sich eingebgraben, nur Stock und Bügel sind zu sehen.

Um 09:10 ziehe ich das Geschirr hoch und fahre langsam an der Südküste entlang. P1060994Eine knappe Stunde später habe ich die Marina San Miguel erreicht. Mein Anruf über UKW bleibt unbeantwortet. Auch nach dem Einlaufen in die Marina interessiert sich irgendwie keine Sau für mich. Ich mache am ersten freien Ponton fest. Dieser liegt gleich vor dem Marinabüro, aber dummerweise auf der gegenüberliegenden Seite des Beckens. Ich laufe einmal rund um den Hafen, ca. 500 Meter, zum Büro. Ich erkläre, dass ich gerade angekommen bin und gern ein paar Tage bleiben würde. Der Hafenmeister sichtet und kopiert meine Papiere und stellt die üblichen Fragen. Das dauert seine Zeit, weil er zeitgleich mehrere Telefonate führt und jeder Spanier, der das Büro betritt, um „mal eben was zu klären“, Vorrang hat. Ich erhalte meine Papiere zurück und er fragt mich, ob ich sonst noch was brauche.  Ja  ? ? ?  Einen Liegeplatz.

Er war wohl davon ausgegangen, dass ich bereits eine freie Box gefunden hatte. Jetzt werde ich direkt am Büro von einem Mariniero im Schlauchboot abgeholt, er zeigt mir einen geeigneten Platz und bringt mich dann zurück zu Lucky. Ich mache los und verhole mich zum Liegeplatz.  Es ist inzwischen nach 11:00. Bis zum späten Nachmittag beschäftige ich mich mit der Bootspflege.

Auf dem Spaziergang am Abend kann ich spontan nichts enddecken, was mit gefällt. Schauen wir Morgen mal.

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Marina San Miguel

Mittwoch, 12.10.2017                   sonnig

Dank Google-Maps kenne ich mich heute schon besser aus. Ich finde ein paar Lokale mit Meerblick und laufe zum 3,7 km entfernten Supermarkt. Auf dem Rückweg sammele ich Daten über Buslinien, die uns hier in Zukunft helfen können. Nachmittags wird geputzt und abends lecker gekocht.

Um 21:00 mache ich mich auf dem Weg zu einem der Lokale, die für den Abend Life-Musik anbieten. Die Pool-Bar The Palms, innen einer Cafeteria ähnlich, aber mit kleiner Bühne, hat Platz für ca. 50 Gäste. Zwei Tische sind mit insgesamt sechs Personen (4 + 2) besetzt. Ich belege den dritten Tisch und ein weiterer Herr wenig später den vierten. Der Künstler singt zu Playback, wie ich finde, wirklich gut. Auch die Auswahl aus alten und aktuellen Songs gefällt nicht nur mir, auch die anderen Gäste klatschen kräftig Beifall. Allerdings ist Applaus von acht Leuten naturgemäß ziemlich dünn.  Er singt ohne Pause etwas länger als eine Stunde, erfüllt sogar noch einen Zugabe-Wunsch, aber um 22:40 ist Schluss. Ich zahle 5,00 € (großes Bier, kleines Bier, Tipp) und laufe in 20 Minuten zurück zum Schiff.

Morgen Mittag kommt Andrea am Flughafen Teneriffa-Süd an. Ich freue mich auf drei Wochen gemeinsamen Urlaub.

Von Arrecife nach Santa Cruz de Tenerife

Dienstag, 26.09.2017             bedeckt, warm

Sehr früh mache ich mich auf den Weg und lasse unsere große Gasflasche füllen. Danach hole ich frisches Obst und andere Kleinigkeiten, während Günter noch kleine Reparaturen vollendet und wieder Deck und Cockpit schrubbt. Der gelbe Staub lässt sich nicht einfach abspülen. Gegen Mittag checken wir aus.

Um 13:10 legen wir ab. Noch im Hafen setzen wir die Segel und fahren raus aufs Meer. Ungefähr eine Stunde schleichen wir bei äußerst schwachem Wind nach Süden. Dann bergen wir Großsegel und Genua und versuchen den letzten Windhauch mit dem Gennaker einzufangen.P1060887 Um 15:00 packen wir das Leichtwindsegel wieder ein. Zu mehr als 2,1 kn konnte es uns auch nicht verhelfen. Wir starten die Maschine und erreichen um 17:10 die nach Süden offene Bucht vor dem Playa de las Mujeres im Süden von Lanzarote. Hier ankern wir auf 6,5 m klarem Wasser über Sandgrund.

Wir haben großen Hunger. Eine halbe Stunde nach dem Ankern stehen die Spaghetti auf dem Tisch. Dank der telefonischen Beratung aus Deutschland wird der Tintenfisch heute viel zarter. Danke!

Mittwoch, 27.09.2017                   sonnig

Nach einer ruhigen Nacht, können wir am Morgen sogar unseren Anker am Grund sehen. Günter geht schon vor dem Frühstück schwimmen.

11:30 Wir gehen Anker auf und nehmen Kurs auf Teneriffa.

11:45 Die Genua wird ausgerollt.

Wir segeln langsam entlang der Südküste Lanzarotes.

13:30 Bei beständigem Nordwind setzten wir das Großsegel dazu.

Es wird ein herrlicher Tag ohne Störungen. Günter findet unterwegs Zeit seinen Kopf zu rasieren. Ich baue eine neue Leselampe im Vorschiff ein. Abends braten wir Fischfilets, dazu gibt es Kartoffeln und Salat. Nach dem Essen segeln wir in eine ruhige Nacht.P1060906

Donnerstag, 28.09.2017               teilweise bedeckt

Um 02:50 verlässt uns der Wind. Günter startet die Maschine und packt die Segel ein. 08:25 Der Wind ist zurück. Ich setze die Segel. Um 10:45 brist es nochmal kräftig auf. Wir nehmen das Großsegel weg und lassen uns auf den letzten Meilen allein von der Genua ziehen. Bei der Annäherung an die Insel, fällt uns eine Vielzahl von Ölbohrinseln auf, die vor der Nord-Ost-Küste von Teneriffa vor Anker liegen.

Um12:10 fahren wir in den Hafen von Santa Cruz ein. Auch hier führt der Weg zur Marina an mächtigen Bohrplattformen vorbei.

Ein bisschen romantischer hatte ich mir Santa Cruz schon vorgestellt, aber die Überfahrt war bisher die angenehmste Strecke, die wir segelnd zurückgelegt haben.

 

Arrecife

 Sonntag, 24.09.2017                      bedeckt

Wir schlafen lange und nutzen die großzügigen Duschen der Marina. Nach dem Frühstück gebe ich mich an den Bericht zur Überfahrt. Günter arbeitet in seinem Büro. Danach machen wir uns auf die Suche nach einer winzigen Undichtigkeit im Vorschiff. Als wäre die Fahrt hierher nicht unangenehm genug gewesen, musste ich alle zwei Stunden die Papiertücher wechseln, mit denen ich die Wassertropfen aufgefangen habe, die in meine Kabine sickerten. Ich entferne die Wandverkleidung der Kabine und beobachte alle Nähte und Spalten in dem Bereich, wo die Tropfen eintraten. Günter lässt mit einem Schlauch von außen Unmengen Wasser übers Deck laufen. Sehr, sehr lange erreicht kein Tropfen den Innenraum und ich bewundere Günters Geduld. Erst als er die Innenwände des Ankerkastens abspritzt, dringt Wasser in die Kabine. Jubel!!! Wir haben die Undichtigkeit lokalisiert. Morgen wird abgedichtet.

Nachmittags experimentieren wir wieder an der Zubereitung von Pulpo. Es entsteht ein schmackhaftes Spaghetti-Gericht, nur die Tintenfischstücke könnten etwas zarter sein. Es wird später Nachmittag, bis wir endlich zu Fuß die Marina verlassen, um uns ein wenig in der Stadt umzusehen. Vielleicht sind wir in die falsche Richtung gelaufen, aber abgesehen von der langen Schlange vor der Kinokasse, kam uns Arrecife ziemlich ausgestorben vor.

Zurück auf dem Marinagelände finden wir ein paar leckere Bier in angenehmer Umgebung.

Montag, 25.09.2017

Ich werde um kurz vor 08:00 vom Regen, der aufs Deck fällt, geweckt und schließe alle offenstehenden Luken. Wir haben hier nicht mit Regen gerechnet. Ein bisschen Süßwasser von oben schadet ja auch nicht. Ärgerlich ist, dass der Regen eine dünne Schicht von feinem, rotbraunem Sand auf unserem sauber geputzten Deck hinterlassen hat.     Machen wir eben alles nochmal.

Zunächst müssen wir aber die gestern beschlossenen Arbeiten erledigen. Der Anker wird samt Kette und Leine auf dem Steg abgelegt, damit Günter im Ankerkasten arbeiten kann. Dann ziehe ich los um die Einkaufsliste abzuarbeiten. Als ich nach 1 ½ Stunden erfolgreich zurückkehre, ist nicht nur meine Kabine dicht, sondern auch diverse andere Arbeiten erledigt. P1060880Wir packen unsere leeren Gasflaschen in die Rucksäcke und machen uns auf den Weg zur Füllstation. Dabei laufen wir ca. eine halbe Stunde und fahren dann noch eine Station mit dem Bus. Leider sind wir um 16:40 zu spät am Ziel, aber Morgen wird ab 07:30 wieder gefüllt.

Zurück nimmt der Bus eine andere Route. Wir bleiben natürlich viel zu lange sitzen, weil wir uns nicht auskennen. Bis wir die Marina erreichen sind wir heute Nachmittag 5,1 km, 9.433 Schritte gelaufen.

An Bord bereiten wir uns ein schmackhaftes Hähnchen-Curry zu.

Frisch gestärkt wechseln wir danach das Öl des hydraulischen Autopiloten.

Die Überfahrt zu den Kanaren

 Mittwoch, 20.09.2017                   sonnig

Wir verbringen den letzten Tag auf Madeira, weil unser Liegeplatz ab Morgen für ein anderes Boot reserviert ist, und es keine gute Liegemöglichkeit in der näheren Umgebung gibt. Ursprünglich wollten wir von hier nach Las Palmas, Gran Canaria segeln, da Günter von dort am 02. Oktober für einen Monat nach Deutschland fliegt. Leider gibt es bis Ende November keine freien Plätze. Der Hafen ist für die Teilnehmer der ARC (Atlantic Rally for Cruisers) reserviert. Wir beschließen in der Zwischenzeit andere Kanarische Inseln zu besuchen. Morgen brechen wir zu einem Ankerplatz südlich der kleinen Insel Graciosa auf.

 

Donnerstag, 21.09.2017                               sonnig

10:00 Wir verlassen den Hafen von Funchal. Es ist fast windstill und warm.

Graciosa liegt nördlich von Lanzarote, nur durch eine schmale Meerenge davon getrennt. Vor uns liegen 270 nm, also ca. 2 Tage Fahrt. Die Windvorhersage droht mit Starkwind aus Nord-Ost. Am ersten Tag sollen die Böen mit 27, am zweiten gar mit bis zu 30 kn einfallen. Wir sind gewarnt, aber wenigstens die Richtung stimmt.

12:00 Wind kommt auf. Wir setzen die Segel und halten Kurs auf unser Ziel. Der Wind nimmt schnell zu. Um 13:15 bergen wir das Großsegel. Die Genua allein reicht aus, uns mit „halbem Wind“ zügig über die ausgesprochen ruppige See zu ziehen. Gegen Abend erreichen die Böen schon 30 kn und der Seegang wird höher Das Cockpit wird immer öfter mit Seewasser geduscht, von Wellen die mit Wucht vor die Bordwand knallen. Die unregelmäßigen, ruckartigen Bewegungen des Schiffes machen kochen am Herd unmöglich. Selbst das zubereiten der chinesischen Nudelsuppen gerät zum Balanceakt. Zu allem Überfluss stellt in der Nacht der Autopilot seine Arbeit wegen Überanstrengung ein.  Hier verspüre ich zum ersten Mal den Wunsch rechts ran zu fahren und den Bus zu nehmen.

Stattdessen übernehmen wir das Ruder, gönnen ihm eine Pause und verkleinern das Vorsegel weiter. Dadurch wird das Steuern leichter, sodass die Automatik wieder übernehmen kann. Der Wachhabende verbringt die Stunden im Ölzeug, jederzeit bereit einzugreifen.

 

Freitag, 22.09.2017                         teilweise bedeckt

Der Wind weht fast unverändert durch. Der langen Nacht folgt ein langer Tag. Morgens sind wir dankbar ein Paket Müsli in den Vorräten zu haben. Fürs Mittagessen haben wir noch ein Brötchen, das wir uns teilen. Bis abends ist uns längst der Appetit vergangen. Nicht mal das Bier schmeckt.

Die folgende Nacht wird ähnlich wie die vergangene, nur sind jetzt die Wellen deutlich höher und der Wind erheblich stärker. Günter liest bei seiner Nachtwache 39 kn als höchste Windgeschwindigkeit ab. Seine Salzwasserdusche, die er abbekommt als er den Schutz der Sprayhood verlässt, um am Steuerstand Kurs und Geschwindigkeit zu überprüfen, beschreibt er: „. . . als hätte man mir einen riesigen Eimer Wasser ins Gesicht geschüttet  . . . und in den Ärmel meines ausgebreiteten Armes“. Eine andere Welle rollt über die ihm gegenüberliegende Sitzbank, und er kann nur die die Füße anheben und zusehen, wie das Wasser durch die Lenzrohre abfließt. Ich habe derweil auf der verbreiterten Salonkoje zwei Stunden erholsamen Schlaf gefunden.

 

Samstag, 23.09.2017                      bedeckt, später sonnig

Den Gedanken an den Ankerplatz haben wir längst gegen den Traum von einer Marina mit Wasseranschluss am Steg getauscht und beschlossen ins 20 nm südlicher liegende Arrecife zu fahren. Die letzte Stunde entlang der Ostküste von Lanzarote steuere ich selbst. Der Wind bläst zwar wieder mit 25 – 30 kn Wind, allerdings jetzt genau von achtern. Bei herrlichem Sonnenschein segeln wir richtig schnell. Um 15:00 fahren wir in die Marina Lanzarote, wo wir uns zuvor telefonisch angemeldet haben. Über Funk wird uns eine Box zugewiesen und ein Mariniero erwartet uns bereits am Steg. Beim Anlegen mit Rückenwind bewährt sich unsere starke Maschine als Bremse.

Wir haben es geschafft, sind uns aber einig: Das hat keinen Spaß gemacht! Deshalb wurde auch nicht fotografiert.

Mit viel Wasser spülen wir das Salz vom Schiff. Während ich Wäsche wasche schrubbt Günter Deck und Cockpit. Dann wäscht Günter, und ich bereite das Abendessen zu. Nach dem leckeren Essen und ein paar Bierchen kehrt langsam unsere Freude an der Reise zurück.

Madeira II

19.09.2017          bedeckt

Pünktlich um 08:40 finden wir uns vor dem Informationszentrum ein. Wenig später steigen wir als erste in den Bus mit 15 Plätzen. Wir klappern zuerst einige Hotels in Funchal ab um weitere Gäste einzusammeln. Fast voll besetzt geht es schließlich los.

Patrizia, die Fahrerin, stellt sich vor und erklärt abwechselnd in deutsch und Englisch, was es unterwegs zu sehen gibt. Die Informationen sind interessant, und Madeira ist wirklich sehr schön. Wir machen kurze Pausen in verschiedenen Orten, oder an Aussichtspunkten.

Vor der zweistündigen Mittagspause in Porto Moniz bietet Patrizia interessierten Teilnehmern an, ein Drei-Gänge-Menü in einem gutbürgerlichen Restaurant vorzubestellen. Inklusive aller Getränke kostet das Essen 12,00 €. Günter und ich nehmen das Angebot als Einzige an, fragen uns allerdings, was wohl „alle Getränke“ bedeutet. Beim  Eintreffen im Lokal ist für uns ein Zweier-Tisch reserviert, darauf stehen, bereits geöffnet, eine große Flasche kaltes Wasser, eine kalte Flasche Weißwein und eine Flasche Rotwein. Das soll wohl reichen.

Suppe, Hauptgericht und Nachtisch schmecken prima. Danach gibt es noch einen Espresso. Was will man mehr?

 

Nach einem gemütlichen Rundgang durch den Ort mit seinen tollen Naturschwimmbädern setzen wir die Tour fort.

 

Es gibt zwei weitere Stopps am Nachmittag.

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Hortensien blühen überall am Straßenrand

Gegen 17:00 setzt uns Patrizia wieder in Funchal ab. Ein schöner Tag!

An Bord schauen wir nochmal nach der Selbststeueranlage und machen „Büroarbeiten“.